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18.07.2012

Erste Eindrücke der Canon 5D Mark III

Es ist die wahrscheinlich am meisten erwartete Spiegelreflexkamera der vergangenen Jahre: die Canon 5D Mark III. Die Vollformat-DSLR hat 22 Megapixel, ein verbessertes Autofokus-System und wird 3300 Euro kosten. Die futurezone hat ein Hands-On mit dem Vorserienmodell gemacht.

Es ist fast schon ein Mythos, der der 5D Mark III vorausgeeilt ist. Seit dem Erscheinen der 5D Mark II (die erste DSLR mit Videoaufnahme) Ende 2008 machten Gerüchte über die Nachfolge-Kamera die Runde. Der Grund dafür war der durchschlagende Erfolg der 5DMKII, die sowohl Hobby- als auch Profifotografen gleichermaßen begeisterte. Jetzt bekommt sie mit der 5D Mark III in Kürze den lang erwarteten Nachfolger.

 

Bilderstrecke

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Daten
Die 5D Mark III wird im April erscheinen und 3299 Euro (UVP, nur Body) kosten. Sie hat einen 22,3-Megapixel-Sensor im Vollformat (36 x 24 mm, CMOS) und nimmt Videos in FullHD in zwei Kompressionsstufen (niedrig und hoch) mit 30, 25 oder 24 Vollbildern pro Sekunde auf. Der Serienbildermodus schafft bis zu sechs Bilder pro Sekunde. Im RAW-Format sind so 18 Aufnahmen in Folge möglich, im JPG-Format 16270.

Das 61-Punkt-Autofokus-System (41 Kreuzsensoren) und die Belichtungsmessung über 63 Zonen wurden vom Spitzenmodell Canon 1D X übernommen. Der ISO reicht von 100 bis 25.600 und ist auf 50 bis 102.400 erweiterbar. Ebenfalls von den Profi-Kameras übernommen ist der Dual-Kartenslot, der Platz für eine SD und Compact-Flash-Karte (UDMA kompatibel) bietet. Um bei Videoaufnahmen den Ton zu überprüfen, ist nicht nur ein Mic-In vorhanden, sondern auch ein Kopfhöreranschluss.

Das Display an der Rückseite ist ebenfalls von der 1D X übernommen. Es hat 3,2 Zoll und eine Auflösung von 1,04 Millionen Bildpunkten. Mit der 5D Mark III wird auch ein neuer Akkugriff erscheinen. Der BG-E11 (380 Euro), und natürlich auch die Mark III, nutzen dieselben Akkus wie die der 5D Mark II. Ebenfalls zeitnahe wird der Aufsteck-Blitz Speedlite 600EX-RT (700 Euro) erscheinen, der eine Leitzahl von 60 (Meter bei 200mm und ISO 100) hat und einen Weitwinkelbereich und von 14mm abdeckt.

Zu den üblichen Aufnahmemodi sind jetzt auch die Mehrfachbelichtung und ein HDR-Modus hinzugekommen. Für den Autofokus gibt es sechs Voreinstellungen, die je nach Aufnahmesituation für die besten Ergebnisse sorgen sollen.

Hands-On
Größenmäßig ist kaum ein Unterschied zwischen der 5D Mark II und Mark III. Durch die neuen Rundungen wirkt die Mark III etwas bauchiger, ja fast schon niedlicher und freundlicher als die 5D Mark II. Der Griff an der rechten Seite wurde leicht überarbeitet und passt sich jetzt besser der Hand an. Das rutschfeste Material bedeckt jetzt bei der Mark III auch den Speicherkarten-Deckel an der rechten Seite – bei der Mark II war dies noch normales Plastik. Auch beim Akkugriff wurde nachgebessert. Die Form an der rechten Seite wurde so angepasst, das der Handballen der rechten Hand nicht mehr die AF-ON-Taste bedeckt, sondern sich regelrecht ans Gehäuse anschmiegt.

Die Haptik mit Akkugriff ist ausgezeichnet, ohne ist die 5D Mark III, wie auch schon die Mark II, zwar verwendbar, aber weit weniger angenehm. Man merkt, dass die DSLRs für die Nutzung mit dem Akkugriff konzipiert wurden.

Tasten und Knöpfe
Wer mit der 5D Mark II fotografiert hat, muss sich bei der Mark III umgewöhnen. Viele Knöpfe und Tasten wurden neu platziert, bzw. verändert. Das Knopf-Layout der 5D Mark III wurde den günstigeren Canon-Modellen, wie der 60D und 7D angepasst. Das ist zwar kein Nachteil, erweckt aber bei passionierten Canon-Fotografen anfangs subjektiv den Eindruck, dass es sich nicht mehr um ein Premium-Modell handelt, da es jetzt eben mehr wie eine 7D als eine 1D Mark IV zu bedienen ist. Angenehm fällt auf, dass die Tasten jetzt Mattgrau statt Glanzschwarz sind und so besser zum dunkelgrauem Gehäuse der 5D Mark III passen.

Der Einschalter wurde von unter dem rückseitigen Drehrad nach links oben zum Modus-Wahlrad verlegt. Der Platz unter dem Drehrad wird jetzt für eine Sperrtaste genutzt. Im Menü ist einstellbar, welche Tasten und Räder damit gesperrt werden sollen. Das Modus-Wahlrad hat jetzt, wie die 60D, eine Sperrtaste, die zum Drehen gedrückt werden muss. Laut Canon wurde dieses Feature von vielen 5D Mark II-Besitzern nachgefragt, weil unbeabsichtigt der Modus gewechselt wurde, wenn etwa die Kamera verstaut oder am Gurt hängen gelassen wurde.

Neue Anordnung
Die einzigen Tasten an der linken Seite, die von der Mark II übernommen wurden, sind die Wiedergabe- und Löschen-Taste. Mit der Bildstil-Taste links oben wird der Bildstiel gewählt sowie die Mehrfachbelichtung oder der HDR-Modus. Beide können in so gut wie allen Fotomodi genutzt und mit den Bildstilen kombiniert werden. Es ist einstellbar, ob die Modi nur für die nächste Aufnahme oder für alle folgenden Aufnahmen aktiv bleiben. Im HDR-Modus können mehrere Voreinstellungen gewählt werden, sowie mit wie vielen Blendeneinstellungen Unterschied die Fotos gemacht werden sollen.

Die Rate-Taste ist zur Beurteilung der Fotos gedacht und erfüllt sonst keinen Zweck. Sie kann leider auch nicht frei mit wichtigeren Funktionen belegt werden. Darunter ist die Lupen-Taste. Um in ein Bild hineinzuzoomen, muss diese gedrückt und die Vergrößerung mit dem Drehrad gewählt werden. Das ist umständlicher als bei der 5D Mark II, bei der die Tasten zum Hinein- und Hinauszoomen rechts oben waren.

Von der 1D X übernommen ist die Quickmenü-Taste, die zwischen Joystick und Drehrad sitzt. Die hätte es aber nicht unbedingt gebraucht, da diese Funktion bei der 5D Mark II durch das Drücken des Joysticks aufgerufen wurde. Leider wurde von der 5D Mark II übernommen, dass man zwar im Quickmenü die Menüpunkte anwählen, aber dann nicht die entsprechenden Optionen anwählen kann – dies ist nur über die Drehräder an der Rück- und Oberseite möglich.

Nicht ganz gelungen sind die Tasten an der rechten Oberseite beim Status-Display. Diese sind flacher und schwerer zu drücken – auch das ist laut Canon eine Reaktion auf Beschwerden von Kunden, die unabsichtlich Tasten betätigt haben. Ebenfalls eigenwillig gelöst ist der Live-View/Video-Kippschalter neben dem Sucher. Um ein Video zu starten, wird der Schalter auf dem Video-Modus gestellt. Der Start/Stopp-Knopf in der Mitte des Schalters startet und stoppt das Video. Will man den Videomodus verlassen, muss man aber den Schalter wieder zurück auf den Live-View-Modus stellen und dann die Start/Stopp-Taste drücken.

Sucher und Displays
Der Sucher deckt laut Canon ein Sichtfeld von 100 Prozent ab. Dennoch sind ganz kleine schwarze Schatten in den vier Ecken beim Durchblicken zu sehen. Die Helligkeit und Schärfe ist gut. Im Sucher kann diesmal auch ein Gitter eingeblendet werden. Es ist auch möglich, auf Knopfdruck die digitale Wasserwaage zu aktivieren. Hier leuchten die Fokuspunkte horizontal und vertikal auf. Ist nur der mittlere Fokuspunkt zu sehen, ist die Kamera korrekt ausgerichtet. Ebenfalls neu im Sucher ist ein Rufzeichen, das rechts unten eingeblendet wird, wenn man im Monochrom-Modus ist. So soll verhindert werden, dass man unbeabsichtigt in Schwarz-Weiß fotografiert.

Das Status-Display an der Oberseite enthält jetzt mehr Informationen, ist ein wenig anders aufgeteilt und eine Spur kontrastreicher. Außerdem ist leicht angeschrägt, was die Lesbarkeit erleichtert, weil die Kamera jetzt weniger weit Richtung Fotograf gekippt werden muss, um das Display abzulesen. Ein wenig störend ist, dass die Belichtungskorrektur zwar bis zu fünf Blendenstufen in beide Richtungen geht, das Status-Display aber nur von -3 bis +3 anzeigt. Darüber hinaus wird nur ein Pfeil in die entsprechende Richtung angezeigt.

Das große Display an der Rückseite ist ein deutlicher Fortschritt im Gegensatz zur Mark II. Es ist schärfer und der Abstand zwischen Glas und Display ist geringer, wodurch auch die Reflexionen bei Sonneneinfall dezenter ausfallen.

Performance
Da es sich bei dem Modell noch um eine Kamera mit einer Vorserien-Software gehandelt hat, durften die Fotos nicht die Kamera verlassen. Deshalb ist es noch nicht möglich auf die Bildqualität oder das Rauschverhalten bei hohen ISO-Werten zu schließen.

Der Autofokus war beim Hands-on bei Kunstlicht etwas schneller als der der 5D Mark II und auch präziser. Ein Quantensprung ist es aber nicht. Aber auch hier gilt es auf ein Modell mit der finalen Software zu warten.

Schneller ist die 5D Mark III auch beim Einschalten. Sie ist gut eine halbe bis eine Sekunde schneller Betriebsbereit als die 5D Mark II. Auch das Auslöse-Geräusch wurde überarbeitet. Es klingt jetzt spritziger, schneller und höher – im direkten Vergleich wirkt das Auslösegeräusch der 5D Mark II fast schon gequält. Eine willkommene Neuerung ist auch der Silent-Modus, der das Auslösegeräusch der Mark III deutlich reduziert – wahlweise auch im Serienbildermodus.

Ersteindruck
Die 5D Mark II war eine Revolution. Entsprechend schwer fällt es, glücklich mit der 5D Mark III zu sein, da die jahrelangen Hypes Erwartungen aufgebaut haben, die nur schwer zu erfüllen sind. Für Hobbyfotografen gibt es kaum Gründe, um von ihrer Mark II um 3300 Euro (plus 380 Euro für den Akkugriff) auf die Mark III umzusteigen. Hobby-Fotografen, die auf Vollformat umsteigen wollen und keine Mark II haben, dürfen mit der Mark III liebäugeln. Für Profifotografen wird die Mark III eine gute Zweitkamera zur 1D Mark IV sein, da sie sich nicht nur für Studiofotografie, sondern durch den verbesserten Autofokus, den dualen Speicherkartenslots, den leisen Auslöse-Modus und die schnellere Serienbildaufnahme jetzt auch besser für Reportagefotografie eignet.

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