Produkte
20.04.2014

Flugzeug per App steuern: Absturz vorprogrammiert

Das ultraleichte SmartPlane soll sich kinderleicht per Smartphone-App fernsteuern lassen. Ob das Gadget hält was es verspricht, hat die futurezone ausprobiert.

Der Eindruck, den man vom SmartPlane gewinnt, wenn man sich auf der dazugehörigen Website erkundigt, lässt richtige Vorfreude aufkommen. Es sei das weltweit erste, per App ferngesteuerte Spielzeugflugzeug; von intuitiver Kontrolle, intelligenter Flugassistenz und sogar von Weltraumtechnologie ist dort zu lesen.

Dürftige Materialqualität

Ist das SmartPlane aber erstmal aus der Verpackung genommen, mündet die Vorfreude in Ernüchterung. Denn der Styropor-Aufbau wirkt äußerst filigran und zerbrechlich. Die Verarbeitung von Propeller, Ein- und Ausschalter, Seitenruder und Micro-USB-Stecker erinnert mehr an ein flüchtiges Maturaprojekt als an ein hochwertiges Gadget.

SmartPlane

1/13

0J6A7361 neu neu.jpg

0J6A7376 neu neu.jpg

0J6A7411.jpg

0J6A7383.jpg

0J6A7327.jpg

0J6A7334.jpg

0J6A7340.jpg

0J6A7343.jpg

0J6A7355.jpg

photo.PNG

photo 3.PNG

photo 2.PNG

photo 1.PNG

So wie es aussieht, wird das Seitenruder mithilfe eines kleinen Magneten, der per Induktionsspule angesteuert wird, bewegt. Der dazugehörige Draht, der vom “Cockpit” am Rumpf des Flugzeugs entlang bis zum Seitenruder verläuft, wurde lediglich mit einer Heißklebepistole und Klebeband befestigt. Auch die Drahtverbindung zum Propeller wurde, quasi notdürftig, mit einem Stück Klebeband festgemacht.

Erste Flugversuche

Die Fernsteuerung des Flugzeugs funktioniert per iOS-App, die sich via Bluetooth mit dem SmartPlane verbindet. Eine entsprechende Android-App soll demnächst erscheinen. Für die Erstinstallation muss man ungefähr zehn bis 15 Minuten einplanen, bis sich die App eingerichtet hat und das Flugzeug endlich abheben kann.

Damit das SmartPlane auch tatsächlich fliegt, muss man “ihm Flügel verleihen” und es wie einen Papierflieger bei eingeschaltetem Propeller leicht anschubsen. Ist das SmartPlane erst mal in der Luft, kann die Schubstärke des Propellers mittels Schieberegler in der App gesteuert werden.

Gelenkt wird, indem das Smartphone in die gewünschte Flugrichtung geneigt wird. Da es dem SmartPlane an einem Höhenruder fehlt, fliegt es nach dem Flappy-Bird-Prinzip. Das heißt je mehr Schub man gibt, desto höher fliegt es; nimmt man Schub weg, geht das Flugzeug in den Sinkflug über.

Destination unbekannt

So einfach die Steuerung des SmartPlanes in der Theorie auch klingt, so unbrauchbar ist sie in der Praxis. Denn schon nach den ersten Flugversuchen wird klar, dass es kein Kinderspiel ist, das Flugzeug geradeaus fliegen zu lassen; geschweige denn einen kontrollierten Kurvenflug einzuleiten.

Für Flugmanöver dieser Art ist die Lenkung, die über die Neigungssensoren des iPhones funktioniert, zu sensibel und reagiert merklich zeitversetzt. Zumal man beim Start mit der einen Hand das Flugzeug anschubst, während man mit der anderen Hand die Schubkraft regelt und darüber hinaus das Smartphone noch in einer möglichst geraden und wackelfreien Position halten soll.

Für einen Indoor-Flug ist enorm viel Platz nötig, damit das Flugzeug nicht gleich nach den ersten Metern an eine Wand kracht. Im Freien ist an einen sicheren Flug nicht zu denken, wenn auch nur ein laues Lüfterl weht.

Mit heftigen Turbulenzen ist zu rechnen

Mit einem Gewicht von gerade einmal zehn Gramm kann man sich vorstellen, in welche Turbulenzen das SmartPlane gerät, wenn der Wind auch nur ein bisschen weht. Positiv dabei ist, dass das SmartPlane mehrere dutzend Mal heftig gecrasht ist, ohne dabei in die Einzelteile zerfallen zu sein.

Schafft man es, das Flugzeug mehr als dreißig, vierzig Meter weit fliegen zu lassen, bricht die Bluetooth-Verbindung ab. Die Herstellerangabe von einer 60-Meter-Reichweite konnte bei den Flugversuchen nicht nachvollzogen werden.

Praktisch hingegen ist, dass die Bluetooh-Verbindung zwischen Smartphone und Flugzeug automatisch nach Öffnen der App hergestellt wird, wodurch ein umständliches Pairing wegfällt.

Fazit

Das SmartPlane ist ein lustig anmutendes Gadget, das am Papier deutlich mehr verspricht als es in der Praxis halten kann. Verarbeitung und Materialqualität erwecken einen derart minderwertigen Eindruck, dass es verwundert, dass das Flugzeug selbst mehrere Unfälle unbeschadet überstanden hat. Außerdem ist die Steuerung kaum brauchbar und das Gewicht des Flugzeugs zu gering, um im Freien nicht vom Winde verweht zu werden. Alles in Allem ist der Spaß die 69 Euro, die das SmartPlane auf Amazon kostet, nicht wert.