Graues Fitbit Air am Arm mit rotem Sessel im Hintergrund
© Thomas Prenner
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Fitbit Air im Test: Was kann Googles günstiger Whoop-Konkurrent

Das Fitbit Air ist äußerst minimalistisch. Hier ist es mit dem Performance Loop Band zu sehen.

Dass weniger manchmal mehr ist, zeigt der aktuelle Fitness-Tracker-Trend. Ein Hersteller nach dem anderen bringt displaylose Fitness-Armbänder auf den Markt, die selbst nicht viel können, außer Körperdaten aufzuzeichnen. In der Regel verfügen sie nicht einmal über ein GPS-Modul, um Strecken zu tracken.

Ausgelöst hat diesen Hype in erster Linie Whoop. Und das mit Erfolg: Bei einer Finanzierungsrunde Ende März wurde das Unternehmen mit insgesamt 10,1 Milliarden US-Dollar bewertet. Wohl auch nicht zuletzt aufgrund aggressiven Marketings mit Sportlern oder Influencern. 

Am Kuchen wollen nun auch andere mitnaschen, darunter Google. Vor Kurzem präsentierte der Hersteller sein neues Fitbit Air. Das Konzept ist das Gleiche wie bei Whoop: Es ist ein minimalistisches Armband ohne Display, aber mit Sensoren für Körperwerte. Ich habe es getestet.

➤ Mehr lesen: Whoop-Alternative: Google bringt Fitness-Tracker ohne Display

Vorweg: Für diesen Test habe ich das Fitbit Air rund 10 Tage getragen. Um einen umfassenden Eindruck von den Analysen des kostenpflichtigen KI-Gesundheitscoaches zu bekommen, ist ein sehr viel längerer Testzeitraum notwendig. Darum bezieht sich dieser erste Test vorerst in erster Linie auf die Hardware und die aufgezeichneten Daten. 

Äußeres und Akku

Wenn Whoop im Hinblick auf Design schon als minimalistisch gilt, ist das Fitbit Air als ultra-minimalistisch zu bezeichnen. Das schmale Band sieht wie ein unauffälliges Mode-Accessoire aus. Nicht mal ein Google-Logo ist zu sehen, wenn man es angelegt hat. Der Verschlussmechanismus des Performance Loop Bandes (es gibt verschiedene Arten an Bändern) besteht lediglich aus einer Schlaufe und einem Klettverschluss. Einfach, aber effektiv. Für mich deutlich angenehmer als der manchmal etwas fummelige Whoop-Verschluss.

Google spricht davon, dass der Akku mit einer Ladung eine Woche lang durchhalten soll. Im Test konnte ich diesen Wert locker erreichen. Nach 7 Tagen war ich bei rund 30 Prozent Akkustand angekommen. Geladen wird über einen magnetischen Anschluss. Ein Adapter zu USB-C liegt bei.

Raffiniert ist, dass man den Akkustand nicht nur per App checken kann. Das Band verfügt nämlich über eine LED-Statusleuchte direkt seitlich auf dem Tracker-Modul. Durch ein kräftiges Doppeltippen auf das Gehäuse leuchtet sie auf: Weiß bedeutet über 20 Prozent Akku, ein blinkendes Rot signalisiert unter 20 Prozent und ein dauerhaftes Rot heißt 0 Prozent. 5 Minuten Ladezeit reichen für einen vollen Tag Akkulaufzeit. Komplett voll von 0 auf 100 Prozent lädt es in etwa 90 Minuten.

Nahaufnahme des Verschlusses eines schwarzen Fitbit Air Fitness-Armbands mit Google-Logo.

Aufgezeichnete Körperwerte

Das Herzstück jedes Fitnesstrackers ist die Aufzeichnung von Daten. Hier liefert Google genau das, was auch Konkurrenzprodukte können. Das Fitbit Air zeichnet folgende Daten auf: 

  • Bewegung (3-Achsen-Beschleunigungssensor): Der Sensor misst kontinuierlich die physische Beschleunigung und die Bewegungsrichtung eures Handgelenks. Das ist die Datenbasis für alles, was Schritte, Schlaf oder sportliche Aktivitäten sind.

  • Puls (Optischer Photoplethysmographie-Sensor): LEDs leuchten in die Haut, und Fotodioden messen das reflektierte Licht. Aufgezeichnet werden die exakten Millisekunden-Abstände zwischen den Pulsschlägen. Diese Rohdaten fließen in die Herzfrequenz (24/7), den Ruhepuls und die Herzfrequenzvariabilität (HRV). Letzteres ist vor allem beim Schlaf eine wichtige Metrik.

  • Blutsauerstoffsättigung (SpO2-Sensor): Über rotes und infrarotes Licht wird die Lichtabsorption im Gewebe gemessen, um den Sauerstoffgehalt im Blut während des Schlafs aufzuzeichnen.

  • Hauttemperatur: Ein Thermistorsensor misst die tatsächliche Oberflächentemperatur eurer Haut am Handgelenk während der Nacht.

Wer eine Pixel Watch besitzt, kann das Fitbit Air problemlos parallel dazu verwenden. Die Google Health App führt die Daten im Hintergrund automatisch und intelligent zusammen, ohne Schritte oder Belastungen doppelt zu zählen.

Das Fitbit Air kann eure Herzfrequenz zudem in Echtzeit via Bluetooth an kompatible Fitnessgeräte (z.B. Fahrradcomputer) und Drittanbieter-Apps übertragen. Somit kann man das Band anstelle eines Pulsgurtes verwenden. Das ist bei derartigen Bändern und Smartwatches ein durchaus übliches Feature. 

Wie funktioniert die Datenaufzeichnung?

Das Aufzeichnen der Körperwerte funktioniert genauso, wie ich mir das vorstelle. Egal, ob Puls über den Tag verteilt, oder HRV nachts. Ich bekomme meine Werte zuverlässig in die App geliefert. 

Beim Test habe ich parallel noch ein Whoop-Armband und eine Garmin-Uhr getragen. Die absoluten Werte zwischen den einzelnen Trackern unterscheiden sich zwar, weil die Berechnungsarten unterschiedlich sind. Die Trends sind allerdings stimmig. 

Ein interessantes Detail fällt beim Schrittzählen des Fitbit auf. Die Zahl an Schritten geht nämlich auch dann nach oben, wenn man sitzend oder stehend den Arm bewegt, auf dem das Band sitzt. Beim Vergleich der Schrittzahl über einen Tag mit den anderen Trackern ist das Fitbit-Band aber immer durchaus im Rahmen. Manchmal ein bisschen darüber, manchmal ein bisschen darunter. 

Sensor des Fitbit Air

Sport aufzeichnen

Wie Whoop verzichtet auch Googles neues Fitnessband auf ein GPS-Modul. Das heißt, man kann z.B. seine Radfahrten oder Läufe nicht direkt als GPS-Route aufzeichnen, um es dann zum Beispiel an Strava zu senden. 

Fitbit Air erkennt sportliche Aktivitäten automatisch, sofern sie länger als 15 Minuten dauern. Man setzt sich also einfach aufs Rad oder geht Laufen und das Band registriert das. Am Ende hat man dann eine Zusammenfassung der Aktivität. Dort sieht man Durchschnittspuls, verbrauchte Kalorien (geschätzt) und die "Cardio-Belastung". Letzteres ist ein Wert, der sich aus dem Puls berechnet. Das Fitbit errechnet dann nach einiger Zeit anhand der üblichen sportlichen Aktivitäten, wie viel Cardio-Belastung man pro Woche erreichen sollte.

Die App

Jeder, der sich schon mal eingehender mit Fitness- und Gesundheitstracker beschäftigt hat, dürfte sich in der neuen Google-Health-App recht schnell zurechtfinden. Die verschiedenen Messwerte sind dort unter dem Reiter "Gesundheit" zu finden.

Wer sich bislang noch gar nicht mit der App auseinandergesetzt hat, dürfte von den Werten ein bisschen überfordert sein. Während die Konkurrenz wie Garmin oder Whoop aus den Daten berechnete Werte ins Zentrum rücken (z.B. Body Battery bei Garmin oder "Erholung" bei Whoop), muss man in der Health-App schon ziemlich genau wissen, wonach man sucht. 

Abhilfe soll hier der kostenpflichtige, KI-basierte Gesundheitscoach in Google Health Premium schaffen. Dabei handelt es sich im Grunde um Gemini, das Zugriff auf die ermittelten Körperwerte hat und dadurch Empfehlungen ableitet. Man kann diesem KI-Coach auch mitteilen, was man gerne erreichen möchte (z.B. Halbmarathon laufen) und die KI leitet einen dann an, wie man dorthin kommt. 

Fitbit Air und Whoop 3.0

Fitbit Air und Whoop 3.0

Fazit: Günstiger Whoop-Konkurrent

Zugegeben, Google hat das Rad mit dem Fitbit Air nicht neu erfunden. Was das Unternehmen abgeliefert hat, ist allerdings ein solider Tracker, der die derzeit gängigen Körperwerte zuverlässig aufzeichnet. Das Design ist sehr minimalistisch, man sieht dem Gerät kaum an, was es eigentlich ist.

Ohne den kostenpflichtigen KI-Health-Coach ist die Health-App allerdings weniger einsteigerfreundlich aufbereitet als bei der Konkurrenz. Man muss schon ein bisschen Ahnung davon haben, was man möchte. 

Dafür bekommt man diese Basis-Funktion der Datenaufzeichnung deutlich günstiger als bei der Whoop-Konkurrenz. Dort legt man für das günstigste Jahresabo knapp 200 Euro hin. Das Fitbit Air bekommt man um die Hälfte des Preises ohne Abo-Gebühren, solange man auf den KI-Gesundheitscoach verzichten kann.

Das Fitbit Air kostet 99,99 Euro. Passende Armbänder gibt es ab 44,99 Euro. Ein Abo ist für die Nutzung ohne KI-Health-Coach nicht nötig. Dieser kostet zusätzlich entweder 9 Euro pro Monat oder 100 Euro im Jahr. Kauft man das Fitbit Air, sind 3 Monate kostenloses Google Health Premium enthalten.

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Thomas Prenner

ThPrenner

KURIER-futurezone Chefredakteur. Beschäftigt sich viel mit Dingen, die man täglich nutzt und schreibt darüber. Sitzt außerdem gerne am Fahrrad.

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