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Echtzeit-Infos
07/26/2012

Google Now: Kluger Assistent mit Gruselfaktor

Mit dem Launch von Jelly Bean hat Google auch einen neuen Echtzeit-Dienst in seine aktuelle Android-Version integriert. Google Now ist eine Art persönlicher Assistent, der zur jeweils passenden Zeit die passenden Informationen liefern soll. Wie das funktioniert, woher Google die notwendigen Daten bezieht und wieso die Funktion gleichzeitig ausgesprochen nützlich, faszinierend als auch furchterregend ist, erläutert ein futurezone-Test.

von Claudia Zettel

Als Google im Rahmen seiner Entwicklerkonferenz I/O Ende Juni die neueste Android-Version

präsentierte, fiel auch der Startschuss für den Echtzeit-Infoservice"Google Now". Der Dienst ist eine Art persönlicher Assistent - ähnlich wie es sich auch Apples Siri zum Ziel gesetzt hat - der in Jelly Bean integriert ist und laut Google die jeweils passenden Informationen im jeweils richtigen Moment liefern soll. Auf Basis von Suchanfragen, Surfverhalten, Aufenthaltsort und Bewegungsinformationen lernt Google Now stetig hinzu bzw. den User immer besser kennen und zeigt über unterschiedliche Karten je nach Bedarf unterschiedliche Infos an. Dazu zählen Wetterinformationen ebenso wie Verkehrsinfos (Öffis und Flugdaten), Termine, Sportergebnisse oder Informationen zu Restaurants in der Umgebung.

Auch Googles neue Spracherkennung ist in Google Now integriert. In Verbindung mit dem

, können so auch gezielte Anfragen per Spracheingabe gestellt werden, auf die Google dann übersichtlich gestaltete Infokarten mit Bild, Text und diversen anderen Informationen statt nur eine reine Linkliste ausspuckt. Die Sprachsuche sollersten Testszufolge besser abschneiden als Konkurrent Siri, allerdings ist der Knowledge Graph vorerst - wie so vieles - den USA vorbehalten.

 

Verblüffende Ergebnisse mit Macken
Die futurezone hatte seit dem Besuch der I/O bereits einige Wochen Zeit, das neue Feature zu testen. Wenngleich Google Now in unseren Breiten noch nicht in dem selben Umfang zur Verfügung steht wie in den USA - neben dem fehlenden Knowledge Graph sind etwa auch Infos zu Öffis hierzulande nicht verfügbar - liefert der Service durchaus nützliche und erstaunlich genaue Ergebnisse. Google Now lernt mit der Zeit, wo der User wohnt, wo er arbeitet und weiß somit zum Beispiel, wann sich jemand auf Reisen befindet oder wie man am schnellsten von einem bestimmten Ort in der Stadt wieder nach Hause kommt. Sitzt man etwa beim Friseur oder irgendwo in einem Lokal, wird automatisch eine Karte mit aktuellen Verkehrsinfos und der Straßenroute nach Hause angezeigt. Bewegt man sich gerade nirgendwo, sondern sitzt zuhause auf der Couch oder im Büro am Arbeitsplatz, werden solche Infos gar nicht erst angezeigt. Dann geht Google Now davon aus, dass man diese Verkehrsinfo zur Zeit nicht benötigt und zeigt nur das aktuelle Wetter in einer Karte an.

Reist man in ein anderes Land, schlägt Google Now weitere Informationen vor : So wird zum Beispiel angezeigt, wie spät es zuhause gerade ist, oder es erscheint eine Karte mit Währungsinformationen und aktuellem Wechselkurs, sofern man sich in einem Land mit einer fremden Währung befindet. Auch eine Übersetzungskarte mit Phrasen in anderen Sprachen gibt es.

Obwohl die in Österreich verfügbaren Karten im Praxistest bislang meist relativ genaue Infos lieferten, zeigte sich auch, dass der Dienst noch in den Kinderschuhen steckt. So ist es mitunter passiert, dass Google Now im Zuge einer Reise plötzlich den Weg zu einem Ort anzeigte und diesen als "Zuhause" annahm, obwohl es sich dabei nur um irgendeinem, scheinbar zufällig gewählten Punkt zwischen der tatsächlichen Heimatadresse und dem Urlaubsaufenthaltsort handelte. Weiters kann es vorkommen, dass Infos mit zeitlicher Verzögerung angezeigt werden, etwa auf Basis von Suchanfragen, die bereits Wochen zuvor getätigt wurden und zu dem Zeitpunkt gar keine Relevanz mehr für den Nutzer haben, wie etwa in diesem Techcrunch-Bericht beschrieben.

Bezahlt wird mit Privatsphäre
All die schlauen Funktionen von Google Now sind natürlich nur dann nutzbar, wenn der User dem auch zustimmt und Google die nötigen Autorisierungen dafür erteilt, also etwa, um auf Standortdaten zugreifen oder das Suchverhalten speichern zu dürfen. Nach einigen Tagen der Nutzung weiß der Dienst dann in etwa, wo der User wohnt und wo er arbeitet und bittet um Bestätigung der jeweiligen Adresse.

Hier steht dann jeder einzelne Nutzer vor der Wahl: Bezahle ich mit meinen persönlichen Daten für einen praktischen und nützlichen Service oder verzichte ich im Sinne der Privatsphäre lieber darauf? Wer sich für den Service entscheidet, wird mit einer Benachrichtigung von Google darüber informiert, welche Daten dafür herangezogen bzw. gespeichert werden, dazu zählt nicht nur der aktuelle Standort bzw. die Standort-History. Auch Daten von "anderen Quellen", beispielsweise von anderen Google-Produkten oder von externen Anwendungen, die mit Google Now verknüpft werden, zieht der Service als Informationsbasis heran. Ebenfalls integriert werden Infos aus dem Google Kalender.

Google Now

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Google Now

Google Now

Google Now

Bewusste Zurückhaltung?
Wer Google Now nutzt, kann schnell begeistert, aber auch schnell abgeschreckt sein. Denn mit dem intelligenten Service wird deutlich sichtbar, wie viele Daten der Internetkonzern tatsächlich über seine Nutzer sammelt, wie gesammelte Daten aus verschiedenen Google-Produkten miteinander verknüpft werden und welche Schlüsse Google - im Grunde ohne Zutun des Users - letztlich daraus ziehen kann.

Das Potenzial von Google Now ist - auch in den USA - noch lange nicht ausgeschöpft. In diversen Medienberichten wurde in den vergangenen Wochen teils kritisiert, dass man mit dem neuen Feature eigentlich noch nicht so viel anfangen könne, wie grundsätzlich möglich wäre. Nun wird auch darüber spekuliert, ob Google sich zunächst bewusst mit diversen Funktionen zurückgehalten habe, um die Nutzer gewissermaßen langsam an den Service und seine gleichermaßen erstaunliche wie erschreckende Datenauswertung zu gewöhnen.

Künftig wäre es durchaus denkbar, dass auch Informationen aus E-Mails gezogen werden, beispielsweise, um auf Reisen noch mehr nützliche Informationen für den User bereitzustellen. Auch wenn es auf den ersten Blick furchteinflößend wirken mag, dass Google plötzlich im persönlichen Postfach "mitliest": Zunächst einmal muss sich jeder Nutzer im Klaren darüber sein, dass dies etwa zur Generierung von individuellen Werbeanzeigen bereits ein Stück weit geschieht, gleichzeitig sind bereits diverse Dienste, etwa wie

, auf dem Markt, die im Prinzip ähnlich funktionieren: E-Mail-Bestätigungen, bespielsweise zu Hotel- und Flugbuchungen, werden an den Dienst weitergeleitet und dieser erstellt auf Basis dessen einen genauen Reiseplan.

Die Qual der Wahl
Letztlich wird es wie schon erwähnt bei jedem Einzelnen liegen, zu entscheiden, ob für den Genuss einen Dienstes wie Google Now noch mehr persönliche Informationen freiwillig in die Hände eines so mächtigen Internetkonzerns gelegt werden. Mit den bisher im Angebot befindlichen Infos - von Wetter, über Sportergebnisse bis Verkehr - hält sich das Gefühl des Ausspioniertwerdens noch in gut verdaulichen Grenzen. Sollte Google Now in Zukunft tatsächlich auf noch persönlichere Services erweitert werden, wird der Konzern wohl auch um die nächste Privacy-Debatte nicht herumkommen. Ein Service mit immensem Potenzial ist Google Now - aus technologischer Sicht - allemal.

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