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Social Sharing Google vs. Facebook: Der Kampf der Knöpfe.

Foto: Screenshots Montage KURIER
Bunte Buttons boomen im Web: Immer mehr Sharing-Funktionen von Web-Riesen wie Google, Facebook und Twitter erobern fremde Webseiten. Doch was für deren Betreiber und ihre Nutzer praktisch erscheint, ist datenschutzrechtlich nicht unproblematisch.

“Maria und 28 weitere Personen geben dieser Seite +1”: Wer bei Google das Web durchforstet, stößt derzeit immer öfter auf Hinweise wie diese, die unterhalb der vorgeschlagenen Links eingeblendet werden. “+1” - das vor allem in den USA gebräuchliche Kürzel steht der Suchmaschine zufolge für “cool” und soll dem Suchenden als Empfehlung dienen. Seit Ende Juni können Google-Nutzer weltweit Suchergebnisse positiv mit einem Klick auf die kleinen “+1”-Knöpfe bewerten.

Dabei bleibt es aber nicht: Mittlerweile können die Betreiber von Webseiten den Google-Knopf neben Fotos, Videos oder Texten einbetten. Die derzeit 25 Millionen Nutzer des neuen Online-Netzwerks Google+ (die futurezone berichtete hier , hier und hier ) können sich mit der Funktion außerdem ihre Lieblings-Links in ihrem Profil sammeln. Wer in dem Empfehlungs-System anonym bleiben will, muss das von Hand ausstellen.

Dass Google plötzlich auf den Knopf gekommen ist, ist kein Zufall. Der große Gegner Facebook ist weltweit führend, was kleine Buttons betrifft. Sein “Gefällt mir”-Knopf wurde bis dato in mehr als 2,5 Millionen Webseiten eingebaut, darunter 80 Prozent der 100 führenden US-Webseiten. Täglich sollen 10.000 neue Seiten dazukommen. Das kleine blaue Daumen-Symbol wurde bisher milliardenfach angeklickt, weil die Nutzer damit Fotos, Videos, Artikel oder eine ganze Webseite für gut befinden und ihren Facebook-Freunden empfehlen wollen.

Auf Horchposten
Für Webseiten-Betreiber sind Like- und +1-Knopf, aber auch andere Buttons wie von Twitter oder dem Karriere-Netzwerk LinkedIn, äußerst attraktiv: Denn über diese simplen Klicks empfehlen sich täglich Millionen Internetnutzer gegenseitig verschiedenste Links. Anstatt einfach nach etwas zu googeln, verfolgt man bei Facebook mit, was den Freunden gefällt und surft so durch das Internet. Vom kleinen Blogger bis zum Medienriesen verlassen sich immer mehr Webseiten darauf, dass auf diesem Weg Leser zu ihnen kommen.

Sie bekommen so allerdings nicht nur mehr Besucher, sondern auch interessante Daten. Wird ein Facebook-Nutzer durch den Klick auf ein “Gefällt mir” etwa Fan einer Firmenseite auf Facebook, kann diese Firma seine Fans analysieren lassen. In hübschen Grafiken bekommen sie in anonymisierter Form Einblick über Alter, Geschlecht und Herkunft - allesamt wichtige Informationen für die nächste Werbekampagne in dem Online-Netzwerk.

Wer den “+1”-Knopf von Google in seine Webseite integriert, soll in Zukunft im Zusammenspiel mit Google Analytics ebenfalls Statistiken über jene Nutzer bekommen, die darauf klicken - etwa zu Alter und Geschlecht. Wird das Netzwerk Google+ ausgewertet, kann Google ähnlich tiefe Daten wie Facebook bieten.

Am längeren Ast sitzen aber immer noch Facebook und Google selbst. Denn über die wie Pilze überall sprießenden Buttons beziehen sie die mit Abstand meisten Daten und bekommen sie tiefe Einblicke in das Verhalten der Nutzer. Während die Button-Partner nur Informationen zu ihrer eigenen  Webseite bekommen, lauschen die beiden führenden Internet-Firmen bei Millionen anderer Web-Auftritte mit. Das Ziel scheint klar: Wer am genauesten über die Internetnutzer Bescheid weiß, kann am besten maßgeschneiderte Werbung (ein Milliardenmarkt) unters Online-Volk bringen.

Like Button +1 Google
Foto: Screenshots Montage KURIER

Gefahrenquellen
Sowohl der “Gefällt mir”-Knopf von Facebook als auch der “+1”-Knopf von Google “ sind laut der Münchner IT-Recht Kanzlei datenschutzrechtlich problematisch. Denn beide Buttons sammeln auch Daten über nicht eingeloggte und sogar nicht registrierte Nutzer. Um welche Informationen es sich dabei genau handelt, verraten beide Unternehmen nicht. Experten gehen davon aus, dass es sich dabei um IP-Adressen, verwendeten Browser und möglicherweise das Betriebssystem des verwendeten Computers oder Handys handelt. Bei Google sollen diese Daten nach zwei Wochen, bei Facebook nach spätestens drei Monaten gelöscht werden. Wer mit Google und Facebook in Sachen Buttons kooperiert, sollte in jedem Fall die Datenschutzerklärung seiner Webseite anpassen (wie es auch die futurezone getan hat). Beispiele bietet die IT-Recht Kanzlei für Facebook und Googles +1-Knopf - skurrilerweise aber erst, wenn man Fan der Kanzlei auf Facebook geworden ist.

Gefahren drohen aber auch aus einer anderen Ecke. Wie Neil Strauss in einem Wall Street Journal-Kommentar schreibt, würden uns die neuen Knopf-Funktionen zum Konformismus drängen. “Ein Status-Update ohne Likes oder ein cleverer Tweet ohne Retweets ist wie ein Witz, zu dem niemand lacht”, so Strauss. Dadurch würde man weniger eigene Standpunkte vermitteln wollen, sondern nach Bestätigung durch die anderen Nutzer streben und so schreiben, dass man möglichst viele “Gefällt mir” absahnen wird.

Auch Betrugsfälle mit den Internet-Knöpfen mehren sich: Über so genanntes “Clickjacking” (die futurezone berichtete ) können Facebooks Like-Button, Googles “+1”-Knopf und Twitters “Follow”-Button manipuliert werden. Dabei wird die Funktion unsichtbar gemacht, der Nutzer der manipulierten Webseite empfiehlt dann ungewollt einen Inhalt an seine Facebook-Kontakte oder folgt plötzlich ungewollt einem Twitter-Account. Der "SERp Hacker" veranschaulicht auf einer Webseite, wie Clickjacking funktioniert.

Boom der Buttons

Dem Boom der Buttons wird das aber keinen Abbruch tun. Neben seiner “Twittern”-Funktion hat der Kurznachrichten-Dienst kürzlich den erwähnten “Follow”-Knopf vorgestellt. Das Business-Netzwerk LinkedIn bietet neben seiner “Share”-Option auch “Apply with LinkedIn” an: Mit einem Knopfdruck soll man so auf anderen Webseite seine persönlichen Daten für Jobbewerbungen einreichen können. Auch XING hat einen Sharing-Knopf im Programm.

Weitere Buttons bieten der Bezahl-Dienst Flattr, das digitale Notizbuch Evernote, der Offline-Reader Instapaper und der Social-News-Dienst Digg. Und sogar Wikipedia hat den “Love”-Knopf eingeführt (die futurezone berichtete ), damit Nutzer die Autoren der Online-Enzyklopädie loben können. Als künftiger Stern am Knopf-Himmel könnte sich aber der wohl nur Insidern bekannte StumbleUpon-Button erweisen: Denn der Dienst hat laut StatCounter (Techcrunch-Bericht hier) Facebook in den USA bereits in Sachen Social Sharing überholt und liegt weltweit auf Platz zwei - hinter Facebook, aber vor Twitter.

Die “Like”-Idee, die Google zu kopieren versucht, stammt aber übrigens nicht von Mark Zuckerberg selbst: Der „Gefällt mir“- oder „Like“-Knopf erblickte 2007 das Licht des Web – allerdings nicht bei Facebook, sondern auf der Webseite www.friendfeed.com. Dort wollte man den Nutzern einen „ultraschnellen Weg bieten, Freunde  über einen interessanten Online-Eintrag zu informieren.“ 2009, etwa eineinhalb Jahre nach Friendfeed, führte Facebook den „Like“-Knopf  ein. Ursprünglich war angedacht, ihn „Awesome“-Button (engl für „großartig“) zu nennen. Anstatt einen Rechtsstreit  über die Idee zu führen, übernahm Facebook den Konkurrenten Friendfeed im Sommer 2009 um 47,5 Mio. US-Dollar. Wenig später waren ähnliche Funktionen auch bei Amazon oder YouTube zu entdecken.

(futurezone) Erstellt am 05.08.2011, 06:00

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