HP EliteBook Folio G1

© Gregor Gruber

HP EliteBook Folio G1: Das MacBook für Windows 10
06/27/2016

HP EliteBook Folio G1: Das MacBook für Windows 10

Schnellere CPU, UHD-Touchscreen, doppelt so viele Anschlüsse und 1,07 kg leicht: Nur bei der Akkulaufzeit kann das G1 nicht mit Apples MacBook mithalten.

von Gregor Gruber

Nein, nicht jedes Ultrabook ist ein MacBook. Aber wenn das Ultrabook als besonders dünn und leicht beworben wird, ein 12,5-Zoll-Display und durchgehendes Aluminiumgehäuse hat, und rein auf USB-C setzt, drängt sich der Vergleich mit Apples leichtestem Notebook auf.

Das HP EliteBook Folio G1 (ab 1255 Euro auf Preisvergleichsportalen zu finden) wird in mehreren Konfigurationen angeboten. Ich habe das Spitzenmodell getestet, mit Intel Core m7 CPU, UHD-Touchscreen und 512 GB SSD (ab 2150 Euro).

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Hübsch, aber nicht raffiniert

Das Aluminiumgehäuse mit den sanft gerundeten Ecken und dem spiegelnden HP-Logo lassen kaum Zweifel daran, welches Gerät die Inspiration für das G1 war. Das ist aber kein Nachteil, da das G1 sehr ansprechend aussieht.

Auch die Dimensionen der beiden Geräte sind ähnlich. Das G1 ist um 0,7 mm dünner, aber etwas länger und breiter. Das MacBook wiegt 0,92 kg, das G1 in der UHD-Display-Version 1,07 kg (0,97 kg mit FullHD-Display).

Ganz kann das G1 die Raffinesse des MacBooks nicht erreichen. So gibt es an der Oberseite eine 19 cm lange Aussparung im Gehäuse für die diversen Antennen. Die Scharniere sind von außen sichtbar, aber dezent genug, um das optische Gesamtbild nicht zu stören. Außerdem ermöglichen sie durch die Außenlage ein Aufklappen des Displays um bis zu 180 Grad.

An der Unterseite sind die Spaltmaße zwischen Deckel und Gehäuse deutlich wahrnehmbar – da man aber für gewöhnlich nicht die Unterseite ansieht, ist das kein Drama. Das eigentlich ästhetische Drama ist der 2,4cm dicke schwarze, untere Streifen zwischen Display und Gehäuse. Dieser lässt das G1 wuchtig und plump wirken, obwohl es ein ansonsten leichtes, elegantes Gerät ist.

UHD-Display

Die Scharniere sind zu locker. Tippt man auf das Display, was bei einem Touchscreen schon mal vorkommen soll, dauert es bis zu sechs Sekunden, bis das Display nicht mehr nachzittert.

Im geschlossenen Zustand halten die Scharniere das Display nicht gänzlich auf der Tastatur. Wenn man nicht aufpasst, oder beim Transport einfach nur Pech hat, öffnet sich ein sechs Millimeter großer Spalt zwischen Display und Tastatur. Das G1 wird zwar dadurch nicht aus dem Standby-Modus aufgeweckt, jedoch können Staub, Flankerl und was man sonst noch so in der Tasche hat, zwischen Display und Tastatur geraten.

Das 12,5-Zoll-Display ist, wie bei einer Auflösung von 3.840 x 2.160 Pixel zu erwarten, sehr scharf. Die Farben sind kräftig und leuchtend, wenn das Display auf die maximale Helligkeit eingestellt ist. Die Maximaleinstellung wird man des öfteren brauchen, um dem starken Spiegeln des Display-Glases entgegenzuwirken. Hier hätte dem Notebook eine Anti-Reflexionsschicht gut getan, wie es sie beim MacBook gibt. Beim G1 mit FullHD-Display gibt es diese Schicht, aber bei der Variante mit UHD-Display nicht.

Tastatur

Die Tastatur ist gelungen. Der Abstand zwischen den Tasten ist großzügig, das Tippen geht zügig. Lediglich der Tastenwiderstand hätte eine Spur geringer sein können. Der Widerstand ist nicht ganz gleichmäßig. Einige Zahlentasten sind schwerer anzuschlagen als die Buchstaben. Die Shift-Taste ist ebenfalls schwergängig. Ich hatte ab und zu beim Tippen das Gefühl, als würde sie demnächst hängenbleiben.

Bei der Belegung der Funktionstasten scheint sich HP an Business-Anwender zu richten. F1 und F2 sind standardmäßig mit dem Annehmen und Auflegen von Skype-Anrufen belegt. F3 startet die Kalender-App, F4 schaltet das Mikrofon stumm. Gut für das Mittippen in abgedunkelten Konferenzsälen: F9 aktiviert die Tastaturbeleuchtung in zwei Stufen.

Touchpad

Das Touchpad ist ebenfalls gut. Auf einer Skala von griffig bis gleitfreudig schlägt es etwas Richtung griffig aus und bietet einen guten Kompromiss aus Kontrolle und Geschwindigkeit. Multitouch-Gesten werden problemlos erkannt.

Lediglich den Tab-Test im Browser besteht es nicht, wie es auch bei vielen Touchpads anderer Geräte und Hersteller der Fall ist. Beim schnellen wiederholten Wechseln zwischen Tabs werden öfters die Tabs verschoben, weil das Touchpad die Eingaben als Drag-and-Drop deutet.

Ausstattung

Das G1 gibt es mit Intel Core m5 oder m7 CPU, das MacBook wird nur mit einem m5 angeboten. Deshalb ist das G1 nicht zwangsläufig bei allen Anwendungen überlegen. Beim G1 müssen durch das UHD-Display deutlich mehr Pixel bei grafikintensiven Anwendungen dargestellt werden als beim Retina-Display des MacBooks, was mehr Rechenleistung erfordert.

Für die meisten Alltags-Anwendungen, FullHD-Videoschnitt und übertrieben große Excel-Tabellen ist das G1 mit m7 ausreichend leistungsstark. Wer unbedingt unterwegs spielen will, wird eher mit CS:GO statt Overwatch vorlieb nehmen müssen. Das G1 ist lüfterlos, eine höhere Temperaturentwicklung tritt nur im hinteren Bereich des Gehäuses, in der Nähe der Scharniere, auf.

Das G1 hat zwei USB-C-Anschlüsse. Das klingt zwar nach wenig, sind aber um 100 Prozent mehr Anschlüsse, als das Apple MacBook hat. Beide Anschlüsse unterstützen Thunderbolt 3.

Das UHD-Display hat einen großen Nachteil: die Akkulaufzeit. Im Normalbetrieb mit reduzierter Displayhelligkeit waren es 4 bis 4,5 Stunden. Die Variante mit FullHD-Display, die für den Test nicht zur Verfügung stand, soll laut Benchmarks anderer Tester 6,5 bis 7 Stunden durchalten. Das MacBook schafft bis zu 9,5 Stunden.

Kamera und Sound

Die Frontkamera hat die Auflösung 720p, beim MacBook sind es nur 480p. Angesichts des UHD-Displays sind die 720p wenig, fürs Skypen reicht es gerade noch. Einige Konfigurationen des G1 haben zusätzlich eine Infrarot-Kamera für das Einloggen per Gesichtserkennung mit Windows Hello. Das von mir getestete G1 hat dieses Feature leider nicht.

Das G1 hat ein Soundsystem von Bang & Olufsen. Die Lautsprecher sind links und rechts an der Unterseite angebracht. Auf einer festen Oberfläche, wie einem Schreibtisch, ist die Tonqualität gut. Der Sound ist ausreichend laut, um ein Wohnzimmer zu beschallen oder die acht umliegenden Kollegen im Großraumbüro mit dem Soundtrack von Chicago zwangszubeglücken. Dreht man die Lautstärke auf mehr als 85 Prozent, gehen die Höhen und damit die Soundqualität flöten.

Fazit

HP hat mit dem G1 ein Notebook abgeliefert, dass durchaus als Windows-10-Alternative zum MacBook taugt – allerdings nur, wenn man von der Variante mit 1080p-Display spricht. Diese ist auf Preisvergleichsportalen sogar günstiger als die derzeit billigste MacBook-Version (1.449 Euro).

Die Version mit UHD-Display hat zwar eine tolle Darstellung, aber eine zu kurze Akkulaufzeit. Eine eintägige Konferenz hält das UHD-G1 nicht durch und einen Flug von Wien nach New York schon gar nicht. Immerhin ist das Ladegerät kompakt genug ausgefallen, um es immer dabei zu haben.