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30.01.2015

Huawei Ascend Mate 7 im Test: China-Phablet mit Riesenakku

Huawei fordert mit dem Ascend Mate 7 Apple und Samsung heraus. Ein großer Akku, ein Fingerabdrucksensor und ein Octacore-Prozessor sollen zum günstigen Preis überzeugen.

Huawei ist bereits seit Jahren ein Mitglied im “Top 3”-Club - jene Gruppe von Smartphone-Herstellern, die sich um den dritten Platz hinter Samsung und Apple streiten. Wirklich absetzen konnte sich bislang kein Hersteller, doch der Trend der letzten Jahre ist klar: China räumt das Feld von hinten auf. Mit Lenovo, Huawei und dem Newcomer Xiaomi wechseln sich insgesamt drei verschiedene Hersteller regelmäßig auf dem dritten Platz ab und knöpfen langsam, aber stetig, Samsung Marktanteile ab.

Huawei Ascend Mate 7 in Bildern

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Huawei Ascend Mate 7

Huawei Ascend Mate 7

Huawei Ascend Mate 7

Huawei Ascend Mate 7

Huawei Ascend Mate 7

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Huawei Ascend Mate 7

Huawei Ascend Mate 7

Huawei Ascend Mate 7

Huawei Ascend Mate 7

Huawei Ascend Mate 7

Huawei Ascend Mate 7

Huawei Ascend Mate 7

Huawei Ascend Mate 7

Huawei konzentrierte sich bislang auf seinen Heimatmarkt, jetzt sollen auch mehr Geräte in Europa und den USA abgesetzt werden. Den Anfang macht nun das Huawei Ascend Mate 7, das das iPhone 6 Plus und Motorolas Nexus 6 herausfordert. Der 6-Zöller will mit Fingerabdrucksensor, Octacore-Prozessor und einem rekordverdächtigen 4.100 mAh-Akku punkten. Die futurezone hat den Android-Riesen getestet.

Von anderen Geräten inspiriert

Das Ascend Mate 7 lässt sich wohl am besten als Kreuzung aus iPhone 6 Plus und dem HTC One Max beschreiben. Das ist durchaus als Kompliment zu sehen, denn die hochwertige Verarbeitung macht einen sehr guten Eindruck und muss sich vor den großen Vorbildern nicht verstecken. Im Gegensatz zum Apple-Phablet geht Huawei effizient mit dem Platz auf der Frontseite um, knapp 77 Prozent der Fläche werden vom Display eingenommen. Der Rahmen an der rechten und linken Seite des Displays ist mit knapp zwei Millimetern sehr schmal.

Die schiere Größe des Displays lässt das Mate 7 aber auch dicker und schwerer erscheinen, als es tatsächlich ist. Mit 185 Gramm ist es zwar nicht unbedingt ein Leichtgewicht, liegt aber für seine Größe im Rahmen der Konkurrenz ( Samsung Galaxy Note 4: 178 Gramm, Apple iPhone 6 Plus: 172 Gramm). Auch die Dicke von 7,9 Millimeter bereitet keinerlei Probleme in der Hosentasche, mit dem optional erhältlichen Flip Cover wächst es aber auf spürbare 12 Millimeter an.
Das Gehäuse ist aus Aluminium gefertigt und ist in puncto Haptik eher mit der Oberfläche des iPhone 6 vergleichbar als mit jener des etwas glatteren HTC One M8. Die Lautstärkewippe rechts oben sowie der Power-Button darunter sind gut verarbeitet und wackeln nicht. Links finden sich microSIM- und microSD-Kartenslot, die jedoch nur mit einem entsprechenden Werkzeug entfernt werden können. Die Rückseite sieht jener des One Max nahezu zum Verwechseln ähnlich. Das Gehäuse wird an der oberen und unteren Spitze durch einen Spalt geteilt, zudem ragt ein dünner Strich von der oberen Abdeckung zur Kamera herunter. Auch der Fingerabdrucksensor ist an der exakt gleichen Position zu finden wie beim One Max.

Zwei Hände erforderlich

Ungeachtet der Ähnlichkeiten liegt das Mate 7 gut in der Hand. Die Rückseite wurde leicht abgerundet, wodurch sich das Smartphone trotz seiner wuchtigen Maße angenehm halten lässt. Mehr ist aber auch nicht möglich, denn ohne eine zweite Hand kann es praktisch nicht bedient werden. Bereits das Einschalten des Mate 7 ist mit einer Hand mühsam. Der klassische Power-Button lässt sich zwar theoretisch erreichen, der Bildschirm ist jedoch mit dem Fingerabdrucksensor deutlich schneller aktiviert. Einmal mit einem registrierten Finger darüber streichen reicht aus, um den Bildschirm zu aktivieren. Die Erkennung funktioniert sehr gut, fehlerhafte Ergebnisse traten, den richtigen Finger vorausgesetzt, fast nie auf. Wird der Finger nicht erkannt, vibriert das Smartphone leicht.

Huawei bietet zwar einen Ein-Hand-Modus an, dieser ist aber nur in wenigen Situationen tatsächlich hilfreich. So werden beispielsweise die Tastatur sowie die Softkeys auf Wunsch an den rechten oder linken Rand verschoben, sodass die Tasten leichter zu erreichen sind. Zudem kann man ein Hilfsmenü einblenden, das sich wie die Chat Heads von Facebooks Messenger frei an den Rändern verschieben lässt. Dort sind Shortcuts zu Softkeys sowie dem Task Manager zu finden.

Nimmt man die zweite Hand zur Hilfe, lässt sich das Mate 7 aber sehr gut bedienen. Vor allem das Tippen mit zwei Händen im Hochformat lernt man rasch zu schätzen und es erlaubt oftmals schnelleres Tippen als bei kleineren Bildschirmen. Etwas störend ist jedoch die Breite von 81 Millimetern, die in Kombination mit dem relativ hohen Gewicht von 185 Gramm bei längeren Telefonaten zum Umgreifen zwingt.

Matte Schärfe

Das sechs Zoll große LC-Display setzt auf ein IPS-Panel und kann daher auch mit einer natürlichen Farbdarstellung überzeugen. Das Weiß ließ im Test einen leichten Grauschleier erkennen, das Schwarz war aber sehr satt und konnte im direkten Vergleich mit einem AMOLED-Panel überzeugen. Die Helligkeit ist gut und reicht für den Einsatz im Freien aus. Huawei verzichtet auf ein QHD-Panel, der Bildschirm löst mit soliden 1920 mal 1080 Bildpunkten auf.

Das entspricht einer Pixeldichte von 367 ppi, die aber für den “Retina-Effekt” ausreicht, einzelne Pixel waren im Test mit dem freien Auge nicht erkennbar. Ungewohnt mutet die Tatsache an, dass Huawei das Mate 7 bereits mit einer Schutzfolie ausgestattet hat. Das Frontdisplay sollte zwar durch das Corning Gorilla Glass 3 ohnedies vor leichten Kratzern geschützt sein, schaden kann die Schutzfolie aber auch nicht.

Acht flotte Kerne

Huawei setzt beim Mate 7 auf den selbst entwickelten Kirin 925-SoC, der dank big.Little-Architektur auf bis zu acht CPU-Kerne zurückgreifen kann. Die vier flotteren A15-Kerne sind mit 1,8 GHz getaktet, die energiesparenden A7-Kerne laufen mit 1,3 GHz. Die Leistung des Chips ist überraschend gut, vor allem in GPU-lastigen Benchmarks schnitt er gut ab und lieferte ähnliche Leistung wie der Qualcomm Snapdragon 801 ab, der unter anderem im HTC One M8 und Samsung Galaxy S5 eingesetzt wird.

3DMark (Ice Storm Unlimited): 14182 Punkte
AnTuTu: 43326 Punkte
Quadrant: 12380 Punkte

Im CPU-lastigen Quadrant ließ der Mate 7 aber Schwächen erkennen, er kann aber dennoch im gesicherten Mittelfeld landen. Der Aluminium-Unibody wurde im Rahmen der Benchmarks sehr warm, im Alltagsbetrieb, beispielsweise bei Spielen, ließ sich dieses Verhalten aber nicht beobachten. Die restliche Ausstattung ist ordentlich, je nach Speichervariante kommt das Mate 7 mit zwei (16 Gigabyte interner Speicher) oder drei Gigabyte RAM (32 Gigabyte interner Speicher). Der interne Speicher kann per microSD-Karte erweitert werden.

Sorgenlos durch zwei Tage

Beim iPhone 6 Plus haben viele Kritiker angemerkt, dass Apple das Gehäuse einen Millimeter dicker machen und stattdessen einen größeren Akku verbauen (und die hervorstehende Kamera verbergen) hätte können. Huawei hat genau das gemacht und im knapp 7,9 Millimeter dicken Gehäuse einen satten 4.100 mAh-Akku verbaut. Bereits die Vorgänger waren mit derart großen Akkus ausgestattet, mit dem Ascend Mate 2 konnten sogar andere Geräte geladen werden. Der große Akku sorgte im Test für Rekordwerte und zwingt zum Umdenken.

Das tägliche Ritual des Aufladens vor dem Schlafengehen gehört damit der Vergangenheit an, selbst bei starker Nutzung (eine Stunde Telefonieren, zwei Stunden im Internet surfen, vier Stunden Spotify) hielt der Akku ohne Probleme zwei Tage durch, knapp 20 Prozent Restladung verblieben. Ein Stromsparmodus deaktiviert im Notfall die Hintergrundsynchronisierung und schraubt die Helligkeit herunter und soll so noch mehr Akkulaufzeit herausholen.

Launcher im iOS-Stil

Der klassische Android-Launcher scheint in China verpönt zu sein, wie unter iOS landen bei Huaweis Emotion UI alle Apps auf dem Homescreen. Ähnlich handhabt es Xiaomi im hauseigenen Android-Fork MIUI. Das ist zum Anfang gewöhnungsbedürftig, man wird so dazu gezwungen, selbst Ordnung auf seinen Homescreen zu bringen. Die beste Lösung stellen Ordner dar, ansonsten findet man sich bei einer größeren Zahl an Apps nur schwer zurecht. Die Oberfläche profitiert vom flotten SoC und lässt sich ohne Ruckler bedienen. Einige nette Anpassungen, wie zum Beispiel die große Zahl an Quick Settings, erleichtern den Alltag.

Huawei Emotion UI in Bildern

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Huawei Oberfläche

Huawei Oberfläche

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Huawei Oberfläche

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Huawei Oberfläche

Ebenfalls typisch für chinesische Android-Oberflächen: Huawei bietet einen Design-Shop an, über den vorkonfigurierte Themes oder einzelne Hintergründe, Icon-Packs und Klingeltöne heruntergeladen werden können. Zum Teil sind diese kostenlos, der Großteil ist aber kostenpflichtig. Ein interessantes Feature bietet Huawei in den Benachrichtigungen an. Diese können auf Wunsch für bestimmte Apps unterdrückt werden, im Benachrichtigungszentrum können sie aber jederzeit nachgelesen werden. Eine nützliche Ergänzung stellt auch der Systemmanager dar, der auf den Wunsch den internen Speicher bereinigt und auf Akku- und Speicherfresser hinweist. Die Kategorie “Sicherheit” hinterließ aber eher ein großes Fragezeichen, denn die dort aufgeführten Punkte hatten mit Sicherheit nicht viel zu tun.

Gut gelungen

Im Mate 7 sind eine 13-Megapixel-Hauptkamera sowie eine 5-Megapixel-Frontkamera verbaut. Die Hauptkamera lieferte im Test gute Ergebnisse. Auf der Pro-Seite sind unter anderem der flotte Autofokus sowie die (trotz fehlendem Bildstabilisator) scharfen Bilder zu nennen. Ein leichtes Rauschen war zwar auch bei Aufnahmen unter Tageslicht zu erkennen, aber dennoch vernachlässigbar. Bei Nacht waren ordentliche Schnappschüsse möglich, der starke Blitz konnte aber bei nahen Motiven für ausreichend Beleuchtung sorgen.

Die Kamera-App ist gut gelungen und gibt dem Benutzer viele Freiheiten. So kann neben dem ISO-Wert beispielsweise auch der Weißabgleich eingestellt werden. Ein “Verschönern”-Modus legt einen Weichzeichner über erkannte Gesichter und lässt so Haut reiner erscheinen. Huawei hat auch einen “Gesamt Fokus”-Modus integriert, der ähnlich wie Nokias Refocus oder HTCs Duo Camera, ein nachträgliches Fokussieren erlaubt. Dazu nimmt die Kamera mehrere Bilder mit unterschiedlichen Fokuspunkten auf. Im Gegensatz zu den Lösungen einiger anderer Hersteller wirkt das Ergebnis von Huawei relativ natürlich und kommt ohne “Vaseline-Effekt”, bei dem alles auf anderen Ebenen verwaschen erscheint, aus.

Günstiger Dauerläufer

Huawei ist mit dem Mate 7 eine gute Alternative zu den deutlich kostspieligeren Phablets Samsung Galaxy Note 4 und Apples iPhone 6 Plus gelungen. Vor allem Nutzer, die eine lange Akkulaufzeit schätzen und ihr Smartphone nicht jeden Tag laden wollen, sollten einen Blick auf das Mate 7 werfen. Die Leistung ist sehr gut, man sollte sich jedoch auch über das große Format des Smartphones bewusst sein. Ein Hands-On vor dem Kauf ist daher anzuraten. Wer ohnedies auf der Suche nach einem großen Smartphone ist und mit zweihändiger Bedienung leben kann, findet im Mate 7 für 399 Euro einen guten Begleiter im Alltag.

Modell:
Huawei Ascend Mate 7
Display:
6 Zoll IPS LC-Bildschirm - 1920 x 1080 Pixel (16:9, 367 ppi, geschützt von Gorilla Glass 3)
Prozessor:
Octacore-SoC (Quadcore 1,8 GHz A15 und Quadcore 1,3 GHz A7, HiSilicon Kirin 925)
RAM:
2/3 Gigabyte
Speicher:
16/32 GB intern, microSD-Kartenslot
Betriebssystem:
Android 4.4.2
Anschlüsse/Extras:
microUSB, Bluetooth 4.0, WLAN (a/b/g/n), Fingerabdrucksensor
Akku:
4.100 mAh
Kamera:
13 Megapixel (Rückkamera, LED-Blitz), 5 Megapixel (Frontkamera)
Videos:
Aufnahme in 1080p bei 30 fps möglich
Maße:
157 x 81 x 7,9 mm, 185 Gramm
Preis:
399 Euro (UVP, 16 Gigabyte)