Die Kamera-App ist enttäuschend und bietet kaum Optionen und Effekte

© Gregor Gruber

Tablet
05/15/2011

Im Test: Das chancenlose Motorola Xoom

Es ist das erste Tablet mit Android 3.0 und soll dem iPad 2 Paroli bieten. Das gelingt aber weder mit der Software, noch mit der Hardware. Die Gründe, wieso Apples Tablet-Thron vorerst nicht wackelt.

von Gregor Gruber

Schon der erste Kontakt mit dem Motorola Xoom (700 Euro, 3G-Version, ab 199 Euro mit Vertrag bei A1) ist ernüchternd. Zwar erweckt es einen durchaus stabilen und wertigen Eindruck, die Ursache dafür liegt aber in der wenig schmeichelhaften Linie. Mit 12,9mm ist es ein ganzes Stück dicker als das iPad 2 (8,8mm) und mit 730 Gramm auch fast ein Smartphone schwerer (iPad 2: 613 Gramm). Zusammen mit den Aluminium-Rändern und der leicht bauchigen Aluminium-Rückseite weckt das Xoom so Erinnerungen an das erste iPad. Die restlichen technischen Daten entsprechen eher dem iPad 2: ein Dual-Core-Prozessor mit 1GHz, 1GB RAM, 32GB Speicher, 3G-Modul, WLAN und Bluetooth. Neben Kopfhörer- und Ladekabel-Anschluss gibt es noch einen Micro-USB und Micro-HDMI-Anschluss (720p Wiedergabe auf dem Flat-TV möglich) und einen microSD-Slot, der aber derzeit noch gesperrt ist. Erst ein zukünftiges Software-Update soll den SD-Slot aktivieren.

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Handling
Abgesehen vom hohen Gewicht ist das Handling in Ordnung. Die Kanten sind dezent abgerundet, das Tablet liegt gut in den Händen. Die Wölbung der Rückseite ist sanfter als beim ersten iPad, weshalb das Xoom, wenn es auf einer ebenen Fläche liegt, beim Tippen auf der virtuellen Tastatur weniger wackelt.

Ungewöhnlich ist die Platzierung der Bildschirmsperr-Taste. Der runde Knopf an der Rückseite ist auf der Höhe der Kameralinse. Da man blind danach greift, kann es schon mal vorkommen, dass man in den ersten Tagen mit dem Xoom den Knopf verfehlt und unabsichtlich die Kameralinse verschmiert. Bis auf den Lautstärken-Regler auf der linken Seite, der aufgrund der kleinen Tasten schwer zu bedienen ist, gibt es keine Knöpfe am Gehäuse oder der Front.

Display
Das Display hat eine Diagonale von 10,1 Zoll im 16:9 Format und eine Auflösung von 1280x800 Pixel. Wie auch beim iPad ist es stark spiegelnd und sehr anfällig für Schmierflecken. Die höhere Auflösung gegenüber dem iPad 2 macht sich kaum bemerkbar im Alltagsgebrauch. 720p-Videos sehen, auch aufgrund des 16:9-Formats, eine Spur besser aus. Optimierungsbedürftig ist die automatische Regelung für die Bildschirmhelligkeit. Diese macht das Display meist etwas zu dunkel – hier wollte Motorola wohl Akku sparen.

Der Sound der Stereo-Lautsprecher ist gut, solange man nicht den Ton zu laut aufdreht. Ab drei Viertel der Maximal-Lautstärke sind starke Verzerrungen zu hören, die die Musik- oder Filmwiedergabe zur Qual machen. Durch die direkte Platzierung der Lautsprecher an der Rückseite verändert sich der Ton deutlich, wenn das Xoom auf einer ebenen Fläche liegt oder in Händen gehalten wird.

Akku
Motorola gibt eine Betriebszeit von bis zu zehn Stunden mit aktiviertem WLAN und neun Stunden mit 3G an. Im Test waren es bis zu acht Stunden bei einer durchschnittlichen Tablet-Nutzung (surfen, spielen, HD-Videos anschauen). Geladen wird das Xoom über einen proprietären Stecker. Das Ladegerät ist zweiteilig und mit einem Schuko-Stecker ausgestattet. Das nimmt unnötig Platz im Gepäck ein. Zudem sollte man sich vor Auslandsreisen versichern, dass die dicken Kontakte des Schuko-Steckers auch in den Adapter passen.

Android 3.0
Das Xoom nutzt Android 3.0 „Honeycomb“. Trotzdem muss man sich als Android-Smartphone-User umgewöhnen. Die Status-Leiste ist nach unten gewandert und eine Bedienung mit physischen Knöpfen ist nicht vorgesehen. Zur Navigation werden drei Buttons an der linken unteren Seite genutzt, deren abstrakte Symbole ihren Zweck anfangs nur erahnen lassen: Zurück, Home und offene Programme zeigen. Letzteres zeigt die laufenden Apps in kleinen Vorschaufenstern an der linken Bildschirmseite an. Eine Zweitbelegung der Buttons, die ausgeführt wird, sobald sie länger gedrückt werden, gibt es nicht.

Homescreen
Ähnlich wie bei Android-Smartphones gibt es fünf Homescreens, die nach Belieben mit Widgets, Shortcuts und Verknüpfungen gefüllt werden können. Es sind kaum brauchbare Widgets vorinstalliert, was aber nicht stört. Denn das Tablet ist ohnehin nicht so schnell gezückt wie das Handy, um etwa durch ein Wetter-Widget die aktuelle Temperatur in Erfahrung zu bringen.

Das Befüllen der Homescreens über das dafür vorgesehene Menü ist auf den ersten Blick unübersichtlich. Oben werden die Homescreens so klein dargestellt, dass man kaum erkennt, was sich dort bereits befindet. Darunter gibt es eine Auswahl für die Kategorien Widgets, App-Verknüpfungen, Hintergründe (statische und Live-Wallpapers) und „Mehr“. Wieder darunter wird der Inhalt des gerade angewählten Menüs angezeigt, der mit Wischbewegungen nach links und rechts durchgescrollt wird. Ist das gewünschte Widgets gefunden, wird es per Drag and Drop von in einen der fünf Homescreens gezogen. Die Position des Widgets oder der Verknüpfung kann später am Homescreen geändert werden.

Anwendungen
Große Unterschiede zum Smartphone-Android gibt es nicht. Die YouTube-App sieht wie eine Videowall aus und das E-Mail-Programm und der Android Market wurden an die Display-Größe des Tablets angepasst. Dabei wird schnell bemerkbar, dass eine klare Linie fehlt. Einige Google-eigene Apps haben ein Einstellungs-Symbol an der rechten oberen Ecke des Bildschirms, bei fast allen anderen erscheint ein zusätzlicher Button links unten neben den drei dauerhaft angezeigten Navigations-Buttons. Lästig ist auch, dass die Notifications, die rechts unten erscheinen, nicht alle auf einmal gelöscht werden können, wie es bei Android-Smartphones der Fall ist. Ebenfalls störend: Im Android-Market gibt es keine Kategorie für Tablet-optimierte Apps.

Die Kamera-App ist ebenfalls eher enttäuschend. Zwar wird man die 5MP-Kamera des Xooms ohnehin selten nutzen, um Schnappschüsse aufzunehmen, etwas mehr Effekte oder Spielereien wären aber wünschenswert gewesen. An der Front ist eine 2MP-Kamera für Videochats angebracht. Videochats sind per Google Talk möglich.

Probleme
Abgesehen davon ist die Stabilität von Android 3.0 mangelhaft. So stürzt der Browser gerne mal ohne ersichtlichen Grund ab. Einmal lief dabei der Ton eines Streaming-Videos weiter, obwohl die Browser-App sogar im Einstellungsmenü gestoppt wurde. Im Android Market gibt es Darstellungsfehler, bei denen Buchstaben über die Buttons hinausragen. Häufig kam es auch vor, dass der Download-Button im Android Market bei Apps gedrückt wurde, „Download wird gestartet“ zu sehen war, aber kein Download gestartet wurde. Wählte man noch mal die App im Android Market an, war es so, als hätte man nie auf Download gedrückt.

Auch die YouTube-App machte Probleme, etwa beim Wechseln von der Fensteransicht auf Vollbild. Mehrmals kam es zu nicht nachvollziehbaren Hängern, bei denen das Xoom fast eine halbe Minute lang nicht auf Eingaben reagierte, bevor dann zumindest der Button funktionierte, der die laufenden Programme anzeigt. Einer der beliebtesten Android-Apps, der Task Killer, funktioniert übrigens nicht mit dem Xoom, weshalb auch diese Möglichkeit der Notbremse entfällt.

Bei Apps aus dem Android Market kam es ebenfalls öfters zu Problemen. Viele funktionieren auf Anhieb mit dem größeren Display des Tablets, obwohl sie für Smartphones gedacht sind. Allerdings kam es beim erneuten Starten von Apps, die bereits problemlos funktioniert hatten, zu nicht nachvollziehbaren Darstellungsfehlern. So war etwa das Bild verschoben, mal nur leicht nach oben, mal komplett rechts oder so stark verkleinert, dass kaum noch etwas zu erkennen war. Auch Fingereingaben in bestimmten Bereichen des Touchscreens wurden bei manchen Apps nicht erkannt.

Fazit
Mit dem Motorola Xoom fühlt man sich wie ein Beta-Tester für ein modifiziertes iPad 1. Den Großteil der Zeit funktioniert das Xoom zwar, allerdings treten Fehler oft genug auf, um sich zu fragen, ob die 700 Euro nicht in ein iPad 2 besser investiert gewesen wären.

Gegenüber dem iPad 2 kann das Xoom mit seinen Anschlüssen punkten und dem Verzicht auf eine Zwangssoftware zur Synchronisation und dem Überspielen von Daten. Dennoch ist zum jetzigen Zeitpunkt das Xoom nicht empfehlenswert. Wer mit einem Android-Tablet liebäugelt sollte sich bis Juni gedulden. Da wird voraussichtlich Samsungs Galaxy Tab 10.1 P7500 erscheinen, dessen Maße und Gewicht mit dem iPad 2 mithalten können. Zudem besteht die Hoffnung, dass mit dem Update auf Android 3.1, dessen Rollout laut Google bereits begonnen hat, die Stabilität des Xoom und zukünftiger Android-Tablets verbessert wird.

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