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Location-Based Services
04/20/2011

iPhone-App Ditto: Einchecken in der Zukunft

Der Jaiku-Gründer und ehemalige Google-Produktmanager Jyri Engeström lässt mit einem neuen Start-up aufhorchen: Die iPhone-App „Ditto“ treibt die Funktion von Foursquare einen Schritt weiter: Check-ins erfolgen nicht, wo man sich aufhält, sondern wo man plant, hinzugehen. Zentrales Element sind Empfehlungen. Im futurezone-Interview spricht Engeström über die Idee hinter Ditto und verrät Pläne für die Zukunft.

von Claudia Zettel

Check-ins am aktuellen Aufenthaltsort, Punkte und Auszeichnungen sammeln für wiederholte Besuche und das alles in Echtzeit mit anderen via Smartphone teilen – damit wurde der Location-Dienst Foursquare populär. Die iPhone-App Ditto setzt nun schon einen Schritt vorher an: Nutzer sollen nicht mitteilen, wo sie gerade sind, sondern, wohin sie demnächst gehen und was sie machen wollen. „Anders als bei traditionellen ortsbezogenen Services kann man bei Ditto mit anderen das teilen, was man gerade plant, und bekommt in Echtzeit Empfehlungen zu Restaurants, Filmen und anderen Aktivitäten“, sagt Ditto-Gründer Jyri Engeström im Interview mit der futurezone. Dazu brauche es nicht mehr als ein paar Fingertipps. „Man muss nicht einmal etwas schriftlich eingeben, weil Ditto von Grund auf für mobile Touchscreens konzipiert ist“, so Engeström weiter.

In Gang gesetzt wird die Applikation über Facebook-Connect. Wer sich darüber eingeloggt hat, gelangt zu einem Hauptmenü mit diversen Auswahlmöglichkeiten - „Zuhause“, „Auswärts essen“, „Arbeit“ oder „Einen Film anschauen“. Wählt man einen der Punkte aus, kann man seine aktuellen Pläne per Kommentar hinterlassen und eine spezielle Ortsangabe, etwa ein bestimmtes Lokal, dazu machen. Weiß der Nutzer allerdings noch nicht genau, wo er sein geplantes Mittagessen einnehmen soll, dann wird die Ortsangabe einfach freigelassen, alle Ditto-Freunde des Nutzers bekommen eine Benachrichtigung und können dann ein Restaurant empfehlen. Ist tatsächlich etwas Passendes dabei, kann man den Tipp mit einer „Auszeichnung“ ehren. Macht man sowieso schon das, was jemand vorgeschlagen hat, drückt man einfach auf den Button „ditto“.

„Ditto ist darauf ausgelegt, dass sich die Nutzer gegenseitig helfen, außerdem ist die Bedienung extrem einfach gehalten, was sich besonders dann bezahlt macht, wenn man etwas in Echtzeit mitteilen möchte“, erklärt Engeström. „Während man bei anderen vergleichbaren Services dafür belohnt wird, möglichst oft an einen bestimmten Ort zurückzukehren, erhalten Ditto-Nutzer Trophäen dafür, eine gute Empfehlung gegeben zu haben.“ Die App ist seit dem Launch Anfang März weltweit verfügbar und greift für die diversen Örtlichkeiten neben der eigenen Datenbank laut dem Plattform-Gründer auch auf Daten von Foursquare und Facebook zurück.

Mehr als nur „Location“
Bei Ditto geht es nicht nur um den Faktor „Ort“. Das Empfehlungssystem ist ebenso auf Bereiche wie Bücher, Filme und Musik ausgelegt. So kann mit anderen geteilt werden, welchen Film man sich demnächst anschauen möchte oder man kann sich Empfehlungen einholen, welchen Kinostreifen man keinesfalls verpassen sollte. „Wir werden in Zukunft noch weitere Aktivitäten in die App integrieren“, sagt Engeström. Neue Örtlichkeiten können von den Nutzern selbst angelegt, doppelte Einträge als Duplikate gemeldet werden. „Darüber hinaus werden Duplikate auch automatisch von unseren Servern entfernt“, so Engeström.

Das mit Foursquare bekannt gewordene Phänomen des „Geo-Cheating“ - Leute checken an Orten ein und sammeln Punkte, obwohl sie gar nicht dort sind – berührt die Ditto-Macher kaum. „Unsere App ermittelt den Aufenthaltsort des Nutzers. Wenn der User noch nicht an dem angegeben Ziel ist, wird angenommen, dass er sich dorthin begeben wird. Dann erscheint eine Meldung wie: XY geht gerade ins Cafe Central. Sollte sich der Nutzer laut GPS-Information bereits an dem jeweiligen Ort befinden, erscheint die Meldung: XY ist im Cafe Central“, erläutert Engeström.

Android und Tablets
Die Nachfrage nach der erst kürzlich gestarteten iPhone-Applikation ist laut Engeström inzwischen riesig. US-Medien wie Techcrunch, Gizmodo oder ReadWriteWeb stellten Ditto durchwegs positive Kritiken aus. Deshalb will man sich in Zukunft nicht nur auf Apple als Plattform beschränken. „Wir arbeiten derzeit an Verbesserungen der iPhone-App, aber auch an einer Android-Version“, sagt Engeström auf futurezone-Nachfrage. Außerdem plane man für die Zukunft auch Applikationen für das iPad und Android-Tablets. „Wir glauben, dass sich Ditto auch gut zur Empfehlung von anderen Apps und E-Books eignet – Dinge, die zu Tablets wie selbstverständlich dazu gehören.“

Außerdem will das Dreigespann hinter Ditto – neben dem gebürtigen Finnen Engeström sind die beiden Entwickler Ulf Schwekendiek und Nick Desjardins maßgeblich an dem Projekt beteiligt – auch einen starken Fokus auf die Web-Version legen. „Dadurch können sich auch Nutzer an Ditto und dem Empfehlungssystem beteiligen, die kein kompatibles Smartphone besitzen. Zudem kann über das Web von Tweets und Blogs zu Ditto-Unterhaltungen verlinkt werden“, erklärt der Plattform-Gründer.

Geschäftsmodell
„Marken und Händler zeigen großes Interesse an an uns und wollen über Ditto werben“, verrät Engeström. Daher werde Werbung beim Geldverdienen künftig durchaus eine Rolle spielen. „Wir haben dabei zwei Modelle ins Auge gefasst“, so Engeström. „Erstens Deals, die wir in Suchergebnisse einfügen, wenn unsere Nutzer sich für ein bestimmtes Restaurant oder einen Shop entscheiden. Zweitens werden Umsatzbeteiligungen mit Partnerfirmen eine Rolle spielen, wenn Einkäufe über Ditto-Empfehlungen gemacht werden.“ In letzteren sieht der Plattform-Betreiber die wichtigere Einnahmequelle – sofern die Nutzer das Empfehlungssystem für Apps, Bücher, Musik und anderen Content entsprechend annehmen. Als Startkapital erhielt Ditto 775.000 Dollar von den Investoren Betaworks und True Ventures.

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