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04/28/2019

iRobot Roomba i7+ im Test: So smart, dass er sich selbst entleert

Das Staubsaugerroboter-Spitzenmodell von iRobot ist sehr komfortabel, schwächelt aber in einem wesentlichen Punkt.

Dinge, die mich bei Staubsaugrobotern nerven: Sie bleiben hängen, finden nicht das zu putzende Zimmer und gehen nicht gerade zimperlich mit dem Mobiliar um. Der iRobot Roomba i7+ hat diese Schwächen nicht – meistens. Außerdem hat er ein anderes Feature, das den Komfort erhöht, aber auch die Geldbörse belastet. Ich habe das 1200 Euro teure Gerät (UVP) getestet.

Der Kaffeesatz-Test

Die Überreste des Kaffeesatz-Tests

Warum der i7+ so teuer ist? Weil er automatisch den Schmutzbehälter entleert. Damit ist nicht gemeint, dass er den ganzen Dreck in irgendeiner Ecke rauspustet und dann so tut, als wäre nichts gewesen. Nach dem beendeten Reinigungsvorgang wird in der Ladestation der Schmutz automatisch in einem Beutel abgesaugt.

Ist der Beutel voll, öffnet man den Deckel der Station und zieht ihn einfach raus. Er wird dabei automatisch versiegelt. In der Station bleibt nur wenig Staub zurück und der kann einfach weggewischt werden.

Wer hingegen schon mal die teils recht kleinen Schmutzbehälter von Staubsaugrobotern geleert hat, weiß, dass das lästig ist. Beim Entnehmen des Behälters fliegt oft schon der erste Schmutz herum. Beim Öffnen und Umleeren in den Mistkübel passiert es wieder. Und der graue Staub landet dann nicht nur wieder auf dem Boden, sondern auch der Kleidung. Noch dazu muss man Haare, die sich im Behälter verfangen haben, herausziehen.

Teuer, aber bequem

Das alles erspart man sich beim i7+. Dennoch bin ich bei dieser Sache zwiegespalten. Es hat Jahrzehnte gedauerte, bis Staubsauger beutelfrei wurden. Jetzt fahren die Staubsauger von alleine und die losgewordenen Beutel kommen wieder. Außerdem sind diese proprietär und teuer. Im Dreierpack kosten die Beutel für den i7+ 20 Euro.

Andererseits ist es schon sehr bequem. Anstatt alle paar Tage den Behälter des Roboters leeren zu müssen, tauscht man jetzt vielleicht einmal im Monat den Beutel aus. Der Beutel bietet Platz für den Inhalt von 30 komplett vollen Behältern des Roboters. Je nachdem, wie oft man den Roboter fahren lässt und was er aufsaugt, kann es sogar Monate dauern, bis der Beutel voll ist. Ein kleines Ärgernis: Die App und die Ladestation signalisieren zwar, wenn der Beutel voll ist, allerdings hat man dazwischen keine Möglichkeit, den Füllstand zu kontrollieren – außer den Deckel der Station zu öffnen und nachzusehen, wie dick der Beutel schon ist.

Das Flugzeug im Flur

Abgesehen von den zusätzlichen Kosten für die Beutel, hat dieses System noch zwei weitere Nachteile. Der Erste ist, dass die Ladestation mit 48cm deutlich höher als die von anderen Staubsaugrobotern ist. Sie passt aber noch unter die meisten Tische, falls man die Station verstecken möchte.

Zweiter Nachteil: die Lautstärke. Wenn der i7+ in der Ladestation das Staubentleeren beginnt, glaubt man ein Flugzeug wirft gerade die Turbinen an. Nach etwa acht Sekunden Rollfeld-Akustik ist der Spuk vorbei. Fast ironisch ist, dass der Roboter nach dem Beenden noch einen kurzen Abschluss-Jingle abspielt – als ob man das Entleeren und damit das Ende des Reinigungsvorgangs überhören hätte können.

Auch der Staubsauger selbst gehört eher zu den lauteren. Einen leisen Modus, so wie ihn der Samsung VR9200 bietet, hat der i7+ nicht. Selbst im normalen Modus ist Samsungs Roboter weniger laut.

Vorbildliche Navigation

Sehr gelungen ist die Einrichtung mittels der App am Smartphone. Sie ist unproblematisch, simpel und gut erklärt. Die App selbst ist auch übersichtlich gehalten und intuitiv nutzbar. Auf Gimmicks, wie eine Direktsteuerung des Staubsaugers per Touchscreen, wird verzichtet. Dafür gibt es aber die Möglichkeit der Sprachsteuerung mit Alexa oder Google Assistent. Mit „Alexa, sag Roomba er soll im Badezimmer putzen“, kann der i7+ auch in ein bestimmtes Zimmer geschickt werden – nachdem der Grundriss erstellt wurde.

Das automatische Erstellen der Karten ist für mich ein Highlight beim i7+. Zwar können das auch viele andere, hochpreise Staubsaugroboter, aber beim i7+ funktioniert es. Laut iRobot sind zwei bis fünf vollständige Reinigungsvorgänge nötig, bis die Wohnung oder ein Stockwerk eines Hauses erfasst wurde. Bei mir waren es drei Reinigungsvorgänge, bei einer Wohnung mit acht Zimmern und zwei Gängen.

Der Scan ist sehr präzise, nur das automatische Einteilen des Grundrisses in Räume ist nicht ganz perfekt. Dafür kann man aber jede Türe bzw. Raumgrenze manuell versetzen oder neu hinzufügen. Das funktioniert nur bei wenigen anderen Staubsaugrobotern genauso gut. Die Räume können dann benannt und mit Icons versehen werden. Es können bis zu zehn Grundrisse gespeichert werden. Hat man ein Haus mit mehreren Stockwerken, kann man den i7+ im jeweiligen Stock absetzen und dort saugen lassen.

Sind alle Grundrisse erstellt, kann bei den Reinigungen oder Zeitplänen ausgewählt werden, ob alles, oder nur bestimmte Zimmer gesaugt werden sollen. Werden einzelne Zimmer ausgewählt, verhält sich der i7+ ebenfalls vorbildlich. Er fährt direkt in das Zimmer, in den meisten Fällen ohne auf dem Weg anzuecken. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Bei anderen Robotern habe ich schon oft erlebt, dass sie mehrmals gegen Wände fahren (und immer wieder gegen andere, obwohl das Ziel das Gleiche ist), bevor sie das gewünschte Zimmer erreichen.

Sanft und schnell

Was ich ebenfalls am i7+ schätzen gelernt habe: Im Gegensatz zu seinen Robo-Kollegen der Konkurrenz ist er ein echter Softie. Er berührt Wände, Möbel und Gegenstände am Boden sanft, bevor er sich eine Alternativroute sucht. Samsungs VR9200 ist das krasse Gegenteil. Obwohl dieser auch smart ist und Hindernisse sehen sollte, rammt er sie mit Vollgas und schiebt alles durch die Gegend, was nicht niet- und nagelfest ist.

Die sanfte Art des i7+ verhindert, dass er hängenbleibt. Dazu trägt auch die flachere Bauhöhe als bei anderen Staubsaugern fest. In dem mehrwöchigen Testzeitraum mit über 35 Fahrten, ist er nur einmal hängengeblieben, weil er zwischen Boden und eine nicht vollständig geschlossene Schranktür geraten ist. Auch das Sesselbein-Labyrinth beim Esstisch, das andere Roboter immer wieder zum Verzweifeln brachte, störte den i7+ nicht weiter. Und sollte der i7+ wirklich mal hängenbleiben, setzt er nach der Befreiungsaktion seine Arbeit da fort, wo er aufgehört hat. Bei vielen anderen Robotern wird stattdessen die aktuelle Tätigkeit „vergessen“.

Da der i7+ Hindernisse lieber umgeht statt sie zu rammen, ist er relativ flott. In maximal eineinhalb Stunden ist die Wohnung mit 100 Quadratmetern gesaugt. Andere smarte Staubsauger benötigten für diese Aufgabe im Test über zwei Stunden – manche mussten dazwischen zurück zur Station, weil der Akku leer wurde.

Die Geländegängigkeit des i7+ ist ausreichend. Ein Zentimeter Höhenunterschied schafft er problemlos. Bei zwei Zentimeter plagt er sich schon und rangiert an der Kante herum, schafft es aber manchmal. Für dicke Teppiche ist der Radstand etwas zu niedrig. Dafür bleibt er dann aber auch nicht auf halbem Weg hängen, wie das bei anderen Robotern passieren kann.

Die Schwachstelle

Leider ist es gerade die eine, essenzielle Sache, bei der der i7+ nicht brilliert: das Staubsaugen. Lange und kurze Haare, größere Krümel und kleine Steinchen, erwischt er problemlos. Bei Dingen die kleiner sind, hat er Probleme. Getestet wurde das mit sechs Gramm trockenem Kaffeesatz, verteilt auf einer Fläche von 10 x 10 Zentimetern. Nachdem das Zimmer vom i7+ gereinigt wurde, war auf einer Fläche von 50 x 50 Zentimeter noch Kaffeepulver in verschiedenen Korngrößen zu finden. Die Menge ist zu groß, um von „ein oder zwei verstreuten Körndeln“ zu sprechen. Der Samsung VR9200 bietet hier eine bessere Reinigungsleistung.

Meine Vermutung ist, dass die rotierende Seitenbürste einige Partikel durch die Gegend schleudert, anstatt alle zur Saugeinrichtung zu befördern. Der i7+ hat eine Funktion, die per Mikrofon, anhand des Sauggeräusches, starke Verschmutzung erkennen soll. Orte mit starker Verschmutzung werden dann intensiver gereinigt. In der gesamten Testphase wurde kein einziges Mal dieser Modus ausgelöst – weder bei natürlicher noch künstlicher Verschmutzung. Vermutlich muss schon ordentlich viel Dreck vorhanden sein, dass der Modus aktiviert wird.

Anscheinend ist sich iRobot der leichten Putzschwäche bewusst. In den Einstellungen der App kann nämlich aktiviert werden, dass standardmäßig eine „Zweifach-Reinigung“ gemacht wird. Dabei werden alle Flächen doppelt befahren. Dies dauert dann natürlich auch länger, sollte aber für mehr Sauberkeit sorgen.

Obwohl der i7+ nur sehr sanft an Hindernisse stößt, hat er im Testzeitraum einige Pressuren davongetragen. Das ist zwar nicht schön, stört aber die Funktion nicht. Am meisten hat die gummierte Stoßstange abgekriegt, was zeigt, dass sie ihre Funktion erfüllt.

Fazit

Der iRobot i7+ beseitigt viele Kritikpunkte, die mich bei anderen, hochpreisigen Staubsaugrobotern gestört haben. Besonders vorbildlich sind seine guten Navigationsfähigkeiten, der genaue Grundriss und die Möglichkeit die Räume im Grundriss selbst festzulegen.

Bei der automatischen Entleerung war ich anfangs skeptisch. Das Plus an Komfort ist aber etwas, an das man sich schnell gewöhnt und danach bei anderen Staubsaugrobotern vermisst. Das Tempo des i7+ ist ebenfalls gut, allerdings zu Lasten der Reinigungsleistung. Will man es sauberer haben, muss man Zweifach-Reinigung aktivieren, was die Dauer des Putzvorgangs natürlich verlängert.

Falls das nicht stört, bekommt man mit dem i7+ einen der derzeit besten Staubsaugroboter am Markt, weil die Kombination aus Komfort, Bedienung und Leistung stimmt. Dem gegenüber steht der hohe Preis von 1200 Euro. Ohne Ladestation mit Entleerfunktion gibt es den i7 um 900 Euro (UVP). Dann hat man zwar keine startenden Flugzeuge im Flur, verzichtet aber auf Komfort.