© Gregor Gruber

Kamera-Test
10/09/2011

JVC GC-PX10: Hybrid auf Speed

Es ist weder normale Digicam, noch Camcorder, hat kein Wechselobjektiv und will trotzdem gehobenen Ansprüchen genüge tun. Futurezone testet JVCs GC-PX10, die Serienaufnahmen mit bis zu 50 Bildern pro Sekunde macht.

von Gregor Gruber

JVC nennt die GC-PX10 (900 Euro) eine „neue Art von Hybridkamera“. Mit Hybrid ist allerdings keine Systemkamera gemeint, obwohl die PX10 auf dem ersten Blick Sonys NEX-5 ähnelt. Der Hybrid bezieht sich in diesem Fall auf die Symbiose aus Digitalkamera und Camcorder.

Das Resultat ist zumindest schon mal optisch und haptisch ungewöhnlich. Wie bereits erwähnt erinnert die PX10 an Sonys NEX-5, was am relativ kompaktem Gehäuse und dem großen Objektiv (fix, nicht abnehmbar) liegt. Mit 520 Gramm ist die PX10 kein Leichtgewicht und durch die Form frontlastig. Trotzdem ist sie einigermaßen gut zu halten, da die linke Hand stabil am Objektiv ruht. Rechts kann es für Nutzer mit großen Händen aber knapp werden: Der kleine Finger der rechten Hand findet kaum noch Halt.

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Bedienung
Die Bedienelemente sind über die gesamte Kamera verstreut, weshalb man öfter die entsprechende Taste für die gewünschten Funktion sucht – intuitiv ist anders. Das Modus-Wahlrad, Einstellungsrad, sowie die Schnelltasten für Focus und Belichtung befinden sich links am Objektiv, ebenso wie die Set-Taste, Blitztaste und der Ein-Aus-Schalter. Wird die Fokus-Taste gedrückt, kann dieser manuell über das Einstellungsrad gewählt werden. Einen Ring am Objektiv zum Fokussieren gibt es nicht.

An der Rückseite ist der Zoomschalter, der Record-Knopf für das Filmen, die Bildwiedergabe, der Umschalter für Film/Foto-Modus und die Menü-Taste. Wird die Menütaste betätigt, muss am 3-Zoll großen Touchscreen getippt werden. Die Bezeichnungen der Funktionen sind teils seltsam gewählt (ISO heißt „Automatische Aufhellung“), das Menü unübersichtlich und der Touchscreen reagiert etwas träge.

Rechts oben ist der Auslöser für Fotos, die Taste zum Aktivieren des Video-Highspeedmodus und die Taste für das Einstellen der Foto-Serienaufnahmen.

Ausstattung
Technisch ist die PX10 vor allem im Film-Modus potent ausgestattet. Sie kann Videos im FullHD-Format 1080p mit bis zu 50 Bildern pro Sekunde aufnehmen, mit 36 Megabit pro Sekunde. So hohe Datenraten findet man üblicherweise nur im Halb-Profi-Segment der Camcorder, die deutlich mehr als 900 Euro kosten. Damit auch der Sound passt, gibt es neben einem internen Stereo-Mikrofon einen 3,5mm-Klinken-Eingang. JVC bietet als optionales Zubehör ein eigenes Stereo-Mikrofon mit Blitzschuh-Montage an.

Die PX10 hat zwar nur einen 10-fach optischen Zoom mit optischen und elektronischen Bildstabilisator, der aber im Film-Modus digital, ohne Auflösungsverlust, auf 19-fach erhöht werden kann. Superzeitlupen mit 250 Bilder pro Sekunde können in der Auflösung 640x360 aufgenommen werden.

Der Hintergrund-beleuchtete CMOS-Sensor hat 12MP und entspricht von der Größe her einem normalen Digicam-Sensor (7,7mm Diagonale). Der ISO reicht bis 6400. Das Display kann um 180 Grad nach oben geklappt werden, um Selbstporträts aufnehmen zu können. Der interne Speicher ist mit 32GB großzügig bemessen. Wer mehr braucht, kann den Speicherplatz mit einer SD-Karte (bis zu 64GB) erweitern. Der eingebaute Blitz ist etwas schwach ausgefallen und erinnert mehr an einen Handy-LED-Blitz, als an den einer Digicam. Für Nahaufnahmen ist das aber sogar ein Vorteil, da das Motiv nicht überstrahlt wird.

Filmen
Videos in FullHD sind mit der PX10 durchaus ansehnlich. Eine hohe Datenrate garantiert aber nicht automatisch überragende Aufnahmen. Ein Gelegenheitsfilmer wird kaum einen Unterschied zwischen der PX10 und einem herkömmlichen FullHD-Camcorder sehen, der mit 1080p aufnimmt. Nur, dass es Full-HD-Camcorder mit 24 Mbps mittlerweile schon ab 300 Euro gibt, was deutlich unter dem Preis der PX10 liegt.

Bei der Farbwiedergabe ist die PX10 eher auf der realistischen Seite und tendenziell blass als übersättig. Überraschend gut funktioniert der duale Bildstabilisator. Selbst freihändige Schwenks mit 18-fach Zoom sehen noch relativ flüssig aus.

Während des Filmens kann jederzeit in im 16:9-Format mit 8MP fotografiert werden. Auch im Nachhinein können beim Betrachten der Videos auf der Kamera Standbilder entnommen werden. Diese haben dann natürlich die FullHD-Auflösung 1920x1080 Pixel. Da die Videos mit 50 Bildern pro Sekunde gemacht werden, ist die Chance ein scharfes Einzelbild zu erwischen höher als bei einer Kamera, die mit den üblichen 30 Bildern pro Sekunde aufnimmt. Die Zeitlupenaufnahmen sehen einen Tick besser aus, als bei den meisten Digicams die ebenfalls diese Funktion haben.

Fotografieren
Auch beim Fotografieren sind die Farben eher neutral, was zusammen mit dem leichten Hang zur Unterbelichtung bei Außenaufnahmen gelegentlich für trist-wirkende Fotos sorgt. Ungewöhnlich für eine aktuelle Digitalkamera dieser Größe ist, dass es keinen Weitwinkelbereich gibt, da das Objektiv bei 37,4mm Brennweite (Kleinbildäquivalent) beginnt.

Ein Highlight der PX10 sind Serienaufnahmen. Bis zu 25 Bilder pro Sekunde können mit 12 Megapixel aufgenommen werden, der Puffer reicht für 100 Aufnahmen. Im 16:9-Format mit 8,3MP sind sogar 50 Bilder pro Sekunde möglich (Puffer: 130 Bilder). Allerdings muss dazu vorher in den Video-Modus wechseln. Stellt man im Foto-Modus die Bildgröße von 12 auf 8 Megapixel, sind es nach wie vor 25 Fotos pro Sekunde. Ist der Puffer voll, braucht die Kamera bis zu zehn Sekunden, bevor die nächste Aufnahme gemacht werden kann. Der Prozess kann manuell abgebrochen werden.

Neben einer Lächelerkennung gibt es auch einen Smiley-Indikator, der in Prozent anzeigt, wie stark eine Person lächelt. Auf Wunsch kann der Smiley-Shutter aktiviert werden, der erst auslöst, wenn alle von der Kamera erfassten Personen mindesten zu 80 Prozent lächeln. Sehr genau ist die Anzeige nicht, aber als Gag oder ergänzender Selbstauslöser für Gruppenfotos durchaus brauchbar.

Der ISO reicht bis 6400. Bei 800 sind Bildstörungen zu erkennen, 1600, 3200 und 6400 sind in Sachen Bildqualität nicht mehr akzeptabel.

Fazit
"Hauptsache anders" scheint die Idee der Entwickler hinter der PX10 gewesen zu sein. Das Resultat wirkt unausgereift, speziell durch die verwirrende und unübersichtliche Menüführung. Zudem sind 900 Euro für eine etwas bessere Bridge-Cam einfach zu viel, wenn man bedenkt, dass man darum bereits eine gute Systemkamera mit zusätzlichem Zoom-Objektiv bekommt, die der PX10 in der Bildqualität und Menüführung überlegen ist. Auch der Serienbildermodus mit 50 Fotos pro Sekunde ist seit der Ankündung der Nikon J1 und V1 nicht mehr ganz so exklusiv – diese Systemkameras schaffen bis zu 60 Fotos mit 10 Megapixel in der Sekunde.

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