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03.12.2015

Leica M Monochrom: Eine Liebeserklärung in Schwarz-Weiß

Die Typ 246 ist die aktuelle Version der M Monochrom. Die Rangefinder-Kamera bügelt einige Kritikpunkte aus, bleibt aber ein 7200 Euro teures Liebhaberstück.

Die Leica M Monochrom (Typ 246) ist das Nachfolgemodell der ersten M Monochrom (futurezone-Test). Das Prinzip bleibt gleich: Es ist eine digitale Messsucherkamera (Rangefinder) mit einem Vollformat-Sensor. Der 24-Megapixel-Sensor ist ein echter Monochrom-Sensor, kommt also ohne Farbfilter aus. Auf einen Tiefpassfilter wird ebenfalls verzichtet. Laut Leica soll die Kombination aus dem Verzicht beider Filter Schärfe, Details und Kontrast erhöhen. Die futurezone hat die neue M Monochrom getestet.

Galerie: Leica M Monochrom (Typ 246)

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Entschleunigung

Wie schon im Test des Vorgängermodells beschrieben, ist die Art des Fotografierens mit einer Rangefinder-Kamera ein entschleunigendes Erlebnis. Es gibt keinen Autofokus und das Scharfstellen mit einem Messsucher erfordert besonderes Feingefühl. Um scharf zu stellen, blickt man durch den Sucher. Dort ist in der Mitte ein kleiner heller Kasten zu sehen. In dem hellen Kasten wird verschoben das Motiv angezeigt. Durch das Drehen des Fokusrings am Objektiv wird das Motiv im Kasten nach links oder rechts verschoben. Deckt sich das Motiv im Kasten mit dem Motiv im Sucher, ist scharfgestellt.

Je nach Motiv kann das korrekte Fokussieren eine ganze Weile dauern. Bei schlechtem Licht, engmaschigen Mustern und kleinteiligen Motiven fällt es besonders schwer. Auf einen blätterlosen Herbstbaum in der Nacht scharfzustellen kann eine echte Herausforderung sein. Ebenfalls schwierig: Der Sucher vergrößert nicht mit und ist versetzt zum Objektiv.

Das Sucherbild zeigt, im Gegensatz zur DSLR, nicht den Blick durch das Objektiv. Ein Leuchtrahmen im Sucher hilft zwar den Bildausschnitt zu bestimmen, schlussendlich braucht man aber einfach Übung. Leider hat Leica nicht beim Sucher nachgebessert: Nach wie vor ist es nicht möglich den gesamten Sucherbereich auf einmal zu sehen. Verwendet man ein 28mm-Objektiv, sieht man so nie alle vier Ränder des Leuchtrahmens.

Dennoch wird man mit einem 28mm-Objektiv am schnellsten Erfolge mit der M Monochrom erzielen, da der Sucher für diese Brennweite ausgelegt ist. Bei einem 50mm-Objektiv sieht man mehr im Sucher als man tatsächlich fotografiert und die Orientierung anhand der Leuchtrahmen ist für DSLR-Fotografen gewöhnungsbedürftig.

Beschleunigung

Im Gegensatz zum Vorgängermodell ist der Sucher nicht mehr die einzige Methode zu Fokussieren. Die neue M Monochrom unterstützt Live View und Fokus Peaking. Bei Objektiven mit hohen Brennweiten (ab 50mm) kann das sinnvoll sein. Als zusätzliche Fokushilfe gibt es im Live-View-Modus einen 5- und 10-fachen Digitalzoom. Beim zum Test von Leica zur Verfügung gestellten Summilux-M 1:1.4/28mm APSH (5500 Euro UVP) ließ sich mit dem Sucher präziser fokussieren, als per Live View.

Lästig: Im Live-View-Modus wird die vorgenommene Belichtungskorrektur nur angezeigt, wenn der Auslöser halb durchgedrückt ist. Die meisten anderen DSLRs messen im Live-View-Modus permanent die Helligkeit, weshalb Korrekturen gleich angezeigt werden. In den Einstellungen der Kamera kann zwar die „Belichtungssimulation“ von „Ausl. Halb gedr.“ auf „Dauerhaft“ umgestellt werden, dies ändert aber nichts an dem oben beschriebenen Verhalten im Live-View-Modus.

Auch der Prozessor der Kamera wurde erneuert, was dringend notwendig war. Bilder werden schneller am Display angezeigt und auch das Durchscrollen und Hineinzoomen in Fotos ist deutlich flotter. Das 3-Zoll-Display ist ebenfalls neu. Es hat eine höhere Auflösung und ist jetzt tatsächlich zur Kontrolle der Aufnahmen geeignet, während es bei der Vorgängerkamera einfach nur grauslich war. Das Display hat jetzt auch eine automatische Helligkeitseinstellung.

Die M Monochrom kann jetzt auch FullHD-Videos mit 25 Bildern pro Sekunde aufnehmen. Dazu befindet sich rechts oben eine „M“-Taste, mit der die Aufnahme gestartet wird. Im Gegensatz zu DSLRs muss der Live-View-Modus zur Videoaufnahme nicht aktiviert sein – optional ist dies möglich. Die Tonqualität der Videos ist gut, allerdings sind die Aufnahmen sehr ruckelig und daher nicht besonders ansehnlich.

Galerie: Beispielfotos Leica M Monochrom (Typ 246)

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Bildqualität

Wie schon beim Vorgängermodell ist die Bildqualität der M Monochrom sehr gut. Selbst bei JPGs sind die Details hervorragend, ebenso die Schärfe. Beeindruckend sind auch die scharfen Kanten und die klare Abgrenzung zwischen Motiv und Hintergrund. Durch diese Abgrenzung wirkt auch das Bokeh intensiver.

In der 100-Prozent-Ansicht ist ein ISO-Rauschen ab 1250 bemerkbar. Allerdings sind die Schärfe und die Details auch bei ISO 8000 noch immer sehr gut. Das Rauschmuster erinnert an die Körnung von Analogfilmen und wirkt nicht störend, solange man nicht versucht im Nachhinein ein weit entferntes Objekt im Foto näher heranzuholen.

Verwendet man die Zeit- und ISO-Automatik, versucht die M Monochrom dem Fotografen eine Verschlusszeit von maximal 1/30 Sekunden zuzumuten. Obwohl keine optische Bildstabilisation vorhanden ist und die Kamera so aussieht, als wäre sie in Sachen Ergonomie einem Ziegelstein mit Objektiv ebenbürtig, sind verwackelte Aufnahmen eine Seltenheit. Wenn ein Bild unscharf wird ist meist ein schlechtes Fokussieren des Fotografen daran schuld.

Belichtung

Bei der Belichtung liegt die M Monochrom nicht immer richtig. Bei Aufnahmen in Innenräumen und wenig Licht arbeitet die Messung meist präzise aber bei hellem Licht im Freien tendiert sie stark zur Unterbelichtung. Im Test machte es bei hellem Licht außen und der Messung auf ein dunkles Motiv keinen sichtbaren Unterschied, ob als Messmethode Mehrfeld, Spot oder Mittenbetont gewählt wurde.

Die Geschwindigkeit im Serienbildermodus ist mit bis zu drei Fotos pro Sekunde geringer als bei aktuellen DSLRs, allerdings waren es beim Vorgängermodell nur zwei Bilder/s. Obwohl man es der Kamera aufgrund des Oldtimer-Looks nicht ansieht, lassen sich mit dem Serienbildermodus sehr schön Bewegungen einfrieren. Durch die saubere Abgrenzung von Motiv zu Hintergrund und den klar wirkenden Aufnahmen sind die Resultate durchaus sehenswert.

Fazit

Kann man guten Gewissens eine Kamera empfehlen, die ein veraltetes Fokussystem nutzt, nur monochrome Fotos macht und mit einem passenden (sehr guten) Objektiv 12700 Euro kostet? Nein, aber Liebe ist auch nicht immer logisch oder erklärbar. Die neue M Monochrom ist genau wie ihr Vorgängermodell faszinierend und die Ergebnisse können sich sehen lassen. Mit einem Preis von 7200 Euro für das Gehäuse werden leider nicht allzu viele Hobbyfotografen in den Genuss des monochromen Erlebnisses kommen.

Technische Daten (PDF)