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Nano-SIM: Angst vor Geräte-Schäden

Vor einigen Monaten hat sich Apple im Streit um den neuen SIM-Kartenstandard gegenüber anderen Herstellern wie Nokia, BlackBerry und Motorola durchgesetzt: Im Juni wurde die Nano-SIM als Nachfolgestandard offiziell von dem zuständigen Institut ETSI (European Telecommunications Standards Institute) beschlossen. Nun ist mit dem iPhone 5 das erste Gerät auf dem Markt, in dem die neue SIM zum Einsatz kommt. Die neue Karte - ETSI bezeichnet diese offiziell als „vierten Formfaktor" (4FF) - ist in etwa so lang wie die Micro-SIM breit ist.

Technische Unterschiede zwischen Micro- und Nano-SIM gibt es eigentlich keine. "Der größte Unterschied ist tatsächlich, dass die Nano-SIM kleinere Abmessungen (12,3 x 8,8 x 0,67 Millimeter) hat", sagt Kristel Teyras, Kommunikationschefin bei dem französischen Unternehmen Gemalto, einem der führenden Hersteller von SIM-Karten, zur futurezone. Davon abgesehen seien beide gleichermaßen nach vorgegebenen Industrie-Standards konzipiert, so Teyras.  "Bei der Interoperabilität ist es so, dass die bisherigen Funktionen kompatibel sind, es werden die gleichen sechs Kontakte genutzt", ergänzt Marietheres Paul, Sprecherin von Drei. Für die Anwendung der NFC-Funktionalität würden weitere Kontakte genutzt, die sich zwischen der bisherigen USIM und dem 4FF-Format (= Nano-SIM) in der Position unterscheiden.

Soweit müssen sich die Kunden also auf keine Neuerungen einstellen, abgesehen davon, dass beim Umstieg auf ein iPhone 5 in jedem Fall auch die alte SIM-Karte gegen eine neue getauscht oder ein entsprechender Adapter angeschafft werden muss.

Angst vor Schäden
Unter den heimischen Mobilfunkern wird allerdings vor dem falschen Einsetzen, eigenem Zuschneiden sowie vor Verwechslungen gewarnt. Die Nano-SIMs sind dünner bzw. flacher als bisherige SIM-Karten. Falls Anwender, wie schon bei einem Wechsel auf eine Micro-SIM selbst Hand anlegen und diese beschneiden, stanzen oder feilen wollen und in den Nano-SIM-Slot stecken, könnten viele Endgeräte dadurch beschädigt werden, befürchtet man etwa bei T-Mobile. Beispielsweise könnten dadurch Kontakte abbrechen. T-Mobile appelliere daher an Kunden, das gar nicht erst auszuprobieren. Letztlich könnten dadurch Daten auf der Micro-SIM verloren gehen.

"Möglich wäre es eventuell auch, die Karte in den 3FF-USIM-Slot eines anderen Gerätes zu stecken. Hier könnten Schäden entstehen, weil sich die Karte verhaken bzw. durch den Touch-Mechanismus eventuell nicht mehr ausgeworfen werden kann", erklärt die Drei-Sprecherin gegenüber der futurezone. Grundlegende Probleme durch den Umstieg von Micro- auf Nano-SIM sieht Paul zwar nicht, räumt aber eine gewisse Verwechselungsgefahr mit Micro-SD-Kartenslots ein: "Die USIM könnte in diesen Slot eingeführt werden, Schäden sind dabei allerdings nicht zu erwarten."

Verfügbarkeit
Die Mobilfunker haben sich naturgemäß schon im Vorfeld auf den Start des neuen iPhones gerüstet und Nano-SIMs gebunkert. A1 preschte bereits Mitte Juli mit der Meldung vor, die neue Nano-SIM im Sortiment zu haben. Ab 21. September - und somit schon vor dem iPhone-5-Verkaufsstart - wird sie dort bereits erhältlich sein. 

Aber auch die anderen heimischen Mobilfunker sind längst mit Nano-SIMs bestückt. "Es ist ganz normale Praxis, dass sich die Mobilfunker vorab mit neuen SIM-Karten ausrüsten, auch wenn noch kein konkretes Gerät auf dem Markt ist", sagt Tyras von Gemalto. Wie viele Nano-SIMs der Konzern über die vergangenen Monate bereits ausgeliefert hat, will die Gemalto-Sprecherin allerdings nicht verraten.

Streit um Nachfolge-Standard
Nokia, aber auch Motorola und BlackBerry setzten im Gegensatz zu Apple anstatt der Nano-SIM auf eine ganz neue Form, die eher an das Design einer MicroSD-Speicherkarte erinnert. Apple hingegen hielt aber vehement an der bisherigen SIM-Form fest, die sich hauptsächlich dadurch vom Vorgänger unterscheidet, dass noch weniger Plastikrand vorhanden ist.

"Die Querelen zwischen Apple und den anderen Herstellern bestanden aus zwei Themen: der Einführung eines neuen Formfaktors und der Spezifikation der Kontaktstellen - analog zur heutigen USIM, analog zu einer MicroSD-Karte", sagt Paul. Der Prozess zur Standardisierung der jetzigen Nano-SIM sei von einem starken Zeitdruck gekennzeichnet gewesen. "In Summe sehen wir einen Versuch, durch physikalische Inkompatibilität eine Wechselhürde zwischen dem neuen iPhone und anderen Geräten zu errichten, weniger die Notwendigkeit einige Quadratmillimeter Platz innerhalb des Geräts zu sparen", so Paul. In der Mobilfunkbranche seien derartige Neuerungen durchaus üblich. "Wir haben gelernt, mit solchen Herausforderungen umzugehen."

Je nach Erfolg des iPhone 5 werden andere Hersteller nachziehen, um die Wechselhürde für die Nutzer zu verringern, glaubt man bei Drei. "Dies haben wir auch bei der Einführung des 3FF Formats gesehen", sagt Paul. Eine flächendeckende Durchdringung sei aber nicht abzusehen. "In den nächsten Jahren werden die drei bestehenden Formate 2FF (Mini SIM), 3FF (Micro SIM) und 4FF (Nano SIM) nebeneinander existieren."

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