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Kamera-Test

Nikon S01 im Test: Mini-Cam mit Handy-Leistung

„Süß" – selbst als gestandener Fotograf muss man der putzigen Nikon Coolpix S01 einen gewissen Charme eingestehen. Die Mini-Kamera, die in fünf Farben verfügbar ist, misst gerade mal 51,2×77,0×17,2 mm bei einem Gewicht von 96 Gramm. Mit dieser Größe passt sie locker in eine Zigarettenschachtel und findet in der Jeans-Hosentasche sogar noch neben dem gewaltigen Samsung Galaxy Note II Platz.

Verarbeitung
Obwohl sie so klein ist, vermittelt sie ein robustes Gefühl, was unter anderem am Plastikgehäuse liegt, das sich überraschend stabil anfühlt. An der Unterseite sind zwei kleine Standfüßchen angebracht, um die S01 für Aufnahmen mit Selbstauslöser zu positionieren. Besonders standhaft ist die Mini-Kamera aber nicht, auf Geländern oder Vorsprüngen sollte man sie nicht aufstellen, um einen fatalen Absturz vorzubeugen.

Im Gegensatz zum Gehäuse ist das Objektiv, wenn die Kamera eingeschaltet und es ausgefahren ist, etwas wackelig. Für gewöhnlich berührt man das ohnehin nicht, dennoch sollte man extra-vorsichtig sein, die S01 nicht auf das ausgefahrene Objektiv fallen zu lassen.

Bedienung
Die Größe des Auslösers und des Zoomrings sind ausreichend, um auch großen Männerhänden die Bedienung zu ermöglichen. Beide sind aber wackelig, was den sonst robusten Eindruck der S01 trübt.

Der Auslöser an der Oberseite wird von dem Einschalt-Knopf und dem Wiedergabe-Knopf flankiert. An der Rückseite befindet sich noch ein Softtouch-Button, der das Menü öffnet. Die restliche Bedienung erfolgt über den restriktiven Touchscreen. Dieser reagiert weniger genau auf Berührungen als aktuelle Smartphones, ist aber ansonsten brauchbar. Dafür grenzt die Bildqualität des 2,5 Zoll Displays ans Grauenvolle: Die Fotos sehen am Computer-Monitor meist um einiges besser aus, als am Bildschirm der S01.

Ausstattung
Die S01 hat 10 Megapixel und einen 3-fach optischen Zoom (29 bis 87 mm bei Kleinbildformat). Der Akku und Speicher (ca. 7,38 GB verfügbar) sind fix verbaut. Der Akku kann per USB-Kabel auch von einem Computer aus aufgeladen werden. Der Anschluss an der S01 ist kein herkömmlicher Micro-USB-Anschluss, weshalb man die Digicam nicht einfach an das Smartphone-Ladegerät stecken kann, sondern immer das mitgelieferte USB-Kabel von Nikon dabei haben muss.

Nikon verspricht bis zu 190 Aufnahmen mit einer Akkuladung. Im Test waren es etwa 70 Fotos und drei zwei bis fünfminütige Videos, bevor der S01 der Saft ausging. Nicht gut gelöst ist die Akkuanzeige: Es gibt ein Symbol für voll und eines das am ehesten als halb voll interpretiert werden kann. Nach dem Erscheinen des Halb-voll-Symbols waren aber nur noch 15 Fotos und ein Video möglich, bis der Akku komplett leer war.

Fotografieren
Manuelle Modi sind, wie nicht anders bei so einer Digicam zu erwarten, nicht vorhanden. Nicht einmal der ISO-Wert, der automatisch von 100 bis 1600 gewählt wird, ist manuell justierbar. Einstellbar sind der Blitz (ein/aus), der Selbstauslöser mit zehn Sekunden, vier Farb-Effekte (Sepia, Monochrom, Hi Key, Low Key), die Belichtungskorrektur (-2 bis +2) und die Größe der Fotos (10 MP, 4 MP, 2 MP). Beim Fotografieren ist ein Schnellauswahl-Icon zu Ein- und Ausschalten des Blitzes eingeblendet, alle anderen Funktionen müssen über das Menü justiert werden.

Fokussiert wird immer in der Mitte, die Gesichtserkennung ist permanent aktiviert. Will man woanders hin fokussieren, tippt man aufs Display. Dann wird aber auch gleich das Foto gemacht, nur per Fingertipper fokussieren ohne auslösen ist nicht möglich. In Innenräumen mit Kunstlicht fällt der S01 das Fokussieren schwer, selbst mit roten Hilfslicht. Hier kann es bis zu zwei Sekunden dauern, bis fokussiert wurde.

Der Autofokus liegt im Makro-Bereich häufig daneben. Auch der automatische Blitz schaltet sich teilweise nicht ein, wenn er es sollte, was zu verwackelten Aufnahmen führt – eine Belichtungszeit von ¼ Sekunde kann der digitale Bildstabilisator kaum ausgleichen.

Bildqualität
Auf die Bildqualität hat die Miniatur-Bauweise der S01 keinen positiven Einfluss. Im freien bei gutem Licht sind die Bilder akzeptabel, solange man sie nicht am Computer in der 100-Prozent-Ansicht betrachtet. Hier ist ein deutliches Bildrauschen zu sehen. Die S01 tendiert zu natürlichen Farben bei guten Lichtverhältnissen. Dadurch wirken die Aufnahmen aber oft etwas blass und trist.

Die Detailzeichnung ist ebenfalls nicht überragend. Im Vergleich mit dem Samsung Galaxy Note II (8MP) sind auf den Bildern des Smartphones Details zu erkennen, die auf den Fotos der S01 verwaschen sind. Auch das Bildbrauschen ist beim Note II geringer.

Ohne Blitz sollte man in Innenräumen bei Kunstlicht nicht fotografieren, da die Fotos durch die hohen ISO-Werte ein starkes Bildrauschen haben und trotzdem häufig verwackelt sind. Der Blitz ist für Partyschnappschüsse durchaus geeignet und den LED-Blitzen der Smartphones überlegen. In Kombination mit dem Weißabgleich sind die geblitzten Gesichter oft unnatürlich gelbstichig, was in den meisten Fällen aber immer noch besser aussieht als die durch Smartphone-LEDs bleich-geblitzten Gesichter.

In den 720p-Videos ist das Bildrauschen ebenfalls deutlich zu sehen, hübsche Kurzfilme kommen nur bei Außenaufnahmen mit sehr guten Lichtverhältnissen zustande.

Fazit
Die S01 ist süß, aber nahezu nutzlos. Aktuelle Smartphones machen bei guten Lichtverhältnissen bessere Fotos und Videos. Der 3-fach-Zoom macht die Bildqualität auch nicht besser, der einzige Trumpf der S01 gegenüber Smartphones ist der Blitz.

Als Ausgeh- und Party-Schnappschuss-Digicam ist sie aufgrund des niedlichen Looks durchaus in Ordnung, den UVP von 179 Euro rechtfertig das aber nicht. Auch die 130 Euro Straßenpreis sind noch zuviel, wenn man ein aktuelles Smartphone besitzt. Interessant wird die S01, wenn sie unter 100 Euro erhältlich ist.

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Gregor Gruber

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