Nokia E7 im Test: Gut, aber nicht gut genug

© Gregor Gruber

Nokia E7 im Test: Gut, aber nicht gut genug
04/17/2011

Nokia E7 im Test: Gut, aber nicht gut genug

Nokias Business-Flaggschiff E7 ist als Nachfolger des legendären Communicator positioniert. Mit dem damals revolutionären Gerät kann das E7 nicht mithalten. Die Hardware hat ihre Tücken und andere Smartphone-Plattformen sind ausgereifter.

von Benjamin Sterbenz

Als winzige Computer im Handy-Format noch Organizer hießen, war die Welt für Nokia in Ordnung. Viel mehr noch: Mit dem Communicator hatte man ein Modell im Sortiment, das Internet, Telefonie und Zeitmanagement perfekt vereinte. In Kombination mit der vollwertigen Tastatur war das Gerät bei Vielbeschäftigten und Vielreisenden ein Hit. Wer solch einen klobigen Riegel zum Aufklappen hatte, war wichtig – oder tat zumindest so. Die Dominanz begann dann aber langsam zu bröckeln. Zuerst Windows, dann Palm, danach BlackBerry und schließlich iPhone und Android. Mittlerweile kann jedes simple Einsteiger-Smartphone mehr als ein Communicator und im Gegensatz zu früher werden die Geräte auch von einer immer breiteren Masse genutzt.

In dieses Szenario setzt Nokia nun das E7. Das Anhängsel Communicator wurde wohlweislich fallen gelassen. Vom Konzept her kann das Modell seine Wurzeln jedoch nicht leugnen. Es ist ein Mobiltelefon, das ob seiner Tastatur und Ausstattung vor allem als mobiles Büro konzipiert ist. Es lässt sich in klassische Büro-Umgebung (Microsoft, etc.) einbetten und vorinstalliertes Quickoffice und PDF-Viewer deuten ebenfalls an, in welche Richtung es geht. Was vernünftig klingt, sorgt im Jahr 2011 jedoch nicht einmal mehr für ein Achselzucken. All das können andere Geräte auch. Ob es das E7 besser macht und sich so eine Daseinberechtigung sichert?

Ein Schiebe-Mechanismus für TüftlerDie Antwort lautet relativ eindeutig nein. Denn weder auf der Software- noch auf der Hardware-Ebene kann das E7 restlos überzeugen. Es liefert kein zwingendes Argument, auf exakt dieses Modell umzusteigen. Die Fehler beginnen bereits bei der Hardware, eigentlich Nokias letzte große Tugend. Die Verarbeitung mag zwar grundsätzlich sehr gut sein, kleine Details trüben aber das Gesamterlebnis. So sieht man etwa nicht, in welche Richtung das Display aufgeschoben werden muss, um die Tastatur zum Vorschein zu bringen. Man muss sich immer einprägen: Start-Knopf muss rechts sein, dann halte ich es zum Aufschieben richtig. Verstärkt wird dieses banale Problem dadurch, dass der an sich sehr robuste Schiebemechanismus etwas zu schwergängig ist. In den ersten Tagen stellt man sich immer wieder die Frage: Halte ich das Ding jetzt richtig oder muss ich nur ein wenig fester drücken. Intuitiv ist das nicht.

Nokia E7 im Test

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Eine Tastatur mit leichten DefizitenDie Tastatur, das Herzstück das E7, ist gut, aber nicht sensationell. Bei Notebooks mag die Tastatur für manche den Ausschlag geben, etwa zu einem HP oder Thinkpad zu greifen. Dem Keyboard des E7 fehlt jedoch genau dieses gewisse Etwas, um Vielschreiber dazu zu bewegen, umzusteigen. Und: Wie bei so vielen anderen Tastatur-Handys mit Schiebe-Displays, sitzt die oberste Tastenreihe viel zu nahe am Bildschirm-Rand – was schnelles Tippen behindert.

Im geschlossenen Zustand gibt es fünf Tasten bzw. Knöpfe. Zwei davon sorgen für Probleme. Die „Home“-Taste wirkt wackelig, zudem ist das Feedback beim Drücken zu gering. Damit kann man leben. Der Schiebe-Regler zum Sperren und Entsperren hingegen ist eine klare Fehlkonstruktion. Da er nicht einrastet, kann es in der Hosentasche leicht passieren, dass er verschoben wird, der Lock aufgehoben wird und sich das Handy verselbstständigt. Mini-Kritik am Kamera-Knopf: Warum dieser beim Betätigen nicht die Kamera-App startet, ist ein Mysterium.

Dass der Prozessor zu langsam sowie das Touch-Display zu gering auflösend (4 Zoll, 640x360) und schwergängig ist, stört hingegen nicht. Auch dass fix 16GB Speicher ohne Chance auf Erweiterung verbaut sind, ist weiter nicht tragisch. Da es nur wenige Apps gibt und der Musik-Player ob seiner trägen Bedienung (bei jedem Ordnerwechsel wird lange geladen) kaum benutzt werden wird, bleibt der Speicher frei von Liedern oder Spielen.

Wenige Apps, Opera ist PlfichtStichwort Apps: Dieses Kapitel ist schnell abgehandelt. Es gibt vielleicht fünf sinnvolle Programme im Ovi-Store. Das wären etwa Foursquare (einzige ernstzunehmende Social-App, die für Nokia optimiert ist), JoikuSpot (macht das Handy zum WLAN-Hotspot), Ovi Maps und einige Medien-Widgets (wobei der Großteil eher hässlich ist). Die beste App gibt es übrigens nicht im Store. Da der integrierte Browser in punkto Funktionalität, Bedienung und Geschwindigkeit viel Raum für Verbesserungen freilässt, ist die Installation von Opera Pflicht. Mit Opera Mobile wird das E7 ein vernünftiges Surf-Terminal. Einziger wirklicher Haken: Lesezeichen von Opera können als Shortcuts nicht am Desktop hinterlegt werden, etwa um schnellen Zugriff auf Google-Dienste (Docs, Kalender) zu bekommen.

Das mag jetzt insgesamt etwas harsch klingt und das E7 schlechter erscheinen lassen als es ist. Losgelöst aus dem Kontext und seiner Vorgeschichte ist es ein durchaus passables Gerät. Nur liegt die Latte bei diesem Modell und dieser Firma eben hoch. Was positiv hervorzuheben ist, ist die Kamera, die trotz fehlendem Autofokus, sehr gute Bilder in diversen Lichtsituationen schießt. Weiters punktet das E7 mit Multitasking. Mit wenigen Tipsern sieht man welche Programme gerade offen sind, es lässt sich sehr schnell und bequem von einem ins andere wechseln. Kombiniert mit der Copy&Paste-Funktion ist das wirklich eine feine Sache. Und: Laufende Programme können sofort und ohne Umstände terminiert werden. Datenschutz-Bewusste haben so immer den Überblick, was im Hintergrund läuft. Zudem kann man das Handy – mit etwas Geduld – so einrichten, dass es jedes Mal fragt, wenn ein Programm online gehen will. Das mag für viele mühsam und nervraubend sein, wird aber einige freuen. Die Paranoia hat übrigens eine weiteren Vorteil. Der sich im Vollbetrieb schon wacker schlagende (nicht austauschbare) Akku hält im Internet-Asketen-Modus noch länger.

Offene Fragen und eine ungewisse ZukunftOb sich ein Umstieg ab dem Symbian^3-Update „Anna“ lohnen könnte? Eine Frage, die tendenziell eher mit nein beantwortet werden wird. Die Software-Verbesserung werden das Handling im Detail sicherlich verbessern, die grundsätzlichen Probleme wird es jedoch nicht lösen. Wer ein cooles Smartphone mit Tastatur, vielen Apps und intuitivem OS sucht, braucht das E7 nicht in Betracht ziehen. Für jene, die ein stabiles, unspektakuläres Handys suchen, das sich mit traditioneller Software-Umgebung gut synchronisieren lässt, können überlegen. Allerdings sollten Nokia-Fans mit Business-Ambitionen vielleicht auf das E6 warten. Das bietet die gleiche Software und einen zeitgemäßen, schlankeren Formfaktor.

Die Tastatur, das Herzstück das E7, ist gut, aber nicht sensationell. Bei Notebooks mag die Tastatur für manche den Ausschlag geben, etwa zu einem HP oder Thinkpad zu greifen. Dem Keyboard des E7 fehlt jedoch genau dieses gewisse Etwas, um Vielschreiber dazu zu bewegen, umzusteigen. Und: Wie bei so vielen anderen Tastatur-Handys mit Schiebe-Displays, sitzt die oberste Tastenreihe viel zu nahe am Bildschirm-Rand – was schnelles Tippen behindert.

Im geschlossenen Zustand gibt es gerade mal fünf Tasten bzw. Knöpfe. Zwei davon sorgen für Probleme. Die „Home“-Taste wirkt wackelig, zudem ist das Feedback bei Drücken zu gering. Damit kann man leben. Der Schiebe-Regler zum Sperren und Entsperren hingegen ist eine klare Fehlkonstruktion. Da er nicht einrastet, kann es in der Hosentasche leicht passieren, dass er verschoben wird, der Lock aufgehoben wird und sich das Handy verselbstständigt. Mini-Kritik am Kamera-Knopf: Warum dieser beim Betätigen nicht die Kamera-App startet, ist ein Mysterium. Stirnrunzeln verursacht auch der HDMI-Ausgang. In Ermangelung eines Video-on-Demand-Dienstes besteht kein Grund, das Handy an einen TV oder Beamer anzuhängen.

Dass der Prozessor zu langsam sowie das Touch-Display zu gering auflösend (4 Zoll, 640x360) und schwergängig ist, stört hingegen nicht. Auch dass fix 16GB Speicher ohne Chance auf Erweiterung verbaut sind, ist weiter nicht tragisch. Da es nur wenige Apps gibt und der Musik-Player ob seiner trägen Bedienung (bei jedem Ordnerwechsel wird lange geladen) kaum benutzt werden wird, bleibt der Speicher frei von Liedern oder Spielen.

Stichwort Apps: Dieses Kapitel ist schnell abgehandelt. Es gibt vielleicht fünf sinnvolle Programme im Ovi-Store. Das wären etwa Foursquare (einzige ernstzunehmende Social-App, die für Nokia optimiert ist), JoikuSpot (macht das Handy zum WLAN-Hotspot), Ovi Maps und einige Medien-Widgets (wobei der Großteil eher hässlich ist). Die beste App gibt es übrigens nicht im Store. Da der integrierte Browser in punkto Funktionalität, Bedienung und Geschwindigkeit viel Raum für Verbesserungen freilässt, ist die Installation von Opera Pflicht. Mit Opera Mobile wird das E7 ein vernünftiges Surf-Terminal. Einziger wirklicher Haken: Lesezeichen von Opera können als Shortcuts nicht am Desktop hinterlegt werden, etwa um schnellen Zugriff auf Google-Dienste (Docs, Kalender) zu bekommen.

Das mag jetzt insgesamt etwas harsch klingt und das E7 schlechter erscheinen lassen als es ist. Losgelöst aus dem Kontext und seiner Vorgeschichte ist es ein durchaus passables Gerät. Nur liegt die Latte bei diesem Modell und dieser Firma eben hoch. Was positiv hervorzuheben ist, ist die Kamera, die trotz fehlendem Autofokus, sehr gute Bilder in diversen Lichtsituationen schießt. Weiters punktet das E7 mit Multitasking. Mit wenigen Tipsern sieht man welche Programme gerade offen sind, es lässt sich sehr schnell und bequem von einem ins andere wechseln. Kombiniert mit der Copy&Paste-Funktion ist das wirklich eine feine Sache. Und: Laufende Programme können sofort und ohne Umstände terminieren werden. Datenschutz-Bewusste haben so immer den Überblick, was im Hintergrund läuft. Zudem kann man das Handy – mit etwas Geduld – so einrichten, dass es jedes Mal fragt, wenn ein Programm online gehen will. Das mag für viele mühsam und nervraubend sein, wird aber einige freuen. Die Paranoia hat übrigens eine weiteren Vorteil. Der sich im Vollbetrieb schon wacker schlagende (nicht austauschbare) Akku hält im Internet-Asketen-Modus noch länger.

Ob sich ein Umstieg ab dem Symbian^3-Update „Anna“ lohnen könnte? Eine Frage, die tendenziell eher mit nein beantwortet werden wird. Die Software-Verbesserung werden das Handling im Detail sicherlich verbessern, die grundsätzlichen Probleme wird es jedoch nicht lösen. Wer ein cooles Smartphone mit Tastatur, vielen Apps und intuitivem OS sucht, braucht das E7 nicht in Betracht ziehen. Für jene, die ein stabiles, unspektakuläres Handys suchen, das sich mit traditioneller Software-Umgebung gut synchronisieren lässt, können überlegen. Allerdings sollten Nokia-Fans mit Business-Ambitionen vielleicht auf das E6 warten. Das bietet die gleiche Software und einen zeitgemäßen, schlankeren Formfaktor.

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