© Thomas Prenner/futurezone

Smartphone
06/10/2012

Nokia Lumia 610 im Test: Windows Phone light

Nach dem neuen Flaggschiff folgt nun ein neues Einsteigermodell von Nokia. Mit dem Lumia 610 will man einen günstigen Anreiz für den Einstieg in die Welt der Windows-Smartphones bieten. Doch Nokia entschied sich leider dazu, an den falschen Enden zu sparen.

von Michael Leitner

Eigentlich hat Nokia bereits

ein Einsteiger-Smartphone in seiner Windows Phone-Reihe, doch mit dem Lumia 610 möchte man eine noch günstigere Alternative anbieten. Diese wird nun zeitgleich mit dem neuen Flaggschiff, dem
, auf den Markt gebracht. Doch bereits im Vorfeld wurden einige Probleme mit dem Lumia 610 bekannt. So soll es durch seinen geringen Arbeitsspeicher für
sein. Und auch die offizielle Preisempfehlung von Nokia verwundert: mit 269 Euro liegt es weit über
, die das Gerät im Einsteigersegment platziert hätten. Die futurezone hat das Lumia 610 getestet und dabei auch einen ausführlichen Blick auf die umstrittenen Punkte geworfen.

Nokia Lumia 610

Nokia Lumia 610

Nokia Lumia 610

Nokia Lumia 610

Nokia Lumia 610

Design
In Designfragen liegt Nokia durch seine langjährige Erfahrung immer noch um eine Nasenspitze vorn. Das beweist man auch wieder beim Lumia 610. Obwohl das Gehäuse aus gewöhnlichen Plastik besteht, wirkt es nie billig, auch nicht wenn man es in die Hand nimmt. Der leicht abnehmbare Gehäusedeckel knarzt nicht und lässt sich, im Gegensatz zu anderen Modellen aus dieser Preisklasse, nicht eindrücken. Die knapp 132 Gramm sind relativ schwer für ein Smartphone, allerdings gut verteilt, sodass das zusätzliche Gewicht kaum auffällt. Auch das Handling des Smartphones ist hervorragend. Die Unterseite ist leicht angeschrägt und an den Ecken abgerundet. So lässt es sich angenehm mit einer Hand halten und bedienen.

Die Vorderseite zeichnet sich vor allem durch den Kunststoffrahmen im Metallic-Look aus, der dem Gerät ein edles Aussehen verleiht. Bis auf das Nokia-Logo und die drei für die Bedienung erforderlichen Soft-Keys ist nichts auf der Vorderseite zu sehen. Leider hat sich Nokia dafür entschieden, kein Gorilla-Glas zu verbauen, sodass das Glas auf der Vorderseite nicht vor Kratzern geschützt ist. Im Test erwies es sich allerdings nicht als anfällig für Kratzer, Schlüssel oder Kleingeld sollte man ohne Schutzhülle dennoch nicht in der selben Tasche aufbewahren.

Auf der Rückseite ist neben dem obligatorischen Nokia-Logo lediglich die 5-Megapixel-Kamera und der LED-Blitz zu sehen. Alle Anschlussmöglichkeiten befinden sich an der Oberseite des Lumia 610. Ein simpler microUSB- und ein 3,5mm-Klinkenanschluss müssen ausreichen, zur drahtlosen Datenübertragung befinden sich Bluetooth 2.1 und WLAN (802.11 b/g/n) mit an Bord. An der rechten Seite befinden sich neben dem Power-Knopf, der mittig platziert ist, die Lautstärkewippe sowie ein Auslöseknopf für die Kamera, mit der die Kamera-App schnell gestartet und Schnappschüsse im Querformat gemacht werden können.

Display
Das Lumia 610 hat mit einem 3,7 Zoll LCD-Display einen vergleichsweise kleinen Bildschirm. Doch diese Wahl bringt auch einen großen Vorteil mit sich. Da Windows Phone 7 nur eine einzige Auflösung unterstützt - 480 x 800 Pixel - hat man eine deutlich höhere Pixeldichte als selbst das aktuelle Topmodell Lumia 900. Mit 220 ppi erreicht man zwar nur einen eher durchschnittlichen Wert, doch der reicht aus, um eine Stufenbildung zu vermeiden.

Im direkten Vergleich mit dem AMOLED-Display des Lumia 900 wird jedoch ein großer Unterschied deutlich. Während das farbenfrohe Windows Phone 7.5 auf dem Lumia 900 wundervoll zur Geltung kommt, wirken die Farben auf dem Lumia 610 relativ blass. Besonders das Schwarz ist sehr matt und erreicht nie das Niveau des Flaggschiffs, das auf die "ClearBlack"-Technologie zurückgreifen kann. Dennoch ist das Display dank seiner ordentlichen Helligkeit auch bei starker Sonneneinstrahlung gut lesbar und hat einen annehmbaren Betrachtungswinkel.

Batterielaufzeit
Blickt man auf die Spezifikationen des Lumia 610, so wird man zunächst mit Kopfschütteln reagieren. Wie auch in vielen anderen Modellen kommt hier nämlich ein Qualcomm Snapdragon S1 (MSM 7227A) zum Einsatz, der allerdings hier lediglich mit 800 MHz getaktet ist - viele andere Modelle, wie das Huawei Ascend G300 oder das LG Optimus L7 nutzen die volle Leistung von 1 GHz aus. Doch im Hinblick auf die Akkulaufzeit macht die niedrig getaktete CPU durchaus Sinn.

Denn obwohl lediglich ein 1.300 mAh-Akku (tauschbar) zum Einsatz kommt, hielt der Akku bei normaler Nutzung knapp zwei Tage - ein guter Wert für ein Windows Phone. Nokia selbst gibt an, dass mit dem Lumia 610 bis zu 10,5 Stunden im GSM-Netz telefoniert werden könne.

Kamera
Die 5 Megapixel-Kamera des Lumia 610 ist ident mit der des Lumia 710. Somit bleiben auch die Kritikpunkte bestehen: die Bilder sind unterbelichtet und bei schwachen Lichtverhältnissen entsteht ein starkes Bildrauschen. Auch die Bedienung ist nicht gerade gelungen - trotz eigens verbautem "Auslöser". Dieser ermöglicht das schnelle Starten der Kamera-App, kann allerdings auch nicht über den langsamen Autofokus hinwegtäuschen. Das dürfte vermutlich auf die langsame CPU zurückzuführen sein.

Videos können in VGA-Qualität bei 30 Bildern pro Sekunde aufgenommen werden. Das schafft das Lumia 610 recht ordentlich und ohne Ruckeln. Bei der Videoaufnahme funktioniert der Autofokus deutlich besser und stellt sich schnell auf rasch wechselnde Gegebenheiten ein.

Performance
Die Leistung des Lumia 610 ist wirklich herausragend. Während bei günstigen Android-Smartphones Ruckler und lange App-Ladezeiten keine Seltenheit sind, geht beim Lumia 610 nahezu alles ebenso schnell von statten wie beim großen Bruder Lumia 710, das immerhin mit einem deutlich potenteren 1,4 GHz Prozessor ausgestattet ist. Apps starten rasch, beim Wechsel zwischen verschiedenen Bildschirmen gibt es keinerlei Ruckler und auch die Animationen der Live-Widgets sind ebenso schnell und hübsch wie beim Flaggschiff.

Doch beim Lumia 610 gibt es überall dort, wo Licht ist, auch Schatten. Denn leider entschied sich Nokia dafür, lediglich 256 MB RAM zu verbauen. Dadurch funktionieren einige Apps, wie Angry Birds oder Skype, auf dem Lumia 610 nicht. Für Angry Birds wurde allerdings bereits eine "optimierte" Version angekündigt, die auch mit dem halbierten Speicher funktionieren soll. Doch da 512 MB RAM mittlerweile auch im Einsteiger-Bereich Standard sind, ist es unverständlich, dass Nokia gerade hier knausert.

Damit wird auch die Arbeit für App-Entwickler nicht gerade erleichtert, die Microsoft derzeit zu locken versucht. Mittlerweile zählt der Windows Phone Marketplace 100.000 Apps. Damit liegt man zwar immer noch weit hinter Googles Play Store und Apples App Store, doch Microsofts Pendant ist stetig im Wachsen begriffen, allein in den letzten sechs Monaten kamen 50.000 neue Apps hinzu. Eine stärkere Fragmentierung der Hardware-Spezifikationen könnten dieses Wachstum hemmen.

Ausstattung
Insgesamt stehen auf dem Lumia 610 acht Gigabyte Speicher zur Verfügung, Erweiterungsmöglichkeit per microSD gibt es keine. Nokia kündigte vier verschiedene Farbvarianten an - Schwarz, Weiß, Cyan und Fuchsia - allerdings kann man sich jederzeit mit farbigen Soft Covers, die für jeweils knapp 10 Euro verfügbar sind, umentscheiden. Diese wirken allerdings relativ billig und geben dem Smartphone nur wenig Schutz. Sonstige Ausstattung ist, abgesehen von A-GPS und verschiedenster Nokia-Software, rar gesät. Neben dem Ladegerät findet sich lediglich noch In-Ear-Kopfhörer in der Verpackung des Lumia 610.

Fazit
Das Lumia 610 macht nichts wirklich falsch, hat aber derzeit noch keine wirklichen Argumente, die für es sprechen würden. Denn die schärfste Konkurrenz kommt derzeit aus dem eigenen Haus: das Lumia 710, der "große Bruder", ist bereits jetzt für knapp 200 Euro erhältlich und bietet die deutlich bessere Ausstattung - und vollen Zugriff auf den Windows Marketplace. Sollte der Straßenpreis für das Lumia 610 nicht auf knapp 150 Euro fallen, wird ihm ein jähes Ende drohen.

Alternativen
Die derzeit beste Alternative zum Lumia 610 ist, wie bereits erwähnt, das Lumia 710, das derzeit um knapp 200 Euro verfügbar und somit sogar um knapp 20 Euro günstiger erhältlich ist als das eigentliche "Einsteiger-Modell". Fans von kleinen Displays erhalten mit dem Sony Xperia U um knapp 220 Euro einen ansprechenden Einstieg in die Smartphone-Welt, allerdings mit Android 2.3. Ein Update auf die neueste Version Ice Cream Sandwich soll bald folgen.

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Modell:
Nokia Lumia 610
Display:
3,7 Zoll LCD-Display mit 480 x 800 Pixel (WVGA)
Prozessor:
800 MHz Single Core (Snapdragon S1 - 7227A)
RAM:
256 MB
Speicher:
8GB intern, kein microSD-Kartenslot
Betriebssystem:
Windows Phone 7.5
Anschlüsse/Extras:
Micro-USB, 3,5mm Klinke, WLAN (b/g/n), Bluetooth 2.1
Kamera:
5MP Rückseite
Videos:
Aufnahme in VGA-Qualität bei 30 fps
Maße:
119.24 x 62.18 x 11.95 mm, 131.5 Gramm
Preis:
269 Euro UVP in Schwarz, Weiß, Cyan oder Fuchsia