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02/08/2012

Nokia Lumia 710: Bunt und bauchig

Nach dem Lumia 800 ist mit dem Lumia 710 das zweite Nokia-Handy mit Windows Phone 7.5 Betriebssystem erhältlich. Die Software ist bekannt und auch das Design ist nicht neu: Das Lumia 710 recycelt das Gehäuse des Nokia 603. Dennoch ist es ein gutes Mittelklasse-Handy. Die futurezone hat es getestet.

So wie schon das Lumia 800 sein Design vom Nokia N9 geerbt hat, ist auch das Lumia 710 ein alter Bekannter. Das Gehäuse stammt vom Nokia 603, einem Smartphone mit Symbian-Betriebssystem, das im Oktober 2011 vorgestellt wurde.

Das gesamte Gerät ist trotz Kunststoff-Gehäuse äußerst robust. Ein Knirschen entlockt man dem 710 nur, wenn man ziemlich fest die Mitte des 3,7 Zoll großen Touchscreens drückt. Mit 126 Gramm ist das Smartphone  nicht besonders schwer. In Kombination mit den bauchigen Rundungen der Rückseite, der Dicke von 12,5 Millimeter und auch der wenig elegant anmutenden Form der Front, wirkt das 710 sehr wuchtig – sowohl in der Betrachtung, als auch im Gebrauch. An der rechten, unteren Ecke ist noch eine Schlaufe, um Handyschmuck, Handschlaufen oder anderes Zubehör anzubringen.

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Handling
Die Rundungen haben auch einen Vorteil: Dadurch liegt das Smartphone relativ gut und sicher in der Hand. Für zusätzlichen Halt sorgt die gummiartige Oberfläche der Akku-Abdeckung, die die gesamte Rückseite, sowie große Teile des linken und rechten Rahmens des Handys einnimmt. Während das 710 in zwei Frontfarben (Schwarz und Weiß) erhältlich ist, gibt es fünf färbige Wechselcover (je 5 Euro) für die Rückseite.

Die Farben Pink, Blau und Schwarz haben eine gummiähnliche Oberfläche – die weißen und gelben Cover weisen die rutschhemmenden Eigenschaften nicht auf. Schade, dass nicht auch die einstellbaren Akzentfarben um die Farben der Covers erweitert wurden – so könnte man passend zum gelben Cover auch gelbe Kacheln haben. Zumindest Rosa und Blau ist vorhanden, um die Windows-Phone-Oberfläche farblich den entsprechenden Akkuabdeckungen anzupassen.

Tasten
Die Bedientasten des 710 sind wenig gelungen. Zwar integrieren sie sich optisch äußert unauffällig ins Gesamtbild, um die Form des Smartphones nicht zu zerstören, dafür sind sie aber nicht allzu einfach zu treffen. Die Standby-Taste an der Oberseite ist zwar schon sehr versteckt, hat aber zumindest einen guten Druckpunkt. Die Lautstärkentasten an der rechten Seite sind aber zu sehr eingelassen und noch dazu ziemlich flach – hier drückt man schon mal den Rahmen über oder unter der gewünschten Taste und wundert sich, warum nichts passiert. Die Kamerataste rechts unten ist eine Zweiwege-Taste. Leicht drücken, um zu fokussieren geht ganz gut. Um auszulösen, muss aber die Taste komplett durchgedrückt werden, was aufgrund des zu hohen Widerstands dazu führt, dass man das gesamte Handy beim Drücken leicht bewegt. Das kann schon mal zu verwackelten Aufnahmen führen.

Auch die Tasten physische Tastenreihe an der Front sind etwas zu schwergängig zur komfortablen Benutzung. Außerdem knirscht die Such-Taste, wenn sie gedrückt wird. Das schmälert etwas den wertigen und robusten Gesamteindruck vom 710.

Ausstattung
Wie schon beim Lumia 800 muss man auch beim Lumia 710 eine Micro-SIM-Karte verwenden. Der interne Speicher ist 8GB groß, einen MicroSD-Kartenslot gibt es nicht. Das 3,7-Zoll-Display nutzt Nokias ClearBlack-LCD-Technologie und hat eine Auflösung von 800x480 Pixel. Es hat zwar weniger kräftige Farben als ein AMOLED-Display, ist aber gut lesbar und auch für die Außenverwendung bei Sonnenlicht hell genug. Die Farbechtheit ist ebenfalls sehr gut, nur in der höchsten Helligkeitsstufe des Displays waschen die Farben etwas aus. Allerdings könnte das Glas des Displays ein wenig gleitfreudiger sein.

Kamera
Die Kamera hat fünf Megapixel und das 710 nimmt Videos in 720p auf. Die Kamera hat eine starke Tendenz zur Unterbelichtung, weshalb viele Bilder zu dunkel sind und Details von dunklen Motiven häufig verschwinden. Bei Kunstlicht und wenig Licht ist zudem ein starkes Bildrauschen auf den Fotos sichtbar.

Um gute Resultate zu erzielen, sollte man die Einstellungen in der Kamera-App manuell vornehmen. Ein wenig störend beim Fotografieren ist auch, dass der Autofokus gut eine Sekunde braucht um überhaupt aktiv zu werden, nachdem die Kamerataste halb gedrückt wurde. Auch der automatische Weißabgleich reagiert manchmal träge.

Leistung
Das Betriebssystem Windows Phone 7.5 ist dasselbe wie beim Nokia 800. Dazu kommen noch die vorinstallierten Nokia-Apps Navigation und Karten, sowie Nokia-Musik und die App-Highlights. Bei der T-Mobile-Version des Nokia 710 ist noch MobileTV (kostenpflichtig) und TopApps vorinstalliert, die Apps vorschlägt.

Ins Stocken gerät das 710 kaum. Es nutzt denselben 1,4GHz-Singlecore-Prozessor wie das Lumia 800 und hat ebenfalls 512MB RAM. Das Navigieren durch die Menüs und das Surfen im Web ist angenehm schnell und flüssig. Lediglich zwischen dem Drücken der Standby-Taste und dem Angehen des Displays vergeht manchmal eine Sekunde.

Bei der Sprachqualität gibt es keine Auffälligkeiten, die Stimme des 710-Users wird gut übertragen und auch die Stimme des Gesprächspartners ist klar verständlich. Verbindungsaussetzer, wie sie beim Test des Lumia 800 aufgetreten sind, kamen beim 710 nicht vor. Auch der "Zitterbug" des Displays trat nicht auf.

Der Akku hat 1300mah, dennoch ist das 710 recht genügsam. Einen Tag kommt man bei normaler Nutzung mit Leichtigkeit aus, im Normalfall sollten eineinhalb Tage möglich sein.

Fazit
Für einen Preis von etwa 300 Euro bei Preisvergleichsportalen (319 Euro UVP, ab 0 Euro bei T-Mobile und A1, ab 1 Euro bei Orange) bekommt man mit dem Nokia Lumia 710 ein durchaus zufriedenstellendes Mittelklasse-Handy. Bei Android-Smartphones in dieser Preisklasse ist das Surfen und Navigieren weniger flott und auch die Display-Auflösung liegt häufig unter den 800x480 des Nokia 710. Eine Alternative in dieser Preiskategorie wäre das Android-Handy SonyEricsson Arc S, das ab 319 Euro erhältlich ist. Das ist dann auch deutlich dünner und leichter als das Lumia 710 und hat ein 4,2-Zoll-Display.

Wenn es ein günstiges Windows Phone sein soll und man mit dem wuchtigen Formfaktor leben kann, spricht nichts gegen das 710. Den direkten Konkurrenten, das Windows Phone HTC Radar, schlägt das 710 aufgrund des etwas niedrigeren Preises, des schnelleren Prozessors und des eine Spur besseren Displays. Und die Investition in ein Wechselcover für das 710 ist auch nicht verkehrt. Redaktionsfavorit ist die Kombination schwarzes Handy, gelbes Cover.

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Modell:
Nokia Lumia 710
Betriebssystem:
Windows Phone 7.5 "Mango"
Display:
3,7 Zoll ClearBlack-LCD, 800x480 Pixel
Prozessor:
1,4GHz Single Core Qualcomm Snapdragon
RAM:
512MB
Speicher:
8GB
Kamera:
5 Megapixel, Videos in 720p
Dimensionen:
119 x 62,4 x 12,5 mm, 126 Gramm
Preis:
319 Euro UVP, verfügbar in den Farben Schwarz und Weiß