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14.01.2019

OnePlus 6T im Test: Spitzenmodell-Features zum halben Preis

Ein schönes Gehäuse und ein Fingerabdruckscanner unter dem Display: Das OnePlus 6T wartet mit Flaggschiff-Funktionen auf.

Obwohl erst vor knapp fünf Jahren gegründet, ist das Unternehmen OnePlus heute kaum noch vom Smartphone-Markt wegzudenken. Das 6T ist das aktuelle Spitzenmodell des Konzerns. Mit 550 Euro UVP ist das Handy zwar nicht mehr ganz so günstig, wie einst frühere Modelle. Im Vergleich zu den Spitzenmodellen der Konkurrenz, die teilweise um die 1000 Euro kosten, erscheint das 6T aber dennoch moderat bepreist.

An Features soll es deswegen nicht mangeln: Neben einer ordentlichen Verarbeitung, einer Dual-Kamera und einem winzigen Notch, gibt es noch einen Fingerabdruckscanner unter dem Display. Wir haben das feature-reiche Smartphone getestet.

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Verarbeitung, Äußeres

Wenn das 6T an einer Sache nicht scheitert, ist das an seinem Äußeren. Vorderseite sowie Rückseite sind aus Glas, wenngleich die Rückseite eher wie matt lackiertes Metall wirkt. Der Rahmen besteht aus Aluminium. Trotz seines 6,4-Zoll-Displays liegt das Gerät gut und sicher in der Hand. Große Spaltmaße oder andere Mängel an der Verarbeitung sucht man vergebens. Auch das Gewicht ist mit 185 Gramm im angenehmen Bereich.

An der unteren Kante finden sich neben dem USB-C-Anschluss noch die Öffnungen für den Mono-Lautsprecher. Auf einen Kopfhöreranschluss wird verzichtet. Das Handy kommt standardmäßig in der Dual-Sim-Variante, einen separaten MicroSD-Kartenslot gibt es keinen.

Das Display und der Notch

Das AMOLED-Display löst mit 1080 x 2340 Pixel auf und kommt bei einer Diagonale von 6,41 Zoll auf eine Pixeldichte von 402 PPI. Beim Einrichten des Handys fragt das System, welches Farbprofil man für das Gerät verwenden will. Neben Standard stehen noch sRGB, DCI-P3 oder ein adaptives Profil zur Auswahl. Wahlweise kann man die Farbe auch manuell zwischen “kalt” und “warm” regulieren. Ganz so satt, wie etwa bei Samsung oder Google, sind die Farben beim OnePlus insgesamt nicht, das stört allerdings nicht und fällt ohne direkten Vergleich kaum auf.

Wie auch viele andere Handy-Hersteller setzt OnePlus auf einen Notch, um die Front-Kamera an der Vorderseite unterzubringen. Im Unterschied zur Konkurrenz ist jener aber deutlich kleiner aufgefallen und hat am ehesten die Form eines Wassertropfens. Optisch gefällt mir die Lösung von OnePlus deutlich besser als die breiten Notches der Konkurrenz. Die Aussparung wirkt durch die Form und die geringe Größe eleganter und weniger deplatziert. Außerdem nimmt er weniger Platz weg, der für Benachrichtigungen und Status-Icons genutzt werden kann.

Fingerabdruckscanner und Gesichtsscan

Das 6T zählt zu den ersten Handys, die den Fingerabdruckscanner unterhalb des Displayglases verbaut haben. Die Vorteile liegen auf der Hand: So wird unterhalb des Displays kein Platz dafür benötigt, es gibt also mehr Platz für die Anzeige. Die rückseitig angebrachten Fingerabdruckscanner sind vor allem aufgrund der schwierigen Platzierung suboptimal. Egal, wo man den Scanner auf der Rückseite anbringt: Für viele der Anwender wird er entweder zu weit oben oder zu weit unten sein.

Der Scanner unter dem Display wird genauso eingerichtet, wie man es von den konventionellen Scannern kennt. Das Entsperren funktioniert zwar zuverlässig, allerdings ist die Verzögerung spürbar größer, als bei einem Sensor an der Rückseite.

Mit der Meldung “Finger zu schnell bewegt, bitte wiederholen”, wird man regelmäßig konfrontiert. Insgesamt erinnert mich der Sensor an die Anfänge der gewöhnlichen Fingerabdrucksensoren bei Handys. Damals funktioniert es oft auch erst beim zweiten Entsperrversuch. Unterm Strich ist bei dem Feature noch Luft nach oben.

Glücklicherweise gibt es neben dem Fingerabdrucksensor auch noch die Möglichkeit, das Handy per Gesichtsscan zu entsperren. Das funktioniert in etwa genauso gut wie bei der Android-Konkurrenz. Mit Apples Face-ID kann die Funktion nicht mithalten, speziell bei Dunkelheit zeigt sie Schwächen.

Innenleben, Software und Akku

Herzstück des 6T ist ein Snapdragon 845 mit Adreno GPU. Arbeitsspeicher sind je nach Variante 6 oder 8 GB vorhanden. Das reicht mehr als aus, um Android Pie in nahezu allen Lebenslagen flüssig zu betreiben. Bei den Benchmark-Wertungen kann dem OnePlus 6T aktuell kaum jemand das Wasser reichen, hier übertrifft das Handy einen Großteil der Konkurrenz, die zum Teil doppelt so teuer sind.

3DMark (SlingShot Extreme, OpenGL ES 3.1): 4711 Punkte
3DMark (SlingShot Extreme, Vulkan): 3846 Punkte
AnTuTu (v7.1.0): 294.950 Punkte
PCMark (Work 2.0): 8509 Punkte

Android wurde von OnePlus für die eigenen Zwecke angepasst, allerdings auf eine zurückhaltende Art und Weise. Das Ergebnis nennt sich Oxygen OS. Nervige Bloatware ist auf dem OnePlus nicht zu finden. Insgesamt überzeugt mich das OnePlus-Rom sogar mehr als das Stock-Google-Rom. Dafür gibt es mehrere Gründe: So ist beim OnePlus der äußerst praktische App-Wechsel-Button noch da. Außerdem ist die Gestensteuerung intuitiver und führte in meinem Alltag zu deutlich weniger verkrampften Daumenwischbewegungen.

Verzichten könnte ich aber auf den “Never-Settle-Shelf”, zu dem man kommt, wenn man vom Home-Screen aus nach rechts wischt. Dort findet man neben einigen Widgets noch die zuletzt genutzten Apps. Gut gemeint, aber in der Ausführung nicht wirklich praktisch.

Mit 3700 mAh ist der Akku um 400 mAh größer als der des Vorgängermodells 6. Im Alltag sind die über zehn Prozent mehr Kapazität aber nicht wirklich spürbar. Unterm Strich hält das Handy recht locker einen Tag im Alltagsbetrieb mit rund 30 Prozent Restkapazität durch.

Die Kamera

OnePlus setzt beim 6T auf ein Dual-Kamera-Setup mit einer maximalen Auflösung von 16 Megapixeln. Wie man es schon von der Konkurrenz kennt, sind die beiden Linsen mit unterschiedlicher Brennweite ausgestattet, eine Weitwinkellinse und ein Zoom-Objektiv.

Kamera Testaufnahmen

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Schon bei den ersten paar Aufnahmen unter suboptimalen Lichtverhältnissen wurde mir klar, dass OnePlus hier schwächelt und nicht mit Apple, Samsung, Google oder Huawei mithalten kann. Der integrierte Nachtmodus liefert zwar recht ordentliche Ergebnisse, dem des Pixel 3 kann er jedoch nicht das Wasser reichen.

Bei besserem Licht werden die Fotos auch besser und nähern sich der Konkurrenz in Sachen Qualität, Schärfe und Farbe an. Etwas unangenehm ist die Verzögerung zwischen Betätigen des Auslösers und dem tatsächlichen Knipsen des Bildes. Das führt ab und zu dazu, dass man den besten Moment verpasst.

Fazit

Das OnePlus 6T ist ein äußerst hübsches und hochwertig wirkendes Gerät, das auch in Sachen Geschwindigkeit in der obersten Klasse an Android-Phones mitspielen kann. Der Fingerabdruckscanner unter dem Display ist grundsätzlich ein nettes Feature, im Alltag erscheint mir die Technologie aber noch nicht völlig ausgereift. Die Verzögerungen beim Entsperren sind zwar verschmerzbar, es nervt dennoch. Ein physisch ertastbarer Sensor auf der Rückseite wäre die bessere Wahl gewesen. Schade finde ich auch, dass OnePlus beim 6T auf den Kopfhöreranschluss verzichtet.

Die größte Schwäche im Vergleich zu Handys jenseits der 1000 Euro ist die Kamera. Wer viel Wert auf seine Handyfotos legt, wird mit dem OnePlus 6T nicht so zufrieden sein, wie mit einem Pixel 3, einem Note 9 oder einem Mate 20.

Nimmt man die schwächelnde Kamera und den ab und an verzögerten Fingerabdruckscanner in Kauf, bekommt man für 550 Euro ein extrem schnelles Android-Handy mit angenehmer Software und einem hochwertigen Äußeren.

Wem 550 Euro noch zu teuer sind, der kann unter anderem einen Blick auf das Xiaomi Mi 8 werfen. Eine so gute Software wie Oxygen OS darf man sich dort nicht erwarten, dafür bekommt es für weniger als 400 Euro. Noch günstiger wird es bei Motorola mit dem G6, für das zuletzt der Preis noch weiter gesenkt wurde. Ganz so flott wie mit dem OnePlus 6T ist man damit aber nicht unterwegs.