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20.11.2010

OYO: Kindle-Herausforderer im Test

Seit Oktober bietet die deutsche Buchhandelskette Thalia den E-Book-Reader OYO als Konkurrenz zu Amazons internationalen Marktführer Kindle an. Thalia will mit deutschsprachigen Büchern, sowie einer umfangreichen Unterstützung verschiedener Dateiformate punkten. Wie sich der OYO gegen den Kindle im Praxistest schlägt, hat die FUTUREZONE getestet.

Gleichzeitig mit den steigenden Verkäufen von E-Books steigt auch die Nachfrage nach geeigneten Lesegeräten. Sogenannte E-Reader versprechen mit der speziellen Displaytechnologie E-Paper augenfreundliches Lesen unter künstlichem und natürlichem Licht. Möglich wird dies, da entsprechende Displays das Licht wie normales Papier reflektieren und so keine Hintergrundbeleuchtung notwendig ist. Dieser Umstand bewirkt, dass die Augen beim Lesen weniger angestrengt werden und durch ausreichend Blinzeln auch nicht austrocknen.

Die Fakten
Thalias OYO ist 150 x 118 mm groß, 10 mm dick und wiegt etwa 240 Gramm. Somit ist er etwas kleiner als Amazons Kindle 3 bemessen, nicht zuletzt dadurch, dass durch den Touchscreen keine physische Tastatur notwendig ist. Das Display misst bei beiden Geräten 6 Zoll und kann 16 Graustufen darstellen. Auch die Akkulaufzeit ist bei beiden Geräten mit 8000 Seiten angegeben. Der OYO ist mit einem integrierten Flash-Speicher von 2 GB ausgestattet, halb so viel wie Amazons Kindle 3.

Beide Geräte wurden mit einer Kopfhörerbuchse, USB 2.0 sowie einem WiFi Adapter versehen. Während von Amazons dritter Kindle-Generation eine Variante mit 3G Funktionalität besteht, muss man beim OYO auf mobile Datendienste gänzlich verzichten. Der Speicher von Thalias OYO ist mittels microSD-Karte noch um maximal 32 GB erweiterbar, Amazons Kindle bietet keine derartige Möglichkeit. Beide Geräte sind mit einem Musik-Player sowie mit einem Bildbetrachter ausgestattet.

Die Bücher
Will man nun ein E-Book lesen, das man bereits auf seiner Festplatte gespeichert hat, hat man beim OYO die Möglichkeit die Datei in den Formaten ePub (mit oder ohne DRM), PDF, TXT oder HTML mittels USB Kabel auf das Gerät zu übertragen. Bei den Dateiformaten zeigt sich eine Stärke des OYOs gegenüber Amazons Kindle: Während User des Kindles standardmäßig auf das gerne von deutschsprachigen Verlagen verwendete ePub-Format verzichten müssen, wird jenes von Thalias OYO problemlos unterstützt.

Sobald man den OYO an einen Windows-PC anschließt, wird der Reader ohne zusätzliche Treiber sofort als Massenspeichergerät erkannt und ist über den Datei-Explorer erreichbar. Die gewünschten Dokumente werden dann in das Stammverzeichnis des neu aufscheinenden Laufwerkes kopiert. Nachdem man den OYO wieder vom Computer trennt, werden die neuen Dateien importiert und tauchen im virtuellen Bücherregal auf.

Sofern man noch nicht im Besitz entsprechender E-Books ist, kann man jene auch mittels WLAN Funktionalität direkt über den Kindle im Thalia-Shop kaufen.

Das Display
Im Gegensatz zum Kindle verfügt der OYO über einen kapazitiven Touchscreen. Das bedeutet, dass es nur mittels Finger oder einem leitfähigen Spezialstift zu bedienen ist. Die Lesbarkeit ist bei beiden Geräten gut, auch wenn der Kindle im Test deutlich kontrastreicher wirkte. Dieser Umstand macht sich auch beim Darstellen von Bildern im Bildbetrachter oder im Browser bemerkbar.

Die Bedienung
Was bei Thalias OYO negativ ins Gewicht fällt, ist die träge Bedienung. So dauert das Umblättern selber bei bilderlosen ePub-Dateien schon mal länger als zwei Sekunden. Auch das Internet-Surfen im integrierten Browser wird wegen der langsamen Reaktionszeit zum Geduldsspiel. Die Tastatur hierfür wird über den Touchscreen bedient. Dadurch, dass die Eingaben verzögert registriert und angezeigt werden, gestaltet sich das Surfen etwas holprig. Hier steigt Amazons Kindle deutlich besser aus, da er flotter reagiert. Es bleibt abzuwarten, ob der OYO mittels Software-Updates besser bedienbar wird.


Das Fazit
Der handliche Oyo kann aktuell vor allem durch das deutschsprachige Angebot im Thalia Online-Shop punkten. Abzuwarten bleibt, ob die etwas träge Reaktionszeit durch zukünftige Software-Updates ausgemerzt werden kann. Amazon hingegen bietet im hauseigenen E-Book-Store aktuell fast ausschließlich englische Werke an. Wer aber ohnehin vorwiegend englischsprachige Literatur lesen will, bekommt mit dem Kindle ein ausgereiftes Gerät der dritten Generation.

Der OYO ist bei Thalia um 139 Euro erhältlich. Der Kindle ist bei Amazon als US-Import erhältlich, mit allen anfallenden Gebühren kommt die Version ohne 3G hierzulande auf etwa 145 Euro.

(Thomas Prenner)