Produkte
15.01.2014

Polar V800: Sportuhr und Aktivitätstracker angetestet

Mit der V800 bringt Polar eine Sportuhr auf den Markt, die ein Trainingssystem für Profisportler und Wettkampfbegeisterte ist. Ein Hands-On.

Polar, einstiger Marktführer bei den Herzfrequenzmessern, hat in den vergangenen Jahren den Fitness-Trend der Webgemeinde ziemlich verschlafen. Zwar war man schon früh dran, was das Überspielen von Trainingsdaten von der Uhr auf den Computer anlangte, allerdings nur auf den PC – Mac-User wurden von Polar über Jahre ausgesperrt. Auch die Welt der Apps hat Polar erst vor kurzem entdeckt. Web-Dienste oder Unternehmen wie Runtastic haben Polar das sportliche Leben ziemlich schwer gemacht.

Das neue Flaggschiff

Polar hat auf der diesjährigen CES sein neuestes Flaggschiff vorgestellt, die Sportuhr V800, die so etwas wie eine eierlegende Wollmilchsau auf dem Trainingssektor sein soll. Auf den ersten Blick wirkt die 79 Gramm schwere Uhr im Alu-Gehäuse ein wenig klobig, vor allem im Vergleich mit einer herkömmlichen Armbanduhr – im Vergleich zu anderen Sportuhren ist sie allerdings ziemlich stylish. Sie ist exakt 1,27 Zentimeter dick, das Display hat eine Auflösung von 128x128 Pixel, der Hintergrund kann zwischen Schwarz und Weiß gewechselt werden. Der interne Speicher ist 8 MB groß, ausreichend für fast 100 Stunden Training.

Aktivitätstracker im Uhrband

Die V800 gibt es ab März mit einem schwarzen und ab Mai mit einem blitzblauen Band. In das Band ist übrigens ein Aktivitätstracker integriert, selbst wenn man nicht aktiv trainiert, zeichnet die Uhr jede Bewegung auf. Das ist eine Besonderheit, die die V800 zu einem gelungenen Produkt macht, da sie die Trainings- und Aktivitäts-Daten kombiniert und quasi ein Gesamtbild eines Menschen erstellen kann.

Zielgruppe der V800 sind Profisportler, wettkampfbegeisterte Hobbysportler, und Triathleten, denn die Uhr kann praktisch alles, was Läufer, Radfahrer und auch Schwimmer wissen wollen, sie ist ein regelrechtes Trainingssystem. Für Fitness-, Wellness- oder gemäßigte Hobbysportler kann die Uhr zu viel.

Dank Multisportfunktion kann man zwischen den einzelnen Sportarten hin und herwechseln. Die V800 speichert wie bisher Herzfrequenz (über einen Gurt), errechnet den Erholungsstatus und diverse andere Parameter, die man von Polar gewohnt ist. Da sie laufend alle Daten misst, fungiert die Uhr wie ein virtueller Trainer und passt Trainingspläne automatisch an bzw. optimiert sie. Auf jedes Training gibt die Uhr Feedback. Mit einem entsprechenden Schritt-Sensor kann man künftig sogar einen Jump Test machen. Es wurde auch ein Trainingstagebuch integriert,

Abschied von W.I.N.D.

Neu ist, dass Polar nicht mehr seine eigene Funktechnologie W.I.N.D., sondern Bluetooth 4.0 Low Energy (LE) verwendet, das auch Bluetooth Smart genannt wird. Auf W.I.N.D. war Polar in der Vergangenheit besonders stolz, weil diese Übertragungstechnologie, die die Daten im 5 KHz und 2 GHz-Bereich äußerst zuverlässig und praktisch störungsfrei war. Sie war aber in gewisser Weise auch ein Hemmschuh, weil sich Polar damit in seiner eigenen Welt einschloss.

Die neue Offenheit

Gelernt hat Polar offenbar, dass offene Systeme von den Konsumenten mehr geschätzt werden als geschlossene Welten. Durch den offenen Bluetooth Smart-Standard, kann die V800 mit verschiedensten anderen Geräten, die Bluetooth Smart beherrschen, verbunden werden, also auch mit Smartphones; vorerst iOS und Android, ob künftig auch Windows unterstützt wird, konnte man auf dem Polar-Stand auf der CES nicht beantworten.

Dieser technische Schwenk bedeutet aber, dass bestehende Sensoren nicht verwendet werden können – lediglich die Brustgurte werden zu Hybriden und verstehen sowohl die 5 KHz, also jene Technologie der alten Polar-Modelle, als auch Bluetooth Smart. Alle anderen Sensoren, die man zu Hause hat, vom Lauf- über den GPS- bis hin zu Radsensoren, sind mit der V800 nicht mehr kompatibel. Die 5 KHz muss der Brustgurt auch deshalb noch beherrschen, weil Bluetooth Smart unter Wasser die Herzfrequenz nicht übertragen würde.

GPS & Gorilla-Glas

Da aber GPS integriert ist, sind zumindest die Geschwindigkeitssensoren am Schuh bzw. das GPS-Modul am Oberarm nicht mehr notwendig, da die Lauf- oder Radroute ohnehin per GPS mitgetracked wird. Die V800 ersetzt genau genommen auch den Fahrradcomputer, dennoch können noch Sensoren angeschlossen werden, die die Geschwindigkeit und die Trittfrequenz aufzeichnen. Spannend ist, dass die V800 bei Schwimmern beispielsweise auch die Kraulfrequenz aufgezeichnet. Ein Barometer hat man der Uhr ebenfalls spendiert, damit die Seehöhe aber auch Steigungen und Gefälle erfasst werden können. Die Funktion Back-to-Start kennt man schon vom Vorgängermodell, sie lotst den Läufer wieder zum Ausgangspunkt zurück. Die V800 ist hart im Nehmen – Gorilla-Glas macht sie kratzsicher und ist zudem bis zu 30 Meter wasserdicht.

Trainingspläne lassen sich auf dem Computer – auch Mac - erstellen und via USB auf die Uhr übertragen und umgekehrt. Während des Trainings zeichnet die V800 die Daten auf und kann sie live auf ein Smartphone übertragen. Die App nennt sich „Polar flow App“ und liefert einen Überblick über das Training, Trainingspläne etc. Was es (noch) nicht gibt, ist eine Live-Tracking-Funktion, wie sie etwa Runtastic anbietet, man kann laufende Freunde nicht via Rechner anfeuern. Einen Community-Aspekt hat sich Polar dennoch überlegt, die Daten werden über die App auf das neue eigene Portal Polar Flow gespielt, und können dort auf Twitter und Facebook geteilt und von Freunden bewertet werden. Möglich ist auch, dass Polar V800 mit weiteren Funktionen ausstattet und sie in eine Art Smartwatch verwandelt wird, die zumindest SMS anzeigt.

Akku hält einen Triathlon lang

Die Uhr muss regelmäßig aufgeladen werden, der Akku hält bei intensivem Training und Wettkampf 12 Stunden, also eine Triathlon-Länge lang, als normale Trainingsuhr mit eingeschaltetem Low GPS etwa 50 Stunden. Der Aktivitätstracker zeichnet mit einer Akkuladung rund ein Monat auf. Die Uhr – sie versteht bereits 13 Sprachen inklusive Chinesisch und Japanisch - wird vermutlich etwa 400 Euro kosten – in den USA kommt sie um 450 Dollar in den Handel.