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Smartphone Test
08/12/2012

Samsung Galaxy Beam im Test: Licht-Spielerei

Das Samsung Galaxy Beam vereint ein Smartphone mit einem Mini-Projektor. Die zusätzliche Größe und das Gewicht sind verschmerzbar. Dass ein neues Smartphone um 700 Euro mit Android 2.3.6 ausgeliefert wird, weniger. Die futurezone hat das Beamer-Handy getestet.

von Gregor Gruber

Pico-Projektoren, Mini-Beamer und Ansteck-Kits zum Nachrüsten für das iPhone sind mittlerweile nichts Neues mehr. Die Anzahl an Smartphones mit fest verbauten Projektoren halten sich jedoch in Grenzen. Mit dem Samsung Galaxy Beam ist so ein Exot jetzt auch hierzulande erhältlich.

Design
Das Galaxy Beam sieht auf den ersten Blick wie ein Outdoor-Handy aus. Indizien dafür sind der gelbe Plastikrand des Gehäuses und die dickeren Maße. Die Front entspricht dem Samsung-typischen Mittelklasse-Handy: Runde Kanten, ein chrom-farbener Rand und ebenfalls Chrome rund um den Home-Button und am Lautsprecher.

Der Home-Button hat einen schwammigen Druckpunkt und wackelt etwas, die restlichen, physischen Buttons sind in Ordnung. Obwohl das Galaxy Beam deutlich dicker als aktuelle Smartphones in dieser Preisklasse ist, hält es sich recht gut in Händen und vermittelt einen robusten Eindruck. Auch das etwas höhere Gewicht fällt nicht negativ auf.

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Display
Das Display schreit wieder „Mittelklasse-Handy". Zwar hat es eine Auflösung von 800x480 Pixel, jedoch nicht wie bei Samsungs besseren Modellen üblich, mit AMOLED-Technologie. Die Darstellung schaut dementsprechend aus: nicht schlecht, aber auch nicht gut.

Leistung
Zumindest reagiert das 4-Zoll-Display flott. Das Smartphone selbst ist zwar mit einer Dual Core CPU mit 1GHz halbwegs kompetent ausgestattet, braucht aber dennoch lang zum Laden von Apps und zum Aufbauen von Websites, wenn man ein Galaxy Nexus, SIII oder Galaxy Note zum Vergleich heranzieht. Im Quadrant Standard Test erreicht das Galaxy Beam 2589 Punkte. Bei der Wiedergabe von größeren AVI und MP4-Dateien ruckelt das Bild leicht. Das ist ärgerlich, da gerade das Filme schauen mittels Projektor eines der wenigen Highlights des Galaxy Beam ist.

Das Interface ist das übliche Samsung Touch Wiz. Als Betriebssystem kommt Android 2.3.6 zum Einsatz. Schlimm genug, dass ein 700-Euro-Gerät (UVP) nicht mit Android 4.0 ausgeliefert wird, aber zumindest 2.3.7 könnte drauf sein, das seit September 2011 verfügbar ist.

Beim Telefonieren ist der Gesprächspartner gut zu hören. Die maximale Lautstärke beim Telefonieren ist mehr als ausreichend. Einige Klingeltöne werden selbst in der niedrigsten Lautstärke zu laut wiedergegeben.

Beamer
Das Highlight des Galaxy Beam ist natürlich der eingebaute Beamer. Dieser ist allerdings mehr Gadget als wirklich nützlich, da die geringe Lichtstärke von 15 ANSI-Lumen die Verwendung stark einschränkt. In komplett dunkler Umgebung ist das Bild bis zu einer Größe von etwa 30 Zoll noch akzeptabel, darüber hinaus waschen die Farben zu stark aus. Selbst bei schwachem Kunstlicht kann man nicht mehr wirklich etwas erkennen.

Das längere Gedrückt-lassen der Beamer-Taste aktiviert und deaktiviert ihn. Es wird alles wiedergegeben, so, wie es am Handy-Display zu sehen ist. Über das Beamer-Menü, das durch einen kurzen Drücker auf die Beam-Taste aktiviert wird, wird der Fokus eingestellt und es kann die Ausrichtung geändert werden, um Inhalte im Querformat anzuzeigen. Dabei wird das Hoch-Bild des Handys um 90 Grad gedreht und in ein Querbild gezwungen, während das Smartphone weiterhin im Hochformat gehalten wird. Mit Videos funktioniert das ganz gut, da der Standard-Videoplayer ohnehin die Filme immer im Querformat abspielt.

Der Dreh-Trick
Will man Fotos aus der Galerie oder eine Website in voller Größe projizieren, muss man das Handy kurz kippen, damit es in den Querformat-Modus wechselt und nicht mehr aufrichten, damit es im Querformat bleibt. Da die Front des Handys immer auf die projizierende Fläche zeigen muss, ist die Navigation am Smartphone dann etwas umständlich. Games per Beamer sind dadurch kaum spielbar, es sei denn sie funktionieren im Hochformat.

Der Lautsprecher ist ausreichend laut, um bei der Filmwiedergabe per Projektor einen Raum mit mehreren Leuten zu beschallen.

Die Beamer-Software enthält auch ein simples Präsentationstool, mit dem ein Cursor eingeblendet oder am Touchscreen gemalt werden kann, etwa um bestimme Stellen einer Website oder eines Bildes hervorzuheben. Eine Taschenlampen-Funktion ist ebenso integriert, wie eine Overhead-Projektor-Option. Hierbei wird direkt das Bild projiziert, das die Rückkamera des Handys gerade aufnimmt. Die Qualität der Bildwiedergabe ist eher mäßig.

Akkuleistung
Wie nicht anders zu erwarten, zehrt die Nutzung des Projektors ordentlich and den Stromreserven. Deshalb kommt das Galaxy Beam gleich mit zwei 2000mah-Akkus und einer Ladestation, damit der Reserveakku auch außerhalb des Handys aufgeladen werden kann. Die Ladestation hat eine Haltemulde für das Galaxy Beam, die aber keine weitere Funktion erfüllt. Hat man nur ein Micro-USB-Ladegerät, kann man entweder den Akku in der Ladestation oder das Handy aufladen – beides gleichzeitig funktioniert nicht.

Bei normaler Nutzung hält der Akku an die zwei Tage. Bei durchgehender Beamer-Nutzung ist nach zwei bis maximal 2,5 Stunden Schluss.

Um Akku zu sparen, schaltet sich das Display im Beamer-Modus automatisch nach der eingestellten Display-Timout-Zeit aus. Der Beamer bleibt dabei an. Gerade beim Schauen von Filmen per Projektor ist das gut, da die doppelte Wiedergabe sowieso keinen Sinn machen würde.

Kamera
Die 5-Megapixel-Kamera entspricht ebenfalls der eines Mittelklasse-Handys. Bei Sonnenschein sind die Bilder akzeptabel, bei Kunstlicht und wenig Licht leiden die Farben. Dafür gibt es ausreichend Szenenmodi, drei Farbeffekte, manuelle Justiermöglichkeiten für ISO und Weißabgleich und eine Blinzelerkennung.

Videos werden mit 720p aufgenommen. Die Qualität ist nicht besonders, auch die Tonaufnahme ist zu leise.

Fazit
Ohne Beamer wäre das Galaxy Beam ein brauchbares Mittelklassehandy mit zu altem Betriebssystem und guter Akkuleistung. Mit Beamer ist es ein teures Mittelklassehandy mit zu altem Betriebssystem und guter Akkuleistung. Der praktische Nutzen des Beamers hält sich in Grenzen, wenn man nicht gerade in dunklen Kreisen verkehrt, in denen es gilt spontan eine kleine Gruppe von Menschen zu bespaßen.

Den UVP von 700 Euro ist das Beam kaum wert, der Straßenpreis von derzeit 422 Euro ist schon realistischer. Wer auf den Gadget-Gag des eingebauten Beamers verzichten will, greift um etwa 377 Euro zum technisch besseren Samsung Galaxy SII, für das es mittlerweile Android 4.0 gibt.

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Modell:
Samsung Galaxy Beam i8530
Display:
4 Zoll TFT PLS, 800x480 Pixel
Prozessor:
1 GHz Dual Core (U8500)
RAM:
768 MB RAM
Speicher:
8GB intern, microSD (bis zu 32 GB)
Betriebssystem:
Android 2.3.6
Anschlüsse/Extras:
Micro-USB, 3,5mm Klinke, WLAN (b/g/n), Bluetooth 3.0, DLNA-Support
Kamera:
5MP Rückseite, 1,3MP Vorderseite
Videos:
Aufnahme in 720p mit 30fps (Rückseite)
Maße:
123,9 x 64,2 x 12,5 mm, 148 Gramm
Preis:
699 Euro (UVP)