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22.08.2016

Samsung Note 7 im Test: Ein Superlativ von einem Smartphone

Das Note 7 ist das beste Smartphone, das der Markt für Handys mit großem Display derzeit zu bieten hat. An der Perfektion schrammt Samsung aber vorbei.

Nach 4 kommt 7: Das ist zählen nach Samsung-Art – zumindest wenn es um das Galaxy Note geht. Das 5er wurde in Europa nicht verkauft und die 6 wurde ausgelassen, damit das Note nicht zahlentechnisch eine vermeintliche Generation hinter dem Galaxy S7 und S7 Edge liegt.

Der Unterschied zwischen dem Note 4 und Note 7 ist tatsächlich gewaltig und rechtfertigt den Sprung um drei Zähler. Statt Plastik-Pseudo-Leder gibt es Glas. Dem Samsung-Zierchrom weicht dunkelgraue Eleganz und der Stylus ist… immer noch da. Auch wenn der Stylus ein paar neue Funktionen hat, bin ich immer noch kein Fan davon – im Gegensatz zum Note 7 selbst. Dieses ist für mich das derzeit beste Android-Smartphone in der Klasse 5,3 Zoll+.

Galerie: Samsung Galaxy Note 7

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Das erwachsene S7 Edge

Das Design des Note 7 orientiert sich stark am S7 Edge. Aber die Ecken sind weniger rund, beim schwarzen Note 7 ist der Metallrahmen Dunkel- statt Hellgrau und das gebogene Display ragt nicht so weit nach außen. Es ist so als wäre das S7 Edge erwachsen geworden und würde jetzt mehr Wert auf Stil legen, anstatt bloß auffallen zu wollen.

Die eckigere Form, sanfteren Rundungen und der durchgehend dunkle Farbton sorgen dafür, dass das Note 7 etwas beruhigendes ausstrahlt, wenn man es ansieht. Das Design vermittelt Stärke und Verlässlichkeit, ohne angeberische Allüren.

Das beruhigende Gefühl ist (wie die meisten Gefühle) subjektiv und kommt wohl auch daher, dass ich mich nicht so oft ärgere wie mit dem S7 Edge. Bei diesem ist es mir mindestens einmal am Tag passiert, dass ich unabsichtlich am gebogenen Display etwas mit dem Handballen oder den Fingern der haltenden Hand angetippt habe. Beim Note 7 kommt dies, aufgrund der weniger ausladenden Display-Biegung, kaum noch vor.

Handschmeichler

Da dadurch die linke und rechte Seite etwas dicker sind, fühlt sich das Note 7 sicherer in der Hand an als das S7 Edge. Es hat mich überrascht, wie gut sich das Smartphone, trotz 5,7-Zoll-Display und dem Gewicht von 169 Gramm, in die Hand schmiegt.

Es gibt keine scharfen Kanten, an der Front ist kaum Platz verschwendet und die Hardware-Tasten sind gut erreichbar. Lediglich für den Pulsmesser, der wie beim S7 Edge wieder neben der Hauptkamera anstatt darunter ist, muss man den Zeigefinger schon sehr strecken.

Display

Samsung liefert wie immer einen hervorragenden Super-AMOLED-Bildschirm ab. Wie beim S7 Edge hat er die Auflösung 2.560 x 1.440 Pixel. Allerdings ist das Note-7-Display eine Spur weißer als beim S7 Edge und ein klein wenig heller.

Zwar ist es noch immer nicht Reinweiß, wie bei hochwertigen LC-Displays, aber der Farbstich ist, besonders im direkten Vergleich mit dem S7 Edge, kaum noch vorhanden.

Always-On-Display

Wie beim S7 Edge kann das Always-On-Display aktiviert werden. Es gibt jetzt mehr Designs für die Uhr zu wählen, eigene Hintergrundbilder dafür können immer noch nicht gewählt werden. Die Always-On-Anzeige wechselt jetzt nicht mehr jede Minute ihre Position am Display. Außerdem springt sie weniger weit herum, wenn sie Position wechselt.

Das waren die Gründe, warum ich das Always-On-Display nicht beim S7 Edge genutzt habe: Die Herumspringerei am Display hat mich irritiert, wenn das Smartphone neben mir am Tisch gelegen ist. Da dieses nervige Problem weg ist, bin ich einigermaßen mit dem Always-On-Display versöhnt. Und weil das Always-On-Display jetzt Icons für alle Notifications anzeigt und nicht nur für SMS und Anrufe, ist es kein Fehldesign mehr. Und weil ein Doppeltipper auf das Notification-Icon gleich die passende App dazu öffnet, ist das Always-On-Display sogar nützlich und gänzlich rehabilitiert.

Iris Scanner

Das Note 7 ist das erste Samsung-Smartphone mit Iris Scanner. Dazu befindet sich links neben dem Front-Lautsprecher eine Infrarot-Kamera. Das Einrichten geht einfach und schneller als beim Fingerabdruck-Scanner.

Im Test funktionierte das Entsperren per Iris Scan überraschend gut. In neun von zehn Fällen klappt es auf Anhieb und sehr schnell. Der zehnte Fall: Sonnen-Gegenlicht. In Dunkelheit hat der Iris Scanner kein Problem, auch die optische Brille stört nicht. Im Test funktionierte der Iris Scan sogar mit einer polarisierten Sonnenbrille. Bei normalen Sonnenbrillen klappte es nicht.

Abgesehen davon hat der Iris Scan zwei weitere Schwächen. Das Note 7 muss relativ knapp vor das Gesicht gehalten werden, Samsung gibt als empfohlene Distanz 25cm an. Es wirkt ein bißchen seltsam ein 5,7-Zoll-Gerät so dicht vors Gesicht zu halten, als würde man versuchen besonders kleinen Text am Display zu erkennen.

Die zweite Schwäche: Im Lockscreen muss nach oben gewischt werden, um den Iris Scanner zu aktivieren. Das ist ein Schritt mehr als beim Entsperren per Fingerabdruck, denn dazu drückt man einfach auf den Home Button und lässt den Finger kurz darauf.

Trotzdem nützlich

Da der Iris Scanner zusätzlich zum Fingerabdruck-Scanner oder Sperrcode genutzt werden kann, ist das nicht sonderlich tragisch. Für mich ist es eine Back-Up-Lösung, etwa wenn ich das Smartphone einhändig nutzen muss und das Entsperren per Fingerabdruck wegen der Schräglage des Daumens nicht möglich ist.

Auch wenn Handschuhe genutzt werden, die dünn genug für den Touchscreen aber nicht für den Fingerabdruck-Scanner sind, ist der Iris Scan praktisch. Oder auch wenn ein Notification-Icon am Always-On-Display doppelt angetippt wird, um direkt in die App zu gehen – hier öffnet sich der Iris Scan gleich, ohne davor am Display herumwischen zu müssen.

Der Fingerabdruck-Scanner bleibt dennoch mein primäres Entsperr-Werkzeug. Im Vergleich zum S7 Edge ist dieser etwas schneller geworden, da die benötigte Auflegezeit kürzer ist.

Software

Das Note 7 nutzt Android 6.0.1 mit Samsungs eigener Benutzeroberfläche. Diese wurde abermals leicht überarbeitet und es ist gut so. Die Icons in der Statusleiste verzichten auf die weiße Umrandung, wodurch das UI leichter wirkt. Tippt man auf den Text unter den Icons werden zusätzliche Schnelloptionen angezeigt. Bei „Energie sparen“ ist das etwa Aus, Mittel und Max.

In den Einstellungen wurde das Farbschema des S7 Edge Großteils verworfen. Denn Farbe oder nicht: 31 Menüpunkte sind zu viel gewesen. Beim Note 7 sind es jetzt 14 Menüpunkte.

Auch in den Menüs hat sich etwas getan: Bei „Anzeige“ steht etwa am Ende: „Suchen Sie nach etwas Anderem?“ und liefert Links zu den Einstellungen für „Smart Stay“ und „Sprache und Eingabe“. Bravo Samsung. Bravo dafür, dass ihr eingesehen habt, dass eure Menüs selbst für jahrelange Samsung-Smartphone-User nicht intuitiv sind und bravo, dass ihr jetzt aktiv etwas unternehmt, um die Situation zu verbessern.

Blaufilter und Sicherheit

Wie Apple bei iOS hat jetzt auch Samsung beim Note 7 einen Blaufilter fix integriert. Dieser kann mit einem benutzerdefinierten Zeitplan, von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang, oder manuell aktiviert werden. Die Stärke des Blaufilters ist ebenfalls einstellbar.

Wie schon bei früheren Samsung-Geräten gibt es wieder die Option einen sicheren Ordner anzulegen. Zugriff auf den Ordner gibt es nur per Iris Scan, Passwort oder Fingerabdruck. In diesem werden sichere Kopien von Apps angelegt, bzw. aus dem Play Store installiert.

Die Apps im sicheren Ordner existieren als eigene Instanz. In der sicheren Mail-App können andere Konten als in der normalen Mail-App angelegt werden, dasselbe gilt für Facebook, Twitter und ähnliches. Fotos und Videos können von der normalen Galerie in die sichere Galerie verschoben werden, Dokumente in die sichere „Eigene Dateien“-App.

Seitenleiste und andere Bloatware

Wie beim S7 Edge gibt es wieder die Seitenleiste mit Tools und Shortcuts, wovon die meisten wieder nur wenig Sinn machen. Sie ist genauso deaktivierbar wie „upday“, die aktuelle Inkarnation der Flipboard-ähnlichen Ansicht, die auftaucht wenn man vom Homescreen aus nach links wischt.

Upday ist nach dem Einrichten des Note 7 standardmäßig aktiviert und sendet Notifications mit Breaking News wie „Podolski tritt aus Nationalelf zurück“ – ohne, dass vorher irgendwelche Nachrichtenpräferenzen ausgewählt wurden oder man sich einverstanden erklärt hat, von solchen Notifications belästigt zu werden.

Ansonsten gibt es die übliche Bloatware und Doubletten. So sind etwa Facebook und WhatsApp installiert, sowie die Microsoft Office Apps, inklusive Onedrive. So gut wie alles ist deaktivier- oder löschbar, bis auf einige Samsung-Apps, für die es bessere Alternativen von Google gibt, wie Browser und Kalender.

Stylus auf Tauchfahrt

Wie bei den Note-Modellen üblich ist auch das Note 7 mit einem Stylus ausgerüstet, der im Gehäuse untergebracht ist. Und auch in der sechsten Generation bleibt er für mich eine Spielerei. Der Stylus unterstützt zwar mehr Druckstufen, ist mir aber immer noch zu kurz und zu dünn, um bequem in der Hand zu liegen. Und die eine neue Funktion, die mich tatsächlich zur Nutzung des Stylus animiert hätte, wurde kastriert.

Bei den Vorseriengeräten beim Note-7-Hands-on konnte noch mit dem Stylus direkt am Lockscreen geschrieben werden, woraufhin die Notiz am Always-On-Display ständig sichtbar war. Perfekt, um sich schnell einen Reminder zu setzen und diesen ständig im Blick zu haben. Beim jetzigen Note 7 kann zwar immer noch am Lockscreen gekritzelt werden, die Notiz wird aber am Always-On-Display nur als kleines Icon angezeigt, dass doppelt angetippt werden muss, wenn man die Notiz sehen will.

Update 25. 8.: Samsung hat die Funktion gepatcht. In der aktuellen Version wird die Notiz jetzt direkt am Always-On-Display angezeigt - allerdings nur für maximal eine Stunde. Die Notiz kann per Icons am Always-on-Display minimiert oder gelöscht werden.

Sowohl das Note 7 als auch der Stylus sind wasserfest. Dadurch kann der Stylus verwendet werden, um den Touchscreen unter Wasser zu verwenden. Bis auf den Fall, dass das Note 7 im Pool als Unterwasser-Kamera eingesetzt werden soll, gibt es wenig realistische Anwendungsszenarien für dieses Feature. Aber ja, wer will kann beim Schnorcheln ein digitales Ölfarbengemälde fabrizieren.

Stylus zum GIF-Erstellen

Eine weitere neue Stylus-Funktion ist das Erstellen von GIFs. Mit maximal 15 Bildern pro Sekunde wird der markierte Bildschirmbereich aufgezeichnet – egal ob es sich dabei etwa um ein Video handelt oder eine Szene aus einem Spiel.

Das sofortige verändern der Länge des GIFs ist nicht möglich. Wer will kann aber noch eine Zeichnung hinzufügen, bevor es abgespeichert oder verwendet wird.

Das nachträgliche Bearbeiten des GIFs ist nur eingeschränkt möglich, da der Editor dafür nur eine bestimmte Anzahl an Einzelbildern laden kann, aus denen das GIF besteht. Ist das GIF zu lange, kann es nicht vollständig bearbeitet und mit Stickern oder Zeichnungen verziert werden. Hier hätte Samsung ein besseres Tool zur Verfügung stellen sollen.

Übersetzen und vergrößern

Die Stylus-Funktion „Screenshot-Notiz“ lässt auf einen Screenshot herummalen. „Übersetzen“ greift auf Google Translate zurück, um das Wort, über dem man mit der Spitze des Stifts schwebt, zu übersetzen. Dies funktioniert auch mit Wörtern in Bildern.

Die Funktion „Vergrößern“ erzeugt eine Bildschirmlupe, die mit dem Stylus über das Display bewegt wird. Die Vergrößerung ist von 150 bis 300 Prozent wählbar.

Die verschiedenen Memo- und Stift-Apps sind jetzt in der App Samsung Notes zusammengeführt. Hier kann getippt, gezeichnet, gemalt, mit Handschrifterkennung, Sprachmemos und eingefügten Bildern gearbeitet werden. Besonders stolz ist Samsung auf den neuen Ölpinsel der Malfunktion, bei dem sich die Farben miteinander vermischen.

USB-C mit Adaptern

Das Note 7 nutzt denselben Samsung-Prozessor wie das S7 Edge und hat ebenfalls 4 GB RAM.

Der interne Speicher ist 64 GB groß und kann per MicroSD-Karte um bis zu 256 GB erweitert werden. Geladen wird über einen USB-C-Anschluss.

Samsung liefert zum Note 7 gleich zwei Adapter mit, um Usern den Umstieg auf USB-C zu erleichtern. Ein Adapter ist von USB-C auf Micro-USB, der zweite von USB-C zu einem normalgroßen USB-Anschluss. Damit kann man etwa direkt USB-Sticks oder andere externe Speichermedien an das Note 7 anstecken. Außerdem kann der Adapter beim Einrichten des Note 7 genutzt werden, um Fotos und andere Dateien vom Speicher des alten Handys zu übertragen. Das klassische Micro-USB-Ladekabel verbindet so das alte Smartphone mit dem Note 7 per USB-Adapter.

Der Akku ist mit 3.500 mAh etwas kleiner als der Akku des S7 Edge. Im Test war unter Alltagsbedienungen kein Unterschied bemerkbar. Bei moderater Nutzung komme ich zwei Tage mit dem Note 7 aus, bei mittlerer Nutzung eineinhalb und bei starker Nutzung (Pokemon Go) einen Tag. Beim Dauer-Pokemon-Einsatz wird die Rückseite des Note 7 warm, bleibt aber eine Spur kühler als das S7 Edge.

Kamera

Die Haupt- und Frontkamera sind dieselben wie beim S7 Edge und damit hervorragend. Auch wenn die Hauptkamera nur 12 Megapixel hat, gehört sie zu den besten aller Android-Smartphones. Die Bilder sind scharf, die Farben sind kräftig ohne unrealistisch übersättig zu sein und auch bei schwierigen Lichtverhältnissen gibt es gute Resultate.

Ähnlich wie bei den Einstellungen wurde das Menü der Kamera-App ein wenig aufgeräumt. Statt sechs Icons gibt es nur noch vier in der oberen Leiste. Die untere noch drei Icons, beim S7 Edge sind es fünf.

Ein Wischer nach links öffnet die Modusauswahl, ein Wischer nach rechts die Effekte. Nach unten oder oben wischen wechselt zur Frontkamera. Die Wischerei hilft auch bei der einhändigen Bedienung, da, je nachdem wie man das Note 7 gerade hält, nicht der Finger unnötig stark Richtung oberer oder unterer Leiste gestreckt werden muss.

Fazit

Für mich ist das Note 7 nicht nur eines der besten Android-Smartphones zur Zeit, sondern auch das Schönste. Es hat das Gute des S7 Edge übernommen und viel schlechtes ausgebessert. Wer das S7 und S7 Edge bisher bewusst ausgelassen hat, um auf das Note 7 zu warten, hat die richtige Entscheidung getroffen.

Der Stylus ist für mich immer noch eine Dreingabe, die ich nicht bräuchte, aber gezwungenermaßen mitbezahlen muss, wenn ich dieses ausgezeichnete Smartphone mit großem Display haben will.

Das leidige Thema Preis: Wer nicht bereit ist viel Geld für ein Smartphone zu zahlen, wird sich ohnehin nicht zum Launch am 9. September ein Note 7 kaufen. Der UVP liegt bei 849 Euro. Zum Vergleich: Das iPhone 6s Plus mit 64GB Speicher kostet 962 Euro und ist weniger Smartphone zu einem höheren Preis.

Website des Herstellers

Disclaimer: Das Samsung Galaxy Note 7 wurde für einen befristeten Zeitraum von Samsung für den Test zur Verfügung gestellt.