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16.06.2013

simpliTV im Test: HDTV zum fairen Preis

Seit Mitte April steht in Österreich Antennenfernsehen in HD-Qualität zur Verfügung. Mit simpliTV, der zweiten Generation des terrestrischen Fernsehens sind insgesamt 40 Sender empfangbar - elf davon in HD-Qualität. In der Handhabung ist simpliTV tatsächlich sehr einfach - die verfügbaren Empfangsgeräte sind hingegen mehr als ausbaufähig, wie ein erster futurezone-Test zeigt.

Zurzeit kommt Antennenfernsehen in Österreich auf einen Marktanteil von nur rund sechs Prozent. Wie Michael Weber, Sprecher der ORS und Geschäftsleiter von simpliTV erklärt, soll mit einem erweiterten Angebot und verbesserter Qualität der Marktanteil in den kommenden drei bis fünf Jahren auf 10 bis 12 Prozent verdoppelt werden. Da simpliTV kostengünstiger ist als Kabelfernsehen, sollen Neukunden vor allem in Ballungsräumen und Städten gewonnen werden, wo bei Mietwohnungen und Wohnanlagen die Installation einer Satellitenanlagen häufig untersagt ist. Ein erster Praxistest zeigt, dass DVB-T2 eine ernstzunehmende Konkurrenz zu den bestehenden TV-Angeboten darstellt.

Anschaffung
SimpliTV nutzt die bestehende Infrastruktur der Vorgängerversion und soll so nahezu flächendeckend für 90 Prozent der österreichischen Haushalte empfangbar sein. Außerhalb von Städten wird dazu eine Außen- oder Dachantenne benötigt. In Ballungsräumen reicht eine Zimmerantenne. DVB-T1-fähige Antennen sind mit simpliTV leider nicht kompatibel. Zusätzlich zur Antenne muss eine Set-Top-Box für rund 100 Euro angeschafft werden. Auf DVB-T2 fähigen TV-Geräten kann simpliTV über ein CI-Modul, bei dem das Irdeto Cardless-Verfahren zum Einsatz kommt, empfangen werden.

Sender
Das bereits vorhandene Angebot an DVB-T1-Sender ist nach wie vor ohne zusätzlicher Kosten empfangbar. Mit einer Registrierung bei simpliTV sind ORF eins, ORF 2 und Servus TV in HD-Qualität verfügbar. Wer in den vollen Genuss der 40 Sender kommen will, benötigt ein Abo, das für zehn Euro im Monat zu haben ist. Positiv ist, dass beim simpliTV-Abo keine Bindungsfristen eingegangen werden müssen, sodass das Abo jeden Monat gekündigt werden kann.

simpliTV in Bildern

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Credit: Thomas Prenner

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Empfang
Die dazugehörige Zimmerantenne mit integriertem LTE-Filter lieferte im fünften Wiener Gemeindebezirk ein einwandfreies Ergebnis. Dabei wurde die Antenne rund drei Meter vom Fenster entfernt auf Brusthöhe angebracht. Die Signalstärke zeigt 92 Prozent und die Signalqualität schwankt zwischen 80 und 90 Prozent. Wird die Antenne von der Fensternähe entfernt und im hinteren Bereich des Zimmers angebracht, bleibt die Signalstärke gleich - lediglich die Signalqualität sinkt um rund 20 Prozentpunkte. Durch die unterschiedliche Positionierung der Antenne hat sich die Empfangsqualität während des Fernsehens aber nicht merkbar verändert.

Installation
Die Inbetriebnahme ist sehr einfach und schnell erledigt. Ohne die Bedienungs- und Installationsanleitung zu studieren, vergehen zwischen dem Öffnen der Verpackung und dem Erscheinen der ersten TV-Bilder nur rund zehn Minuten. Nach dem Sendersuchlauf und der Auswahl des Standortes sind die empfangbaren Kanäle bereits in einer vordefinierten Senderliste abgebildet.

Set-Top-Box
Für den Empfang von simpliTV sind in Österreich zurzeit lediglich zwei verschiedene Receiver erhältlich. Der Preis der kleinere Version (T2112) beträgt aktuell 99,90 Euro. Die größere Version (T4112) kostet 30 Euro mehr und kann zusätzlich als Multimediaplayer für Filme, Musik und Fotos genutzt werden. Beide Receiver werden von Strong hergestellt. Auf der Vorderseite befinden sich ein USB-Anschluss, ein digitales Display und ein Smartcard-Steckplatz, der aber für den regulären Betrieb nicht benötigt wird. Die Rückseite bietet einen Ein- und Ausgang für die Antenne, Scart-, HDMI-,Composite Video und S/PDIF-Anschluss sowie einen Chinch-Anschluss für Audiokabel. Stromanschluss und Ein-/Ausschalter sind ebenso auf der Rückseite angebracht.

Fernbedienung
Die Verarbeitung der mitgelieferten Fernbedienung wirkt eher dürftig und nicht wirklich zeitgemäß. Die Tasten sind aus Gummi und müssen zum Teil sehr tief gedrückt werden damit die gewünschten Aktionen ausgeführt werden. Ansonsten ist die Fernbedienung durchaus praktikabel und auch in dunkler Umgebung leicht zu bedienen.

Menü
Das Design des Menüs wirkt etwas veraltet. Dennoch ist die Menüführung sehr übersichtlich und leicht verständlich. Das Editieren der Senderliste funktioniert einwandfrei und das Erstellen von Favoritenlisten ist in wenigen Minuten erledigt. Ebenso sind alle anderen Einstellungen sehr einfach durchzuführen. Ganz generell ist das Menü, die verfügbaren Optionen und Einstellungen einem gewöhnlichen Satelliten-Receiver sehr ähnlich.

Infoleiste
Die Infoleiste im unteren Bildschirmbereich, die beim Senderwechsel jedesmal eingeblendet wird, zeigt Sendernummer, Sendername, Uhrzeit, die aktuelle und die darauffolgende Sendung. Außerdem wird die Bildschirmauflösung des Senders, das Bildformat, das Format des Audiosignals und verfügbare Untertitel dargestellt. Das Elektronische Fernsehprogramm (EPG) ist recht anschaulich und bietet einen guten Überblick.

Bildqualität
Die Fernsehbilder der HD-Sender sind in tadelloser HD-Qualität und auch die SD-Sender werden makellos wiedergegeben. Unterschiede zu Kabel- oder Satellitenfernsehen sind mit freiem Auge nicht erkennbar.

Umschaltzeiten
Etwas mühselig sind die langatmigen Zappingzeiten. Das Umschalten von einem Sender auf den nächsten kann schon mal mehrere Sekunden dauern. Im Durchschnitt wurden Zappingzeiten von ungefähr zwei bis drei Sekunden gemessen. Durch die Einführung leistungsfähigerer Set-Top-Boxen lässt sich aber dieses Manko schnell aus dem Weg räumen.

Multimediaplayer
Für alte TV-Geräte bietet der USB-Multimediaplayer eine willkommene Erweiterung, mit der Filme, Musik und Fotos wiedergegeben werden können. Die Auswahl der kompatiblen Dateiformate könnte ruhig etwas umfassender sein. Die Bedienung des Multimediaplayers ist allerdings recht einfach und selbsterklärend. Störend ist, dass sich Fotos nicht im Vollbildmodus wiedergeben lassen und die Darstellung durch unnötige Symbole am unteren Bildschirmrand beeinträchtigt wird.

Nutzung am Computer
Video-On-Demand-Angebote sind ebenso wenig integriert wie eine Aufnahmefunktion. Webbasierte Dienste, wie etwa die Integration von Mediatheken wären im Jahr 2013 mehr als wünschenswert. Die mobile Nutzung von simpliTV auf einem Laptop ist derzeit noch nicht möglich. Auch am PC ist DVB-T2 nicht empfangbar, da noch keine kompatible Hardware verfügbar ist. Mit einer zunehmenden Nachfrage werden aber wahrscheinlich auch die Hersteller von TV-Sticks darauf reagieren und dementsprechende Produkte anbieten. Ebenso ist in den kommenden Monaten damit zu rechnen, dass die Auswahl an Set-Top-Boxen erweitert wird. Dabei bleibt abzuwarten, ob die Hersteller zeitgemäße Features, die eine Verschränkung von Internet und TV erlauben, berücksichtigt werden.

Fazit
Durch die erweiterte Senderauswahl und den niedrigen Abo-Kosten stellt die zweite Generation des digitalen Antennenfernsehens einen ebenbürtigen Mitbewerber für die Kabelnetzbetreiber dar. In Sachen Bedienkomfort und Qualität gibt es zu DVB-S und DVB-C kaum Unterschiede und die Auswahl der 40 empfangbaren Sender sind ein passabler Querschnitt der deutschsprachigen Fernsehlandschaft. Ähnlich wie schon zum Start von DVB-T1 ist die Auswahl an kompatiblen Geräten derzeit noch sehr dünn. Sollten aber die Hersteller von Set-Top-Boxen und USB-TV-Sticks bald darauf reagieren und mehr Empfangsgeräte auf den Markt bringen, könnte simpliTV mit seinem vergleichsweise günstigen Preis eine willkommene Alternative zu Satelliten- und Kabelfernsehen werden.

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