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19.07.2015

Sony Smart Tennis Sensor im Test: Kleiner Alleswisser

Der Sony Smart Tennis Sensor erkennt die Aufprallstelle, Geschwindigkeit und den Spin des Balls. Die Daten werden live am Smartphone oder der Smartwatch angezeigt.

Schon Anfang 2014 hat Sony seines Smart Tennis Sensor vorgestellt – ab jetzt ist er auch hierzulande für 200 Euro erhältlich. Die futurezone hat (nach zweijähriger Pause) die Tennisschuhe entstaubt und den Sony Smart Tennis Sensor getestet.

Schlägerwahl

Leider funktioniert der Smart Tennis Sensor nicht mit allen Schlägern. Im Vergleich zur ersten Version, die vor ein paar Monaten in Japan erschienen ist, werden jetzt aber mittlerweile über 70 aktuelle Modelle von Wilson, Head, Prince und Yonex unterstützt. Eine Liste der kompatiblen Schläger gibt es hier: http://www.smarttennissensor.sony.net/racketlist/racketlist_EU.html

Für den Test wurde von Sony ein Wilson Blade 98 16 x 19 zur Verfügung gestellt. Die Installation des Sensors ist simpel: Die Kappe vom Griff des Schlägers mit einem flachen Schraubenzieher entfernen und stattdessen den passenden Adapter einsetzen. Jetzt wird der Tennis Sensor aufgesetzt und zum Fixieren gedreht.

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Leichtgewicht

Der Sensor wiegt acht Gramm, der Adapter zwei Gramm. Das zusätzliche Gewicht fällt nicht störend auf. Dennoch kann man anfangs irritiert über den Knubbel am Ende des Schlägers sein. Hält man den Schläger weit unten am Griff, berührt der Handballen möglicherweise den Sensor. Aber daran gewöhnt man sich schnell.

Beim Spielen verharrt der Sensor verlässlich in der vorgesehenen Position. Allerdings wurde nicht getestet ob er verankert bleibt, wenn der Schläger im Frust auf den Boden geschlagen oder über den Court geschleudert wird. Ein unbeabsichtigtes Drücken der zwei Tasten am Sensor ist beim Spielen nahezu ausgeschlossen.

Im Test hielt der Akku des Sensors 95 Minuten. Ist Bluetooth deaktiviert, sind laut Sony bis zu drei Stunden möglich. Die Daten werden dann nicht live, sondern im Nachhinein mit dem Smartphone oder Tablet synchronisiert.

Das Aufladen des Sensors erfolgt über eine mitgelieferte Docking Station und per MicroUSB-Anschluss. Theoretisch könnte man in einer Spielpause den Sensor am Court mit einer Powerbank aufladen, wenn man die Docking Station mit hat. Das Laden dauert aber relativ lange, weshalb dies nur bei längeren Spielpausen Sinn macht.

Datensammler

Der Tennis Sensor misst die Schlaggeschwindigkeit, Ballgeschwindigkeit, Balldrehung und die Anzahl der Schläge. Die Schläge werden automatisch einer von acht Schlagarten zugeordnet. Zusätzlich erkennt der Sensor, an welcher Stelle der Ball auf dem Schläger aufgetroffen ist. Lediglich Treffer mit dem Rahmen werden nicht erkannt.

Die Zuordnung der Schläge zu den Schlagarten war im Test zu etwa 80 Prozent richtig. Die 20 Prozent sind auf die Spielweise zurückzuführen. Wie Sony auch in der Hilfe-Funktion der App erklärt, kann die Slice-Rückhand als Volley-Rückhand erkannt werden, wenn der Spieler den Schwung zu kurz ausführt. Deshalb wurden im Test etwa 150 Schläge als Volley-Rückhand erkannt, obwohl es Slices waren. Ähnlich verhält es sich mit Smash und Aufschlag.

Leichte Stoppbälle wurden zuverlässig registriert. Das Hochspielen mit dem Schläger wurde korrekterweise nicht erkannt. Aufprellen des Balls mit dem Schläger kann fälschlich als Schlag identifiziert werden, wenn man den Ball zu hart gegen den Boden schlägt.

Die Balldrehung wird in den Stufen -10 bis +10 mit einer Kommastelle angegeben. Was der 0-Wert und die Spitzenwerte in Drehungen pro Minute bedeuten, wollte Sony auch auf Nachfrage hin nicht beantworten. Als Erklärung wurde nur gesagt, dass bei der Entwicklung des Tennis Sensors die Balldrehung mit einer Highspeed-Kamera und einem Trackman Ball-Radar bestimmt wurde.

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App

Nach dem Match können die Durchschnittswerte für alle Schläge oder einzelne Schlagarten angezeigt werden. Durch das Zoomen auf der Zeitleiste kann man die Durchschnittswerte von einem Zeitraum von drei Stunden auf bis zu 30 Sekunden reduzieren. Ein kleines Manko: Will man nur die Daten von genau einem Schlag sehen ist dies mitunter nicht möglich, weil man innerhalb von 30 Sekunden mehrmals eine Topspin Vorhand gespielt hat.

Die App bietet auch einen Live-Modus. Der macht hauptsächlich Sinn, wenn der Trainer oder Partner das Smartphone bzw. Tablet hält und Feedback gibt. Die App ist auch für Android Wear verfügbar – der Live-Modus wird am Smartwatch-Display angezeigt. Bei einem Match ist das womöglich nicht empfehlenswert, da man nicht nach jeden Schlag auf die Uhr schauen sollte. Für das Training mit der Ballmaschine mit niedrig eingestellter Frequenz ist es aber durchaus eine Option.

Analyse-Videos

Beim Live-Video-Modus wird ein Video aufgezeichnet und daneben die Daten des jeweiligen Schlages angezeigt. In der App können nach dem Aufnehmen auch im Video nur bestimmte Schlagarten angezeigt werden. Mit der zusätzlichen App Motion Shot können Collagen mit Bewegungsabläufen von Schlägen erstellt werden. Es wäre praktischer, wenn Sony Motion Shot gleich in die Smart Tennis Sensor App integriert hätte und man diese nicht extra herunterladen müsste.

Ein Manko ist, dass die Videos nicht exportiert werden können. Zwar kann man das Rohvideo auch am Computer anschauen, die geteilte Ansicht mit Video und Schlagdaten bekommt man aber nur in der App zu sehen. In der App können die Videos auch in Zeitlupe angezeigt werden, wobei die Qualität nicht besonders hoch ist. Zwar lässt sich in der App die Auflösung der Aufnahmen ändern, aber nicht die Framerate (Bilder pro Sekunde) erhöhen.

Was man nicht vergessen sollte: Will man Videos machen und ist beim Training nur zu zweit am Court, braucht man ein Stativ oder eine ähnliche Lösung, um das Smartphone/Tablet in korrekter Position zu fixieren.

Wozu das Ganze?

Auch wenn der Sensor für die Nutzung bei ITF-Matches zugelassen ist, muss man nicht Profi sein, um von den gesammelten Daten zu profitieren. So kann man etwa herausfinden, dass man im Match tendenziell langsamer schlägt als im Training, bei der Slice-Rückhand der Ball nicht mittig genug getroffen wird oder das die Topspin Vorhand mit durchschnittlich 82 km/h lächerlich langsam ist und man deshalb mehr trainieren sollte.

Die Daten können auch als Balkendiagramm, über mehrere Tage bzw. Matches hinweg, angesehen werden. Dies lässt Rückschlüsse über die Tagesverfassung zu. In der Balkenansicht lassen sich auch Ziele für die einzelnen Schlagarten für Spin, Schlaggeschwindigkeit und Ballgeschwindigkeit festlegen.

Fazit

Der Sony Smart Tennis Sensor ist mit 199 Euro teurer als so mancher Tennisschläger, der für den Sensor geeignet ist. Dafür erfüllt er aber seinen Zweck. Bis auf das Rückhand-Slice/Volley-Problem wurden die Daten gut erfasst. Als Gadget-liebhabender Amateur-Tennisspieler wird man seine Freude mit dem Sensor haben.

Das heißt aber nicht, dass der Smart Sensor nur zur Belustigung und dem Frönen der technologischen Errungenschaften taugt. Aus den Daten kann man durchaus Informationen über die eigenen Stärken und Schwächen gewinnen und so gezielter trainieren und Bewegungsabläufe verbessern. Allerdings ist der User dabei auf sich alleine gestellt, die App liefert keine Tipps oder Analysen.

Für Trainer kann der Tennis Sensor ein zusätzliches und relativ kostengünstiges Werkzeug sein, um das Spiel der Schützlinge zu optimieren. Vorausgesetzt diese nutzen einen Schläger, der mit dem Tennis Sensor kompatibel ist.