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04.12.2016

Sony ZD9 im Test: Ein Bewegungsprofi sieht rot

Sony UHD-TV-Spitzenmodell ZD9 überzeugt mit flüssigen Bildern und einer sehr guten UHD- und HDR-Leistung. Das Android-Betriebssystem bremst ihn aber aus.

Zusammen mit Samsung, LG und Panasonic bildet Sony die TV-Elite, wenn es um hochqualitative Premium-TVs geht. Der ZD9 ist das aktuelle Spitzenmodell von Sony. Ich habe die günstigste Variante, den 65-Zöller KD-65ZD9, getestet – der einen UVP von 4.999 Euro hat.

Galerie: Sony ZD9

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Golden Boy

Der ZD9 will nicht nur Premium-Bildqualität abliefern, sondern auch Premium aussehen. Statt eines künstlich-dünnen Rahmens, wurde das Panel in ein eckiges, geradliniges Gehäuse gesetzt. Der Rand ist mit einem dunklen Gold gefärbt – auffällig, aber nicht penetrant.

Der goldene Rand und gebürstete-Aluminium-Look setzt sich beim keilförmigen Standfuß fort. Der Standfuß sieht gut aus, ist aber, wie bei den meisten neuen UHD-TVs, nicht verstellbar. In meinem Testszenario war das nicht optimal, da der Standfuß den TV um ein paar Grad nach hinten kippt. Dadurch wurde das Licht der Lampenspots verstärkt am Panel gespiegelt.

Die Fernbedienung setzt das elegante Design nicht fort. Die Tasten sind sehr flach und gummiert, fast so, wie früher wasserfeste elektronische Geräte ausgesehen haben. Durch die flachen Tasten habe ich anfangs öfters mal blind daneben gedrückt und etwa eine der Menü-Tasten erwischt, die rund um die Cursor-Tasten positioniert sind. Gut ist, dass die „TV“-Taste frei belegt werden kann. Wer also einen Settop-Box zum TV schauen nutzt, kann die TV-Taste so programmieren, dass sie zum entsprechenden HDMI-Anschluss wechselt.

Sehr gut gelöst ist das Kabelmanagement des TVs. Das Gehäuse an der Rückseite hat drei Abdeckungen, die ohne Werkzeug abgenommen werden können. Hinter Klappe 1 sind die am schnellsten zu erreichenden Anschlüsse, Klappe 2 enthält die weiteren HDMI-Anschlüsse. Klappe 3 ist an der Rückseite des Standfuß und ermöglicht die angeschlossenen Kabel hier durchzuführen. So verschwinden alle Kabel unsichtbar hinter dem ZD9.

Android TV

Als Betriebssystem kommt Android TV zum Einsatz. Leider. Es bremst den ZD9 aus. Zwischen Tastendruck und Eingabe gab es öfters Verzögerungen, ohne erkennbaren Grund. Manchmal werden Eingaben gar nicht umgesetzt. Im einem Fall gab es einen System Freeze, nachdem die TV Guide Taste gedrückt wurde. Das Problem ließ sich erst beheben, indem der TV vom Strom genommen wurde.

Zum Glück können die meisten Einstellungen über das Onscreen-Menü vorgenommen werden, wodurch man nicht tiefer in die Android-TV-Einstellungen vordringen muss. Doch auch beim Onscreen-Menü gab es Eingabe-Lag.

Beim Onscreen-Menü sind ein paar Einstellungen nur mäßig sinnvoll erklärt. So wird die Einstellung „Zufällig Rauschen reduzieren“ mit „Wiederkehrendes Zufallsrauschen reduzieren“ erklärt.

Wird eine Weile nichts auf der Fernbedienung gedrückt, warnt der ZD9, dass man „eine beliebige Taste“ drücken soll, um das automatische abschalten abzubrechen. Die Lautstärken-Taste ist demnach keine beliebige Taste. Der automatische Lichtsensor funktioniert zwar, aber nicht besonders gut. Obwohl kein Energiesparmodus aktiviert war, war das Bild so oft zu dunkel.

Lichtstark

Mit gut 1.800 Nits in der ZD9 der lichtstärkste TV dieses Jahr. Zusammen mit Sonys „Backlight Master Drive“ soll dies für hohe Kontrastwerte sorgen. Dabei wird die LED-Hintergrundbeleuchtung nicht in Zonen angesteuert, sondern jede LED einzeln.

Die Schwarzwerte sind für ein LCD-Panel sehr gut, auch wenn die maximale Helligkeit genutzt wird, um Tageslicht-Reflexionen am Bildschirm auszugleichen. „Halos“, also leuchtende Ränder von hellen Objekten vor dunklem Hintergrund (wie etwa Schriften im Abspann) sind zwar geringer als bei Samsungs S-UHD-TVs, aber teilweise immer noch sichtbar. Und auch wenn die Schwarzwerte gut sind: Ein echtes Schwarz, wie bei OLED-TVs, ist es nicht. Das LCD-Panel strahlt immer etwas, beim ZD9 ist es im linken, unteren Bereich am stärksten.

Am beeindrucktesten ist die hohe Helligkeit bei HDR-Material in der UHD-Auflösung. Das Bild wirkt sehr plastisch und lebendig. Bei manchen Inhalten ist es aber schon zu viel des Guten: Beim Ghostbusters-Film von 2016 auf Blu-ray musste ich vom normalen Farbprofil auf den Kinomodus wechseln, um nicht von den überzeichneten Farben erschlagen zu werden.

Ein TV sieht Rot

Der ZD9 hat im Standard-Bildprofil einen starken Hang zu Rot. Bei einem FullHD-Fernsehsignal war das Rot so stark, dass ein Pullover zu einer neonfarbenen Masse wurde. Grün war ebenfalls leicht übersteuert. Durch das Reduzieren der Einstellung „Farbbrillanz“ und das Setzen von „Rot Gain“ auf -6 wurde das Problem beseitigt.

Das voreingestellte Profil „Spiele“ musste ich auch nachjustieren. Hier sind die Farben sehr warm anstatt auf „neutral“ gestellt, was für viele Games einfach nicht passt. Den Lichtsensor sollte man im Profil Spiele ebenfalls deaktivieren. Durch die zu stark reduzierte Helligkeit wirkt die Darstellung sonst so, als würde ein Grauschleier darüber liegen.

In Bewegung

Eine der größten Stärken des ZD9 ist sein X1-Bildprozessor. Dies macht sich bei der Berechnung von Zwischenbildern bemerkbar. Im Standardprofil sind die Bilder extrem flüssig – egal ob TV, Blu-ray oder Streaming. Es ruckelt nichts und es wirkt auch nicht so, als wäre das normale Bild beschleunigt, wie es bei günstigeren TVs häufig vorkommt. Es passt einfach – ohne, dass irgendetwas herumgestellt werden muss. Dieses Glück hat man etwa bei LGs aktuellen OLED-Spitzenmodellen nicht.

Ein wenig schwächelt der ZD9 nur, wenn kleine, langsame, helle Objekte vor dunklem Hintergrund sind, wie etwa scrollende Schriften. Hier ist schon mal ein Flackern rund um die Schrift bemerkbar.

Abgesehen von den zuvor beschriebenen, übermäßigen Rot ist die Darstellung sehr gut, was Schärfe und Farbbrillanz angeht. Das gilt vor allem für UHD- und FullHD-Bilder. Gutes 720p-Material sieht auch noch sehr annehmbar aus, aber schlechtes Material, wie ATV HD, kann selbst der schnellste Bildprozessor nicht erträglich machen.

Ruhig sitzen, Klappe halten

Ein wenig enttäuschend ist der Betrachtungswinkel des ZD9. Der Sweet Spot ist schmal. Schon ein Aufsetzen auf der Couch kann merkbar die Farben verändern. Es ist zwar noch nicht störend, aber eben auffällig. Der Blickwinkel ist in der horizontalen Achse größer, aber trotzdem schlechter als bei Samsungs und LGs 2016er Spitzenmodellen. Bei einer größeren Menge an Gästen könnte es durchaus sein, dass die Außensitzenden nicht mehr die höchste Darstellungsqualität des ZD9 erleben.

Ebenfalls enttäuschend ist der interne Lautsprecher, wie bei vielen anderen Premium-TVs auch. Der Klang ist hohl, drucklos und verliert zusätzlich an Volumen in den höheren Lautstärken. Es ist schade, dass man bei einem 5000 Euro TV nochmal ein paar hundert Euro investieren muss, um einen annehmbaren Klang in der Form einer Soundbar zu bekommen.

Fazit

Sympathisch am ZD9 ist, dass er ein Fernseher zum Fernsehen ist. Von den 2016er-Modellen liefert er eines der schönsten und flüssigsten TV-Bilder – sobald ihm die überzogene Rot-Darstellung ausgetrieben wurde. Trotz 65 Zoll und UHD sehen 1080p- und 720p-Sender sehr gut aus.

Blu-rays und 1080p-Streams gefallen noch besser. Für aktuelle Konsolen muss man etwas mit den Einstellungen experimentieren, bis ein zufriedenstellendes Bild angezeigt wird. Bei UHD-HDR-Inhalten brilliert der ZD9 und kann sowohl Samsung als auch LG, aufgrund der kräftigen Farben und hohen Helligkeit, in die Schranken weisen. Bei der Klangqualität und SDR-Inhalten (aufgrund des echten Schwarz) hat aber LGs OLED-TV G6 die Nase vorn.

Schade ist, dass der ausgezeichnete ZD9 durch das Android-TV-Betriebssystem zurückgehalten wird. Bei einem 5000 Euro teuren TV sollte es nicht Verzögerungen bei der Eingabe geben, die so deutlich sind, dass sie als nervig empfunden werden.

Technische Daten auf der Website des Herstellers