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Rennspiel

"Wir hatten einfach genug von Eis und Schnee"

Mit einem Motorrad quer durch die Landschaft brettern und dabei waghalsige Stunts absolvieren: Die simple Formel von Motocross Madness begeisterte 1998 unzählige Spieler und veranlasste Microsoft 2000 einen zweiten Teil herauszubringen. Seitdem war es um die Serie, die bei vielen Spielern nostalgische Erinnerungen weckt, still. Erst im Sommer 2012 verkündete Microsoft auf der Spielemesse E3, dass das Kultspiel wieder belebt wird – von einem Studio aus Österreich.

Das neue Motocross Madness
„Die größte Herausforderung im Zuge der Entwicklung war das Originalspiel. Die Fans von damals verbinden gewisse Erwartungen damit. Wir mussten den Balanceakt schaffen, die jungen Spieler von heute zu begeistern und die älteren Gamer von früher nicht zu enttäuschen", sagt Michael Putz. Der Steirer ist Chef-Entwickler vom neuen Motocross Madness und Gründer des Spielestudios Bongfish. Knapp zwei Jahre war die Firma, die Putz 2001 mit seinem Studienkollegen Klaus Hufnagl-Abraham gründete, mit der Entwicklung des neuen Spiels beschäftigt. Seit Mittwoch ist der Titel, an dem 20 Leute mit Millionen-Budget arbeiteten, nun für die Xbox360-Konsole als Download-Spiel verfügbar.

Viel Spiel für wenig Geld
„Es ist eines der umfangreichsten Arcade-Spiele, die es im Online-Marktplatz der Xbox zu kaufen gibt. Alle Beteiligten waren überrascht, wie groß es schlussendlich geworden ist", sagt Putz. Für ein Spiel, das rund zehn Euro kosten wird, bekommt man neun Rennstrecken, sechs unterschiedliche Motorrad-Modelle, drei Themenwelten sowie mehrere Spielmodi. Letztere beinhalten traditionelle Rennen, Bestzeitenjagd gegen andere Spieler und die Programmierer, diverse Mehrspieler-Varianten sowie einen Erkundungsmodus, in dem das Gelände frei durchfahren werden kann.

Waghalsige Stunts
Wer Bewerbe gewinnen will, muss aber nicht nur das Motorrad beherrschen, sondern auch waghalsige Stunts in der Luft absolvieren sowie Boni auf der Strecke einsammeln, die Erfahrungspunkte und Geld bringen. Je ausgefallener und komplizierter die Salti oder Pirouetten auf der Maschine sind, desto mehr Punkte und „Turboboost" bekommt man. Letzterer kann wiederum eingesetzt werden, um das Fahrttempo kurzfristig zu erhöhen.

Wüste, Strand und ein Vulkan
Die Wahl der Level-Orte war laut Putz übrigens ganz banal: Nach dem Snowboard-Hit „Stoked" und Eislauf-Spiel „Crashed Ice" sehnte sich das Team nach grafischer Abwechslung. „Wir hatten einfach genug von Schnee und Eis. Daher fiel die Wahl auf die Wüste von Ägypten und die Strände von Australien", sagt Putz. Ganz ohne frostige Landschaft geht es aber auch bei Motocross Madness nicht. Als drittes Setting hat es Island ins Spiel geschafft. „Allerdings mit Lava spuckendem Vulkan in der Mitte", betont Putz.

Simulationsaspekte
„Auf den ersten Blick wirkt das Spiel als wäre es nur auf lockeren Spaß und actionreiche Erlebnisrennen getrimmt, wir haben aber viel Wert auf Tiefe gelegt. Die Motorräder haben unterschiedliche physikalische Eigenschaften, auch das Fahrverhalten auf Sand oder Eis unterscheidet sich grundlegend", sagt Putz. Laut dem Chef-Entwickler wollte man dem Simulationsaspekt des Originals unbedingt Tribut zollen und einen gewissen Anspruch wahren. „Es sollte nie ein Mario Kart mit Motorrädern werden", sagt Putz.

Expertise von KTM
Damit das Spiel realitätsnahe bleibt, hat sich Bongfish Expertise im eigenen Land besorgt. „Wir waren in engem Kontakt mit KTM. Bei Fragen zu Fahrverhalten oder Bike-Designs haben wir uns bei ihnen informiert", sagt Putz. Bei den Stunts wiederum hat man sich an den X-Fighters-Bewerben orientiert, die von Red Bull ausgetragen werden. „Im Spiel wirken viele davon übertrieben und extrem. Tatsache ist aber, dass wir vom echten Sport nicht weit weg sind", sagt Putz.

Positive Reaktionen
Der Spagat aus ungezwungenem Spaß und anspruchsvollem Rennwettbewerben ist Bongfish jedenfalls gelungen. Bereits im Vorfeld war das Echo der Kritiker und Spieler überwiegend positiv. Auch im futurezone-Test machte das Spiel – hier vor allem der Duell-Modus – eine gute Figur.

Trotz absolviertem Start stehen die kommenden Wochen weiter im Zeichen von Motocross Madness. Die Entwickler sind in Wartestellung, um mögliche Startprobleme zu beheben und auf Kritik der Spieler rasch zu reagieren. Sollte das Spiel ein Erfolg werden, darf zudem mit weiteren Strecken und Inhalten gerechnet werden.

Zukunft von Bongfish gesichert
Gegen Ende des Jahres soll dann schon das nächste Spiel von Bongfish auf den Markt kommen.  „Aktuell ist unsere Zukunft gesichert und man muss sich um uns keine Sorgen machen. Wir haben uns in der Branche unseren Platz erarbeitet und man kennt unsere Stärken", so Putz. Für welche Plattform und mit welchem Inhalt das nächste Spiel erscheinen wird, will Putz jedoch nicht verraten. Auch ob es wieder in Partnerschaft mit einer großen Firma wie Microsoft oder Red Bull entwickelt wird, lässt der Steirer offen.

Nur eine Sache kann er klar ausschließen: "Wir werden beim aktuellen Hype um Indie-Games in Pixel-Retro-Grafik eher nicht mitmachen. Wir werden immer Wert auf gute Grafik und Gameplay legen." Blockbuster-Titel im Stil von „Call of Duty" kommen laut Putz aufgrund der kleinen Teamgröße ebenfalls nicht in Frage. Den Umbruch, den die Branche gerade durchmacht, sieht er aber als Chance. „Spiele am Smartphone und Tablet haben das Nutzerverhalten nachhaltig verändert. Jetzt kommen die neuen Konsolen dazu. Die Karten werden neu gemischt. Momentan ist es in der Branche so spannend wie noch nie", sagt Putz.

Ansehen durch TV-Doku
Auch die Dokumentation Game Quest, die im Zuge der „Crashed Ice"-Entwicklung für ServusTV entstanden ist, hat dem Studio Aufwind gebracht. „Die Reaktionen waren überwältigend", so der Firmenchef. Die mehrteilige Sendung habe für Laien informative Einblicke in die Spielentwicklung gebracht, so das Feedback. Auch innerhalb der Branche gab es Lob. „Wir haben gezeigt, wie man professionell Spiele entwickelt und dass die Branche nicht nur aus weinerlichen Divas besteht", so Putz in Anspielung auf die Doku „Indie Game: The Movie".

 

Zum Start des Spiels verlost die futurezone dreimal das neue „Motocross Madness". Zur Teilnahme muss folgende Frage gelöst werden:
„Wie hieß Microsofts Spielcontroller, der mit dem Original Motocross Madness ausgeliefert wurde?"
Teilnehmer schicken die korrekte Antwort bis spätestens Freitag den 12.4., 23:59 Uhr, mit dem Betreff „Motocross Madness" an redaktion@futurezone.at. Die Gewinner werden per Zufall ermittelt und per Mail verständigt.

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Benjamin Sterbenz

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