© Juerg Christandl

Forschung
03/21/2014

Algorithmen halten Ärzte auf dem Laufenden

Durch die Unmenge an medizinischen Publikationen, die laufend erscheinen, ist es für Ärzte schwierig, fachlich schrittzuhalten. Hagenberger Forscher arbeiten an einer Lösung.

“Ein normaler Mediziner, etwa ein Hausarzt, kann mit dem wissenschaftlichen Fortschritt neben seiner täglichen Tätigkeit kaum mithalten. Es gibt zwar Sammel-Publikationen, die versuchen, neue Ergebnisse zusammenzufassen, diese sind aber meist schon nach kurzer Zeit wieder veraltet. Wir arbeiten im Rahmen des Projekts WIMAKS (Wissensmanagement in klinischen Studien) an einer Software, die Ärzten helfen soll”, erklärt Gerald Lirk, Projektleiter und Lehrender am Studiengang Medizin- und Bioinformatik der FH Oberösterreich. Das System, das ALBERT (Automated Lists of Best Evidence - Retrieval Tool) getauft wurde, soll online zur Verfügung stehen und auf Knopfdruck die relevantesten Forschungsergebnisse zu einer bestimmten Fragestellung liefern. Durchsucht werden dafür die Zusammenfassungen oder Abstracts der Forschungsergebnisse, die von PubMed und anderen frei zugänglichen medizinischen Datenbanken gesammelt werden. “Diese Datenbanken listen die kontrollierten Studien nur chronologisch. Unser System filtert die Einträge weitaus flexibler”, so Lirk. Ein Prototyp kann bereits im Netz getestet werden.

In Prinzip funktioniert ALBERT wie eine Suchmaschine, die speziell auf die Bedürfnisse von Medizinern angepasst ist. “Ein praktischer Arzt kann durch unser System Studien finden, die sich damit beschäftigen, ob ein Medikament X in einer bestimmten Situation verwendet werden kann. Unsere Algorithmen sind ein Sieb, das die Publikationen nach vielen verschiedenen Parametern filtert und relevante Veröffentlichungen heraussucht. Dabei nutzen wir nur frei zugängliches Material, das auch tatsächlich ein relevantes Ergebnis liefert”, sagt Bionformatiker Lirk. Auch für medizinische Organisationen, die Metastudien durchführen wollen, oder Pharma-Firmen ist die Arbeit der Forscher aus Oberösterreich interessant, da sich mit dem System schnell alle für ein Thema relevanten Studien zusammentragen lassen.

Kostenlos nutzbar

“Derzeit funktioniert unsere Software für klinische Studien. Andere Arten von medizinischen Publikationen erfordern eine Anpassung der Algorithmen, die wir erst in einem weiteren Schritt vornehmen werden. Das System schlägt für die gefundenen Publikationen auch gleich eine Bewertung vor, die zeigt, wie relevant der Eintrag in Bezug auf die eingegebenen Suchkriterien ist”, erklärt Lirk. Die Software soll aber keinesfalls den Arzt ersetzen, sondern lediglich als Werkzeug für Mediziner dienen. Die Bewertung der Qualität von Publikationen nimmt die Software unter anderem anhand der Studienteilnehmerzahl und statistischen Ergebnisse vor. Mit der Zeit lernt das System auch, worauf die Nutzer Wert legen und berücksichtigt das in den Vorschlägen.

Die Zahl der möglichen Einschränkungen, die Mediziner für ihre Suchanfragen machen können, ist praktisch grenzenlos. “Es können beliebige Krankheiten und Medikamentennamen gemeinsam als Suchbegriffe eingegeben und dann die Ergebnisse nach Studienteilnehmerzahl, Zeitpunkt der Veröffentlichung, statistischer Signifikanz und vielen anderen Kriterien gefiltert werden", so Lirk. Ärzte haben somit ein probates Werkzeug an der Hand, um für sie interessante Forschungsergebnisse zu finden. “Albert soll als Service frei im Netz verfügbar sein. An Firmen könnte das System eventuell verkauft werden, das ist für uns als Forscher aber nicht entscheidend”, so Lirk. Derzeit wird zusammen mit Ärzten an der Verbesserung der Algorithmen für klinische Studien gearbeitet. Ende 2014 sollen dann auch andere medizinische Publikationen mit der Software durchsuchbar sein. Ein fertiges Produkt erwarten die Entwickler für 2015.

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und der Fachhochschule Oberösterreich.

WIMAKS wird im FH OÖ Research Center Hagenberg (Forschungsgruppe Bioinformatik) durchgeführt und durch Mittel des vom Land Oberösterreich und der EU kofinanzierten Programms Regio 13 gefördert.

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