Science
13.12.2013

Der Mond ist China nicht genug

China will mit der Mondlande-Mission Chang'e 3 seine technologischen Fähigkeiten beweisen. Das Projekt ist ein weiterer Schritt hin zu einer bemannten Mondlandung.

Vor tausenden Jahren landete einer chinesischen Legende zufolge die Göttin Chang'e wegen eines Missgeschicks auf dem Mond. Am Samstag soll erstmals eine gleichnamige Landefähre mit einem Rover an Bord am Mond aufsetzen. Chang'e 3 und der sechsrädrige Roboter Yutu - benannt nach dem Haustier-Hasen der Göttin - sollen beweisen, dass China zu einer leistungsfähigen Weltraummacht geworden ist. Das Land wäre erst das dritte, das es geschafft hat, eine weiche Landung auf dem Erdtrabanten durchzuführen. Das letzte Mal gelang dies mit der sowjetischen Mission Luna 24 im Jahr 1976. Seither ist es relativ still geworden um den Mond.

Chang'e 3 ist der nächste Schritt der chinesischen Weltraumagentur CNSA hin zu einer bemannten Mondlandung. Mehrere Jahrzehnte nach den ersten Astronauten sollen die ersten Taikonauten auf dem Mond spazieren. Die chinesische Regierung erwartet sich durch spektakuläre Weltraumprojekte einen enormen Prestigegewinn. Erst 2003 schickte China seinen ersten Raumfahrer in den Erdorbit. Inzwischen wurde mit dem Aufbau einer eigenen Raumstation begonnen. Nun folgt der Mond.

Politik vor Wissenschaft

"Der politische Wert steht hier klar im Vordergrund", meint der deutsche Raumfahrt-Experte Eugen Reichl. "Aus Forschungsicht gibt es aber schon ein paar interessante Aspekte." Chang'e 3 und Yutu werden in der "Regenbogenbucht", Sinus Iridum, abgesetzt. Die flache Region ist weitgehend frei von größeren Geröllstücken, was die Landung erleichtert. Chang'e 3 enthält neben einer Vielzahl an Sensoren ein kleines optisches Teleskop. Yutu wird Gesteinsproben analysieren und mit einem Bodenradar den Untergrund bis in 100 Meter Tiefe untersuchen.

Die Landeregion ist "auf den ersten Blick langweilig", meint Reichl. "Klar ist auch, dass der erste Landeversuch nicht im Gebirge stattfindet, aber zumindest liegt das Gebiet am Rande eines solchen. Es ist also möglich, dass sich der Rover dorthin bewegt, auch wenn die Chinesen sagen, dass er nicht mehr als zehn Kilometer zurücklegen soll." Am Aufbau des Rovers ließe sich erkennen, dass China bereits den nächsten Schritt plant.

Ziel bemannte Mondlandung

"Die Landefähre ist ein wenig überdimensioniert ausgelegt", erklärt Reichl. Die nächste Phase auf Chinas Weg zur bemannten Mondlandung sieht den Rücktransport von Gesteinsproben zur Erde vor. Dies soll im Zuge der Mission Chang'e 5 geschehen, deren Abschluss 2020 erwartet wird. 2025 könnte der erste chinesische Taikonaut den Mondboden betreten.

Bereits jetzt, im Zuge der Chang'e-3-Mission, zeigt China technologische Fähigkeiten, die USA und Russland nicht (mehr) besitzen. "Wenn jetzt plötzlich ein Hype um den Mond losgehen sollte, ist China voran", ist Reichl überzeugt. Zum technologischen komme auch der finanzielle Vorsprung: "Momentan könnten weder die Russen noch die Amerikaner auf dem Mond landen. Das notwendige Geld haben nur die Chinesen."

China umgeht US-Blockade

Laut Reichl wurde China bislang bei anderen Weltraumprojekten ausgebremst. "Die Amerikaner sind dagegen, dass die Chinesen bei der Internationalen Raumstation dabei sind. Nun müssen sie zähneknirschend mitansehen, dass die Chinesen ihre Ziele auf eigene Faust erreichen" - etwa eine Raumstation. Von europäischer Seite gibt es weniger Widerstand, im Gegenteil.

"Die ersten Fühler zur ESA sind ausgestreckt. Einige ESA-Astronauten lernen sogar bereits chinesisch", meint Reichl. Er ist davon überzeugt, dass Europäer künftig auch die chinesische Raumstation Tiangong besuchen werden - vielleicht sogar Österreicher.