Eine UV-Lampe auf Amazon die verspricht, Viren im gesamten Haus abzutöten

© Amazon / Screenshot

Science
02/28/2020

Coronavirus: Diese Gadgets helfen überhaupt nichts

Viren-Tests, überteuerte Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel werden im Internet als Schutz gegen das Coronavirus verkauft.

von Franziska Bechtold

So schnell wie sich die Angst vor dem Coronavirus weltweit verbreitet, so schnell beginnen Menschen, ein Geschäft damit zu machen. Gibt man bei Amazon "Coronavirus" ein, erhält man zahlreiche Angebote über den einfachen Mundschutz bis hin zu dubiosen Selbsthilfe-Tests und Ganzkörper-Schutzanzügen.

Dafür verlangen einige Händler inzwischen viel Geld. Trotzdem werden Atemmasken, Desinfektionsmittel und Selbsthilfe-Bücher zu teils horrenden Preisen im Internet vertrieben. Die futurezone hat mit Experten gesprochen, was die Gadgets wirklich bringen.

UV-Desinfektionslampen

Zahlreiche "schützende" UV-Lampen werden angeboten. Sie sind teuer und versprechen, Viren und Keime abzutöten. Man stellt sie auf, schaltet sie an und alles, was die UV-Lampe anstrahlt, soll desinfiziert sein - auch der eigene Körper.

Die Lampen sind für 15 Euro zu haben, können aber auch bis zu 80 Euro und noch mehr kosten. Allerdings sind sie gefährlich und die WHO warnt davor, Hände oder andere Körperteile mit einer UV-Lampe zu sterilisieren, da dass zu Hautverletzungen führen kann. Ivo Steinmetz, von der Diagnostik und dem Forschungszentrum für Molekulare BioMedizin der Medizinischen Universität Graz, hält den Einsatz für die Bevölkerung für unsinnig.

Schutzkleidung

Wer nur nach Coronavirus sucht, erhält auch gleich Angebote für Ganzkörper-Schutzanzüge. Die bestehen aus Hosen, Kaputzenjacken, Gummischuhen und Masken mit Partikelfilter. Dass jemand so etwas kauft, ist für die Medizinerin Cornelia Lass-Flörl, Direktorin des Instituts für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie an der Medizinischen Universität Innsbruck, besonders unverständlich: "So einen Schutzanzug zieht man an, wenn man im Krankenhaus Infizierte behandelt, die bluten oder erbrechen könnten. Das wäre wahrscheinlich bei Ebola der Fall". Ein Anzug von Amazon um 80 Euro sei dann aber keine sichere Option.

Schutzbrillen

Obwohl Brillen die Augen schützen, halten die Ärzte spezielle Schutzbrillen im Alltag für übertrieben. Sie werden bei Amazon teilweise für 157 Euro angeboten. Lass-Flörl erklärt, dass man sich theoretisch zwar über die Augen infizieren kann, den Kauf einer medizinischen Brille würde das aber nicht rechtfertigen: "Das ist Tohuwabohu." Dem stimmt Steinmetz zu: "Schutzbrillen sind dann sinnvoll, wenn man als Arzt Behandlungen durchführt, bei denen massiv mit Sekreten herumgespritzt wird. Das ist für die normale Bevölkerung nicht geeignet."

Coronavirus-Tests für Katzen

Besonders kritisch sind zahlreiche Schnelltests für Hunde und Katzen zu sehen. Sie versprechen, in 10 Minuten ein Ergebnis liefern zu können, ob das Tier mit dem Virus infiziert wurde. Dass sich Menschen damit auch selbst testen, liegt auf der Hand.

"Ich tue das als unseriös ab und habe große Zweifel daran, dass das ein sinnvolles Ergebnis liefert", ordnet Lass-Flörl solche Tests ein. Auch die WHO informiert darüber, dass es keinerlei Hinweise darauf gibt, dass Haustiere wie Katzen und Hunde die Krankheit übertragen können.

Grundsätzlich empfiehlt die Gesundheitsorganisation aber, sich nach dem Kontakt mit Haustieren die Hände zu waschen, um sich vor Bakterien wie e.Coli oder Salmonellen zu schützen. Andere schreiben, die Viren könnten von Tier zum Mensch übertragen werden. "Es gibt keine Übertragung von Haustieren auf Menschen", so Lass-Flörl

Mundschutz

Die Schutzmaske ist zum Symbol für den Coronavirus geworden. Sie wird auf Amazon zu Hauf angeboten und suggeriert Sicherheit vor der Infektion mit dem Virus. Kosten sollte ein chirurgische Mundschutz im Großhandel ein paar Cent, verkauft wird er meist in 50-Stück-Boxen. Er findet sich derzeit auch für um die 150 Euro auf Amazon, also etwa 3 Euro pro Maske.

Für den Einsatz im Alltag sei dieser Mundschutz laut Lass-Flörl nicht geeignet: "Wenn man ihn 2 Stunden trägt, ist er durchfeuchtet und dann macht er seine Aufgabe nicht mehr. Er ist nicht eng anliegend und gewisse Teile vom Nasenrücken sind frei. Er bietet also keinen 100-prozentigen Schutz." Wie der Name schon sagt, ist er vor allem für den Einsatz im Operationssaal gedacht, und schützt davor, dass größere Tröpfchen vom Maskenträger übertragen werden, etwa wenn sich der Arzt über den OP-Tisch beugt.

Partikelfiltrierende Halbmasken

Einige Menschen greifen inzwischen auf partikelfiltrierende Halbmasken zurück. "Diese Masken liegen deutlich enger an und die filtriert die Luft, die man ein- und ausatmet. Sie wird in der Medizin gegen Erreger eingesetzt, die über die Luft übertragen werden und davon gibt es nicht viele", sagt Lass-Flörl. Der Coronavirus wird aber durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion übertragen.

Die Masken seien darauf ausgelegt, 6 bis 8 Stunden zu halten und seien aufgrund ihrer höheren Qualität auch deutlich teurer. Die Österreichische Agentur für Ernährungssicherheit (Ages) informiert zudem in einem Video darüber, dass das Tragen der Maske "die Beatmungsmuskulatur massiv beeinträchtigt" und sie nicht länger als eine Stunde getragen werden sollte. Allerdings schwanken die Preise auf Plattformen wie Amazon von 40 bis 100 Euro für eine Maske, die nach einem Tag weggeworfen wird. Wert sind sie ein paar Euro.

Gasmasken

Einige Menschen greifen gleich zur Gasmaske, da anderen Masken das Gesicht nicht vollständig schützen. Sie versprechen unter anderem Virenschutz und sind ab 80 Euro zu haben. "Militärische Schutzmasken und Schutzvisierhelme stehen gegenwärtig nicht zur Diskussion", sagt Lass-Flörl. Sie sind weder alltagstauglich, noch notwendig, um sich vor dem Coronavirus zu schützen.

Bücher voller Fehlinformationen

Das größte Angebot findet man zu Selbsthilfe-Büchern. Titel wie "Jesus vs. Satan: Die Ursprünge des Coronavirus", "Krieg gegen Wuhan Coronavirus" oder "Den Coronavirus-Ausbruch überleben: Tipps und Strategien, um das weltweiter Coronavirus-Desaster zu überleben" versprechen Informationen "die man nirgendwo sonst erhält".

Sie wollen über Ansteckungsmöglichkeiten informieren, geben Tipps für Quarantäne und spielen mit der Angst der Menschen, indem sie mit dramatischen Sprüchen wie: "So schützen Sie ihre Familie" ängstliche Käufer ansprechen wollen. Gegenüber Business Insider sagte ein Amazon-Sprecher, das Unternehmen biete seinen Kunden lediglich Zugang zu einem breiten Spektrum an Sichtweisen an.

Die Bücher sind für wenige Euro bis zu 20 Euro im Verkauf und enthalten zahlreiche Fehlinformationen. Hier werden Rezepte verkauft, die das Immunsystem stärken sollen und damit einer Ansteckung entgegenwirken. Informieren sollte man sich laut Lass-Flörl bei offiziellen Institutionen wie Krankenhäusern, Gesundheitsämtern oder der Ages. Dort seien die Informationen korrekt und von einem Amt bestätigt.

Desinfizieren in Maßen

Durchaus sinnvoll sind Desinfektionsmittel - mit Bedacht und in Maßen. Auch hier wirbt man für desinfizierende Reinigungsmittel und -tücher mit dem Schlagwort Coronavirus. Große Packungen Hygienespray werden für mehr als 80 Euro verkauft und suggerieren Knappheit.

"Wenn ein Mittel als Desinfektionsmittel deklariert ist, hilft es sowieso gegen die meisten Bakterien, das ist ein Faktum. Ich glaube aber nicht, dass man im normalen Haushalt ein flächendeckendes Desinfektionsmittel braucht", erklärt Lass-Flörl. Hand-Desinfektionsmittel hingegen, wie es sie in der Drogerie gibt, seien zwar nicht obligatorisch, schaden würden sie allerdings nicht. Man solle sie nur nicht übermäßig nutzen.

Das kann man tun

Was hilft denn nun wirklich? Die Frage ist nicht leicht beantwortet, denn einen völligen Schutz gibt es nicht. "Regelmäßiges Händewaschen und ein bis 2 Meter Abstand zu anderen Personen ist der beste Schutz. Greift man in der U-Bahn oder an öffentlichen Orten an Haltestangen oder Geländer, sollte man sich nicht mehr ins Gesicht fassen und die Hände mit Wasser und Seife reinigen", sagt Steinmetz.

Besorgte Menschen könnten zudem Massenveranstaltungen meiden und auf Körperkontakt, wie einen Handschlag oder Küsschen zur Begrüßung, verzichten, ergänzt Lass-Flörl. Zudem sollten gebrauchte Taschentücher umgehend entsorgt werden und die Hände nach dem Putzen der Nase gewaschen werden.

Knoblauch hat zwar antibiotische Eigenschaften, kann aber nicht vor dem Coronavirus schützen

Das Einsprühen oder Einreiben mit Chlor und Alkohol ist kein Schutz und kann die Schleimhäute angreifen

Die regelmäßige Nutzung von Nasenspray ist keine Präventionsmaßnahme, kann aber bei Schnupfen helfen, sich schneller zu erholen.

Es gibt derzeit keine Medizin gegen den Coronavirus

Antibiotika wirken nur gegen Bakterien, nicht gegen Viren

Sesamöl tötet den Virus nicht ab

Mythen bekämpfen

Die WHO musste aufgrund der zahlreichen Fehlinformationen, die nach Ausbruch des Coronavirus auftraten, eine eigene Website mit Grafiken veröffentlichen, die mit den Gerüchten aufräumt. Neben durchaus sinnvollen Informationen über die Infektionswege, finden sich dort auch Hinweise, dass Knoblauch kein Heilmittel ist und man sich nicht am ganzen Körper mit Alkohol einreiben soll.

Derzeit sind in Österreich 5 Fälle von Coronavirus erkrankten bekannt, 2 in Tirol, 3 weitere in Wien. Auf der Website des Sozialministeriums wird täglich um 10 Uhr über die aktuelle Lage informiert. Auf der Website der Ages werden Fragen rund um den Virus beantwortet. Zudem ist dort eine lange Liste an Meldestellen, an die man sich im Verdachtsfall wenden kann, aufgeführt.

Symptome der Infektionskrankheit sind Fieber, Husten, Kurzatmigkeit und Atembeschwerden. Der Hauptinfektionsweg ist die Übertragung von Mensch zu Mensch durch Tröpfchen und Sekrete.

Amazon reagiert

Amazon ist daran gelegen, dubiosen Angebote aus dem Sortiment zu nehmen. Gegenüber der futurezone sagt ein Amazon-Sprecher: "Verkaufspartner sind verantwortlich dafür, ihre eigenen Produktpreise in unserem Store gemäß unserer Richtlinie zur angemessenen Preisgestaltung festzulegen. Diese Richtlinie untersagt unter anderem überzogene Preise, um das Vertrauen unserer Kunden zu schützen. Wir entfernen Angebote, die gegen unsere Richtlinien verstoßen."

Dementsprechend werden derzeit insbesondere Produkte, die mit dem "Coronavirus" werben, genau unter die Lupe genommen. Allerdings bleiben den Händlern auch viele Freiheiten. 

Facebook musste inzwischen einschreiten, nachdem über das Social-Media-Netzwerk zahlreiche "Heilprodukte" angeboten wurden. Nach einer neuen Richtlinie sind Werbeanzeigen, die sich auf den Virus beziehen, inzwischen verboten

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