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Science
07/25/2020

COVID-19-Infektion kann monatelang anhalten

Forscher haben auch eine gute Nachricht: Es ist sehr unwahrscheinlich, dass man sich ein zweites Mal mit Corona ansteckt.

Rund um den Globus gibt es besorgniserregende Berichte zu Corona. Ärzte erzählen von Fällen, in denen COVID-19-Patienten einige Wochen oder Monate nach der Genesung wieder erkrankt sind. Der Verlauf der Krankheit sei beim zweiten Mal viel schlimmer gewesen als beim ersten Mal.

Zudem gibt es Studien, laut denen Die Corona-Antikörper im menschlichen Immunsystem schon nach ein paar Monaten wieder verschwinden. Genesene seien also keineswegs immun gegen eine Neuerkrankung. Außerdem würde dies bedeuten, dass zukünftige Impfstoffe möglicherweise nur eine sehr kurze Wirkung haben.

Jetzt versuchen Forscher diesbezüglich zu beruhigen, berichtet die New York Times. Dabei gibt es aber eine gute und eine schlechte Nachricht.

Keine zweite Infektion

Die Berichte über die zweite Corona-Infektion sind alle sehr ähnlich. Patient wird krank, wird positiv getestet, genest und geht nach der zweiwöchigen Quarantäne wieder arbeiten. Einige Zeit später, Wochen bis Monate nach dem positiven Corona-Test, werden sie wieder krank und wieder positiv getestet. Beim zweiten Mal sind die Symptome stärker.

Laut der New York Times haben sich mehr ein Dutzend Experten gegen die Theorie der zweiten Infektion ausgesprochen. Es gebe keine echten Beweise, dass es eine erneute Infektion ist. Auch die Bedenken, dass Corona eine Art Supervirus ist, gegen das der Mensch keine Antikörper bilden kann, weisen sie zurück. Das Virus verhalte sich bisher wie die meisten neuen Viren. Eine Herden-Immunität könne mit einem Impfstoff erreicht werden.

Andauernde Erkrankung

Wie genau erklären sie sich aber die bestätigen Fälle der neuerlich Erkrankten? Auch wenn es theoretisch möglich ist, dass das Virus 2-mal in kurzer Folge dieselbe Person erkranken lässt, sei es sehr unwahrscheinlich.

Was wahrscheinlicher zutreffe, sei eine hinausgezogene Infektion. Das Virus hat sich möglicherweise in einigen Teil des Körpers eingenistet und ist erst später, etwa ausgelöst durch körperliche Belastung oder eine andere Schwächung des Immunsystems, wieder aufgetreten. Auch andere Viren verhalten sich so, wie etwa Ebola.

Für diese Theorie spricht, dass bei den Patienten zwischen den 2 positiven Tests keine weiteren Tests gemacht wurden. Gerade in der Anfangsphase der Pandemie wurde angenommen, dass nach 2 Wochen das Virus verschwunden sei, ohne es mit einem Test zu bestätigen. Außerdem waren in dieser Phase noch die Tests in vielen Ländern knapp, weshalb Personen ohne Symptome prinzipiell nicht getestet wurden – auch nicht nach ihrer vermeintlichen Genesung.

Niedrige Viruslast

Doch selbst mit dem üblichen Stäbchen-Test wäre es laut den Forschern nicht garantiert gewesen, das eingenistete Virus zu entdecken. Wenn sich die Person nach den 2 Wochen wieder fit fühlt, spreche das für eine niedrige Viruslast im Körper. Der Test wäre deshalb möglicherweise negativ gewesen.

Die Forscher mahnen aber davor, aufgrund dieser Nachricht in Panik zu geraten. Gesundete Corona-Patienten seien nicht automatisch „virale Schläfer“, die noch monatelang andere Menschen anstecken können.

So wurden etwa in Südkorea 285 solcher doppelt positiv getesteten Patienten untersucht. Die Forscher konnten aus den entnommenen Proben keine neuen lebenden Viren züchten. Dies spreche dafür, dass es sich um eine bereits länger zurückliegende Infektion handelt und diese Patienten nicht mehr ansteckend seien. Auch habe es keine bestätigen Fälle gegeben, in denen diese erneut positiv getesteten Personen weitere Menschen angesteckt haben.

Keine Antikörper-Panik

Die Forscher versuchen in diesem Zusammenhang auch zu beruhigen, wenn es um die sinkende Zahl der Antikörper geht. Dies sei völlig normal. Bei einer akuten Erkrankung schnellen die Antikörper immer nach oben, um kurz danach wieder zu sinken und sich schließlich zu stabilisieren.

Bei einer Studie im Juli mit fast 20.000 Personen kam heraus, dass die Mehrheit viele Antikörper gebildet hatte. Selbst die mit niedrigen Antikörper-Werten hätten noch genug gehabt, um das Virus zu zerstören.

Also auch wenn die Antikörper-Konzentration nach der Corona-Infektion stark sinkt, müsse man solche Studien-Ergebnisse in den richtigen Zusammenhang setzen. Denn dies passiere auch bei anderen, viralen Infektionen, gegen die es bereits Impfstoffe gibt. Eine Panik ist also nicht angebracht.

Die Forscher sind zudem der Meinung, dass man jetzt verstärkt die T-Zellen untersuchen solle. Diese sind eine Art Gedächtnis für das Immunsystem. Sind diese nach einer Infektion gebildet, können bei Bedarf schneller Antikörper gegen das Virus produziert werden. Haben genesene Patienten ausreichend T-Zellen, ist ein niedriger Corona-Antikörper-Wert nicht besorgniserregend.