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Teleskop
09/15/2011

Dem Hubble-Nachfolger droht das Aus

Hubble kommt in die Jahre. Sein Nachfolger, das James Webb Weltraumteleskop (JWST), steckt in einer ernsten Finanzkrise. Wenn Hubble nichts mehr sieht und das JWST gestrichen wird, ist es mit dem tiefen Blick ins Universum vorbei.

Das James Webb Weltraumteleskop (JWST) steckt mitten in der Fertigstellung. Es wird größer, schöner und besser als Hubble. Und sehr viel teurer. Wenn es nach dem US-Kongress geht, landet das Teleskop auf dem Schrotthaufen, noch ehe es zusammengebaut ist.

Zugegeben – 8.7 Milliarden Dollar sind nicht gerade ein Pappenstiel. Doch als Sparposten nehmen sie sich vergleichsweise bescheiden aus. „Die Kosten des James Webb Weltraumtelekops  betragen weniger als drei Prozent des NASA-Budgets. Und dessen Anteil am gesamten US-Etat macht wiederum weniger als 0.4 Prozent aus,” erklärt Matt Mountain, Direktor des Weltraumteleskop Forschungszentrums in Baltimore. So betrachtet, ist das JWST also nahezu günstig. Zumal die Hälfte der Kosten ohnehin schon ausgegeben sind.

Hubble in seiner letzten Phase
Das JWST ist der Nachfolger des 1990 ins All geschossenen Hubble Weltraumteleskops. 2009 verpassten Astronauten des Space Shuttles dem alternden Teleskop eine Generalüberholung: Die ersten neuen Batterien in 20 Jahren, eine neue Infrarotkamera sowie einen Satz neuer Kreisel für die Steuerung. Damit sollte Hubble etwa die nächsten sieben Jahr über die Runden kommen. Danach ist nichts mehr zu machen. Denn ohne das heuer eingestellte Space Shuttle Programm gibt es keine realistische Möglichkeit, Hubble einen Service-Besuch abzustatten.

Hubble revolutionierte Astronomie
Hubble hat mehr geleistet als schöne, bunte Bilder zur Erde zu funken. Das Teleskop - 600 Kilometer über der Erde - hat die Astronomie revolutioniert, Aufschluss über die Geburt von Sternen und Galaxien geliefert, schwarze Löcher von bisher ungeahnter Dichte entdeckt und Prozesse der Kontraktion bzw. der Ausdehnung des Universums nach dem Urknall präzisiert. Steven Beckwith, Ex-Direktor des Weltraumteleskop Forschungszentrums vergleicht Hubble in seiner Bedeutung mit dem Teleskop Galileos. Ein Blick durch die Linse und Galileo wusste, dass sich die Erde um die Sonne dreht und nicht umgekehrt. Steven Beckwith erstellte 2004 das legendäre Ultra Deep Field Image, den bisher tiefste Blick in die Vergangenheit des Universums. Die Astronomen richteten Hubbles Auge mit seinen zwei Metern Durchmesser auf den Formax-Galaxiehaufen, südlich des Sternbilds Orion. Die Aufnahme zeigte Galaxien aus der Anfangszeit des 13.7 Milliarden Jahre alten Universums.

Was JWST alles kann
Mit dem JWST wollen Astronomen noch weiter in der Vergangenheit zurück gehen, etwa in die Zeit 100 Millionen Jahre nach dem Urknall. „Außerdem wird das Teleskop bei, dem Anschein nach erdähnlichen Planeten in anderen Sonnensystemen die Atmosphäre bestimmen können“, erklärt Matt Mountain. „Sollte sich in der Atmosphäre Wasser befinden, könnte das ein Hinweis auf Leben sein.“

Es ist also nicht verwunderlich, wenn Forscher es kaum erwarten können, dass das Teleskop 2018 mit einer Ariane-5-ECA-Rakete der ESA in den Weltraum geschossen werden. Sobald es seine 1,5 Millionen Kilometer entfernte Umlaufbahn erreicht hat, wird es sich wie ein Regenschirm auffalten. Sein wabenförmiges Auge bestehend aus 18 Spiegeln mit Goldschicht misst mehr als sechs Meter im Durchmesser; die Sonnenschilder sind so große wie ein Tennisplatz. Die weite Entfernung von der Erde bedeutet freilich auch, dass es - selbst wenn man ein Shuttle-ähnliches Programm wieder einführt - keine Möglichkeit der Reparatur gibt.

Teleskop-Fangemeinschaft macht Druck
„Wenn das James Webb Space Telescope  noch vor seiner Fertigstellung gestrichen wird, heißt das : Die USA geben ihre Pionierrolle im Weltraum auf,“ erklärt Steven Beckwith die Bedeutung einer solch drastischen Maßnahme. Matt Mountain glaubt, es wird nicht so weit kommen. Das JWST ist zwar noch lange nicht so prominent wie sein Vorgänger, aber es entwickelt allmählich einen Bekanntheitsgrad. „Wenn man Politikern sagt, das JWST wird nicht gebaut, verziehen sie keine Miene. Wenn man aber sagt, es geht dem Nachfolger von Hubble an den Kragen, horchen sie auf.“ Und eines steht fest: Alle lieben Hubble. Die Internetseite verzeichnet pro Monat eine Million Besucher.

Eine kleine, feine Fangemeinde dürfte nun auch das JWST erworben haben. Die Ankündigung im Sommer, dass der US-Kongress das Programm ersatzlos streichen will, führt zu Protesten im Internet, Briefen und Emails an Abgeordnete und einem Youtube-Video der Vlogbrothers - zwei Gen-X Geeks, die gerne Wissenschaft erklären – über die „Top 5 Awesome Things About the Webb Telescope“.  Für junge Leute, so Matt Mountain, sei das 20 Jahre alte Hubble nichts besonderes. „Doch das James Webb Weltraumteleskop ist schicker im Design, viel größer und viel weiter draußen. Das JWST ist das Hubble für die jetzige Generation.“