Science
22.11.2018

Die Anwärter für das Goldene Brett 2018 stehen fest

Die drei Finalisten im Kampf um den Negativpreis für den größten Unfug des Jahres stehen fest.

Bereits zum achten Mal wird am 28. November 2018 das „Goldene Brett vorm Kopf“ vergeben, Dabei handelt es sich um einen Negativpreis für den größten unwissenschaftlichen Unfug des Jahres. Hunderte Nominierungen
wurden gesammelt, nun hat eine Jury die drei Finalisten ausgewählt. Hoffnung auf den Preis dürfen sich Christina von Dreien, das Esoterik-Wunderkind aus der Schweiz, gemeinsam mit ihrer Mutter Bernadette Meier-Brändle, das Wiener Krankenhaus Nord, gemeinsam mit dem Energetiker Christoph Fasching, der einen „Energetischen Schutzwall“ um das Krankenhaus zog, und Hans Tolzin, ein Impfgegner und Allround- Medizinkritiker. Das „Goldene Brett fürs Lebenswerk“ geht fix an Demeter, einen Bio-Anbauverband, dessen Produkte nach der antroposophischen Weltanschauung von Rudolf Steiner produziert werden.

Esoterik-Wunderkind

Christina von Dreien aus der Schweiz (mit bürgerlichem Namen Christina Meier) ist erst 17 Jahre alt, hat aber bereits einen kometenhaften Aufstieg in der Esoterik-Szene hinter sich: Sie ist mit einem „erweiterten Bewusstsein“, „multidimensionaler Wahrnehmung“ und anderen paranormalen Begabungen gesegnet. Sie erklärt, bereits mehrfach wiedergeboren worden zu sein, unter anderem auch in Atlantis. Zum internationalen Star wurde sie mit Hilfe ihrer Mutter Bernadette Meier, die sich um die Karriere ihrer Tochter kümmert. Sie sorgt dafür, dass Christina von Dreien große Säle füllt und hunderttausende Klicks auf Youtube bekommt. Bei ihren Auftritten und Seminaren geht es um Kommunikation mit dem Jenseits, um Hellsichtigkeit und Telepathie und um „höhere kosmische Gesetzmäßigkeiten“. Christina von Dreien ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie man heute mit perfektem Marketing und einer eher willkürlich zusammengestellten Sammlung von Schwurbel-Begriffen berühmt werden kann.

Krankenhausskandal

Ein Krankenhaus sollte eigentlich ein Ort sein, an dem Menschen auf Basis von wissenschaftlichen Fakten geheilt werden. Doch manchmal hält auch in Krankenhäusern der unwissenschaftliche Unfug Einzug: Groß war die öffentliche Verwunderung, als bekannt wurde, dass der „Bewusstseinsforscher“ Christoph Fasching 95.000 Euro erhalten hatte, um einen energetischen „Schutzring“ um das derzeit im Bau befindliche Krankenhaus Nord in Wien zu ziehen. Der Schutzring sollte verhindern, dass „negative Energien aus dem Umfeld Einfluss auf das Haus und die Menschen“ nehmen. Dabei handelt es sich nicht um einen Einzelfall. Die Branche der „Energetiker“, die Menschen, Tiere oder Orte „energetisch harmonisieren“ oder in bessere „Schwingungszustände“ versetzen wollen, ist mittlerweile groß und einflussreich, auch wenn diese Behauptungen jeder wissenschaftlichen Basis entbehren. Dass allerdings öffentliches Geld, noch dazu in dieser bemerkenswerten Höhe, für unwissenschaftliche Energie-Zauberei ausgegeben wird, mache die Affäre um das Wiener Krankenhaus Nord allerdings doch zu einem ganz besonderen Fall.

Hans Tolzin

Hans Tolzin zählt wohl zu den erbittertsten und aktivsten Gegnern der evidenzbasierten Medizin: Der Molkereifachmann hat zwar keine medizinische Ausbildung, verbreitet aber eine ganze Reihe von wissenschaftlich unhaltbaren Thesen zu wichtigen Gesundheitsthemen. Tolzin betreibt Webseiten, die vor dem Impfen warnen, er bastelt sich seine eigenen skurrilen Ideen zum Thema „ AIDS“ zurecht, er bezweifelt überhaupt, dass es so etwas wie Infektionskrankheiten gibt. Bakterien und Viren seien natürliche Bestandteile des Körpers und nicht die Ursachen für Krankheiten. Tolzins Ansichten sind so radikal, dass sie vermutlich von vielen Leuten rasch als unwissenschaftlich erkannt werden. Das bedeutet allerdings keineswegs, dass seine antiwissenschaftliche Propaganda ohne Folgen bleibt. An der nach wie vor aktuellen Impfdebatte – und an der steigenden Zahl vermeidbarer Krankheitsfälle, etwa von Masernerkrankungen – sieht man sehr deutlich, dass die Ablehnung wissenschaftsbasierter Medizin ganz konkrete, schädliche Folgen haben kann.

Demeter

Unter dem Schlagwort „biologisch-dynamisch“ verkauft der Demeter-Verband landwirtschaftliche Produkte. Auf den ersten Blick könnte man meinen, man habe es mit gewöhnlichen Bio-Produkten zu tun, mit einer Sorte von Landwirtschaft, die besonders sorgsam mit der Umwelt umgehen möchte. Das wäre zweifellos zu begrüßen – doch „Demeter“ ist viel mehr. Der Verband richtet sich nach den Regeln der „Anthroposophie“, einer okkulten Gedankenwelt, die vom Esoteriker Rudolf Steiner begründet wurde. Da werden schon mal homöopathisch verdünnte Kuhhörner auf dem Feld ausgebracht, um den Pflanzen zu einem „harmonischen Gedeihen“ zu verhelfen. Eine ganze Reihe „biodynamischer Präparate“ mit angeblich „harmonisierender Wirkung“ sind in Demeter-Betrieben vorgeschrieben.

Verleihung

Die öffentliche Verleihungszeremonie für „Das Goldene Brett vorm Kopf“ mit Christoph & Lollo als Side-Act findet am 28. November 2018 um 20:15h (Einlass ab 20h) in der Urania in Wien
(Uraniastraße 1) und gleichzeitig bei der Parallelveranstaltung in Hamburg im Altonaer Museum (Museumstraße 23) statt.