Science
21.05.2013

"Die Identität ist im Jahr 2020 die SIM-Karte"

Wo wir uns gerade befinden wird künftig immer häufiger mit dem Aufenthaltsort unseres Mobiltelefons gleichgesetzt werden, meint Zukunftsforscher Tim Jones. Die Akzeptanz für das mobile Tracken von Menschen werde zudem größer. Bis 2020 sollen darüber hinaus alternative Zahlungsmethoden wie M-Pesa immer mehr an Bedeutung gewinnen.

"Wo auch immer sich das Handy eines Users gerade befindet, sei es im Zug oder im Schlafzimmer - das wird künftig damit gleichgesetzt werden, wo sich der User gerade befindet", erklärte Tim Jones in einer Keynote beim Austrian M2M & Mobile Payment Forum in Wien. Jones ist Gründer der "Future Agenda", die sich damit beschäftigt, wie die Welt im Jahr 2020 aussehen wird. "Deine Identität ist mit deiner SIM-Karte gleichzusetzen." Die Menschen würden dieses Tracking des Verhaltens durch ihr Mobiltelefon zudem zunehmend akzeptieren, meint Jones.

"Einstellung zur Privatsphäre wird sich ändern"
"Zehn Jahre zuvor hätte noch keiner geglaubt, dass sich so etwas wie geobasierte Dienste und Apps durchsetzen werden. Jetzt sind sie allgegenwärtig und werden weiter wachsen", sagt Jones. "In fünf bis zehn Jahren könnte es allerdings zu einem "Privatsphäre-Tschernobyl" kommen. Das laute es zumindest aus Kreisen der US-Regierung, so Jones.

"Unsere Meinung dazu ist: Die Einstellung zur Privatsphäre wird sich signifikant ändern. Manche Dinge werden gut gehen, andere nicht. Es wird viel davon abhängen, wer auf die Daten zugreifen kann und wem man vertraut. Jeder sollte sich mit der Problematik beschäftigen, bevor es einen plötzlich betrifft."

Flexible Preisgestaltung der Produkte
Jones schätzt, dass es im Jahr 2020 eta 50 Milliarden SIM-Karten geben wird. Zudem werden bis 2020 alle Daten digitalisiert sein. Derzeit habe Google beispielsweise 30 bis 40 Prozent aller Daten weltweit digitalisiert, so Jones. 2020 werde sich zudem die Masse an Daten, die wir haben, monatlich verdoppeln.

Aufgrund der Verfügbarkeit von personenbezogenen Daten werde man künftig nicht mehr einen Preis für alle haben, sondern eine flexible Preisgestaltung, abhängig vom Personenprofil. "Die Preise werden dynamisch generiert und davon abhängig sein, wer man ist, wie reich man ist und was man als letztes gekauft hat", sagt Jones. "So stellen sich das zumindest die Händler vor, die das mobile Bezahlen vorantreiben wollen."

Alternative Bezahlmethoden wie M-Pesa am Vormarsch
Zudem werdem alternative Bezahlsysteme, wie M-Pesa in Kenia, immer beliebter und stark wachsen. M-Pesa wurde vom kenianischen Mobilfunkunternehmen Safaricom in Kooperation mit Vodafone entwickelt und 2007 offiziell eingeführt. Damit lässt sich bargeldlos zahlen, ohne dass man dafür ein Bankkonto haben muss. Auch bereits gekaufte Telefon-Minuten können als Ersatzwährung herhalten, wenn sie gerade benötigt werden.

"70 Prozent des Geldes in Kenia wechselt auf diesem Weg den Besitzer", sagt Jones. Neben Kenia gibt es M-Pesa auch in Tansania und Südafrika. "In Afrika ist mehr Geld via M-Pesa im Umlauf als es Hilfsgelder aus der ganzen Welt gibt", meint Jones. Seit wenigen Monaten gibt es das bargeldlose Bezahlsystem zudem in Indien.

"Derartige Bezahlmethoden darf man nicht aus den Augen verlieren, weil sie einen massiven Einfluss haben können. So kann man auf diesem Weg auch nicht kontrollieren, wie viele Steuern bezahlt werden. Regierungen fürchten sich daher davor", meint Jones. Alternative Währungen wie Bitcoin müsse man ebenfalls beobachten, ebenso wie beispielsweise Amazon-Credits. Im Jahr 2020 würden zumindest fünf Prozent des Zahlungsverkehrs über alternative Bezahlmethoden abgewickelt, meint Jones.

"Bargeld wird niemals sterben"
Das Bargeld jedoch, werde niemals sterben, so Jones, der damit

überein stimmt. "Aufgrund des Schwarzmarkts, der in manchen Ecken der Welt mehr ausgeprägt ist als in anderen werden wir niemals zu 100 Prozent elektronisches Geld haben, selbst dann nicht, wenn es Regierungen per Gesetz abschaffen würden. Dann würde der Tauschhandel wieder stärker in den Fokus rücken. Leute würden wieder beginnen, Dinge miteinander zu tauschen. Dieser Trend ist in ländlichen Regionen bereits bemerkbar. Denn Menschen vertrauen sich gegenseitig mehr als ihrer Regierung."

Intelligente Lkws ohne Fahrer
Im Jahr 2020 werde zudem keiner mehr durch zusammengestoßene Autos sterben, prognostiziert der Zukunftsforscher. "Das wird allerdings nur dann funktionieren, wenn alle mitmachen und die Autos über 100 Prozent der Daten verfügen. Das wird eine große Herausforderung", sagt Jones. Selbstfahrende Autos dürfe man sich zudem nicht wie im Film vorstellen, stattdesssen werden sich fahrerlose Autos im Lkw-Bereich durchsetzen.

"Es wird Spuren auf intelligenten Autobahnen geben, die nur für Lkws reserviert sind. Zehn Lkws werden elektronisch miteinander verbunden sein, gelenkt wird nur der vorderste von einem Fahrer", erklärt Jones. Im privaten Bereich werde man durch Echtzeit-Checks die Möglichkeit haben, das für den jeweiligen Moment geeignetste Transportmittel zu wählen.

3D-Drucken wird nicht zum Massenphänomen
Das 3D-Drucken sieht Jones hingegen nicht als Massenphänomen. "Natürlich sind jetzt viele Menschen davon begeistert. Aber im Mainstream wird sich 3D-Drucken nicht durchsetzen, sondern es wird ein Nischenprodukt für bestimmte Märkte und Anwendungen bleiben. Einer der Gründe hierfür ist die Frage des Urheberrechts der gedruckten Gegenstände", meint Jones.

Der Zukunftsforscher räumt jedoch auch ein, dass er mit manchen seiner Prognosen auch ganz fasch liegen könne, denn schließlich habe man auch in der Vergangenheit nicht alles richtig vorhergesehen.

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