© Thomas Prenner

Science
04/23/2011

Ein Dorf surft in die Glasfaser-Zukunft

Der kleine Ort Siegenfeld in Niederösterreich wurde im Rahmen eines Pilotprojektes der A1 Telekom Austria mit Glasfaserleitungen ausgestattet. Mittels der neuartigen Technologie Nano-Trench wurden die Glasfaserleitungen einfach in die Straße des 600-Einwohner-Dorfs eingefräst. Die futurezone war ein halbes Jahr nach Bauabschluss für einen Lokalaugenschein vor Ort und hat bei den Bewohnern nachgefragt, wie sich der schnelle Zugang zum Internet auf das Alltagsleben auswirkt.

Siegenfeld ist ein beschaulicher kleiner Ort im Wienerwald, nur Kilometer weg von Heiligenkreuz und Baden entfernt. Es gibt ein Gasthaus, ein Feuerwehrhaus, einen Kindergarten und eine kleine Kirche. Die Einwohner genießen die Frühlingssonne, manche mähen ihren Rasen. Bis auf einen dunklen Streifen Asphalt in der Fahrbahnmitte deutet nichts darauf hin, dass die Bewohner von Siegenfeld über einen der modernsten und schnellsten Internetanschlüsse in ganz Österreich verfügen. Umgesetzt wurde der Anschluss im Rahmen eines Pilotprojektes mit der Nano-Trench-Technologie, bei der die neuen Leitungen wenige Zentimeter tief in die bestehende Straßenoberfläche gefräst werden. Von den bis zu 30 Mbit/s schnellen Verbindungen profitiert der örtliche Gasthof genauso wie der Kindergarten und die Einwohner in ihren Haushalten.

"Jahrelanger Kampf"
„Es war ein jahrelanger Kampf“, erzählt Bürgermeister Johann Ringhofer beim Rundgang durch den Ort. „Noch Mitte 2009 war es kaum möglich eine Standleitung ins Internet zu bekommen“, so Ringhofer. „Die Verfügbarkeit von Beitband-Anschlüssen war auf einige wenige Haushalte beschränkt, die das Signal über Baden bekamen“, erklärt er mit Blick auf das Straßenschild Richtung Baden.

Nano-Trench
„Mobiles Breitband war die beste Möglichkeit, ins Internet zu kommen“, so Ringhofer. „Die Geschwindigkeit und die Verfügbarkeit war tageszeitabhängig, man konnte sich nicht auf eine stabile Verbindung verlassen.“ Ende 2009 folgten dem Anliegen der Bürger schließlich Taten. Nachdem die Gemeinde der A1 Telekom Austria 35.000 Euro Kostenbeteiligung zusagte, wurde der Ort im Rahmen eines Pilotprojekts mit Glasfaserleitungen ausgestattet. Die Leitungen wurden mittels der Nano-Trench-Technologie direkt in die Straße gefräst, ein dunkler Streifen Asphalt in der Fahrbahnmitte zeugt von dieser Technik. “Das Verlegen dauerte etwa ein bis zwei Wochen. Der Straßenverkehr wurde dabei kaum beeinträchtigt”, erinnert sich der Bürgermeister.

Wenn das Testprojekt in Siegenfeld erfolgreich ist, könnte die Telekom die Technik in Zukunft auch in anderen Orten einsetzen.

"In ein paar Wochen wissen wir mehr", sagt A1 Telekom Austria-Pressesprecherin Livia Dandrea-Böhm der futurezone. "Besonders wichtig ist, wie die Technik den Winter überstanden hat", so Dandrea-Böhm.

Familie Sklitz in Siegenfeld

Konrad Schwartz in Siegenfeld

Speedtest in Siegenfeld

"Fiber To The Curb"
In Siegenfeld kommt aktuell die „Fiber To The Curb“-Technik (FTTC) zum Einsatz. Das bedeutet, die Glasfaserleitung geht jeweils bis zum Kabelverzweiger am Straßenrand. Vom Verteiler bis zum Endkunden geht die Leitung über ein herkömmliches Kupferkabel. „Bei der Verlegung wurde darauf geachtet, dass kein Kunde weiter als 400 Meter von einem Verteiler entfernt ist“, so Ringhofer beim Gespräch im örtlichen Gasthaus. Statt mit zwei bis drei Mbit/s können die Siegenfelder nun mit bis zu 30 Mbit/s herunter- beziehungsweise mit bis zu vier Mbit/s hochladen.

WLAN für Gäste
„Besonders für die Einwohner, die den Internetanschluss beruflich nutzen, ist eine stabile Verbindung unbedingt vonnöten.“ Mittlerweile hat sich Alfred Skilitz, der den Gasthof betreibt, an den Tisch begeben und erzählt: „Der Unterschied ist gigantisch, zuvor war es kaum möglich, ein Foto hochzuladen.“ Das schnelle Internet hat auch Vorteile für den Betrieb erbracht: „Ich habe nun die Möglichkeit, in den Gästezimmern WLAN anzubieten, was in ähnlichen Betrieben bereits Standard ist.“ Auch der Arbeitsablauf des Gastwirts hat sich verändert: „Ich kann nun endlich meine eigene Homepage betreuen, und auch meine Bestellungen für die Gastwirtschaft wickle ich jetzt fast ausschließlich online ab.“

Privater und beruflicher Nutzen
Zum Gespräch gesellt sich schließlich ein weiterer Einwohner. Konrad Schwartz hat seinen einjährigen Sohn Alexander dabei. Schwartz ist Pilot bei einer Airline und profitiert sowohl privat als auch beruflich von den schnellen Internetverbindungen: „Dienstpläne und ähnliches werden bei uns in Echtzeit online abgewickelt. Ohne eine entsprechende Anbindung ans Internet wäre das einfach nicht möglich.”

Auch der örtliche Mobilfunkmast wurde an die Glasfaserleitung angeschlossen, was auch für die mobilen Internetzugänge Vorteile bringt. So ziehen auch die Anwohner von dem Ausbau Nutzen, die über gar keine Standleitung verfügen. “Eine derartige Infrastruktur ist unbedingt notwendig, für die Bewohner aber auch für die Wettbewerbsfähigkeit des Ortes”, so Ringhofer.

Auch der örtliche Kindergarten hat jetzt einen eigenen Breitbandanschluss. “Im Kindergarten bräuchte man eigentlich gar kein so schnelles Internet”, schmunzelt das Gemeindeoberhaupt abschließend.