Science
04.08.2011

Energiesparen mit intelligenten Heizungen

Die Österreichische Energieagentur und Vaillant starten ein Forschungsprojekt, das bis 2013 Heizkosten transparenter für den Kunden machen soll, die Energieeffizienz erhöhen und damit auch den Energieverbrauch und CO2-Ausstoß reduzieren.

"Die meisten Kunden kriegen einmal im Jahr ihre Heizungsrechnung, schauen sie sich an und denken: Naja, hilft ja eh nix", sagt Rudolf Stelzl, Geschäftsführer des Heizungsherstellers Vaillant Österreich. Hier soll das Projekt Smart Heating ansetzen. Ähnlich wie beim Smart Metering, bei dem detailliert der Stromverbrauch per Zähler, Computer oder Smartphone überwacht werden kann, soll dies bei Smart Heating mit der Heizung möglich sein. „Es ist wie beim Auto: Früher ist man einfach Bleifuß gefahren. Heute zeigt mir das Display den durchschnittlichen Spritverbrauch an und bei 20 Liter auf 100 Kilometer denk ich mir dann: ‚Das muss jetzt eigentlich nicht sein’ und gehe vom Gas“, so Stelzl.

Der elektronische Zähler am Heizkessel soll zukünftig das Bewusstsein für den Energieverbrauch wecken und so den Kunden ermöglichen, ihr Heiz-Verhalten anzupassen und damit Energie und Geld zu sparen. Eines der Ziele von Vaillant ist es, ein Gerät zu entwickeln, das den tatsächlichen Gasverbrauch misst, in das Verhältnis zur erzeugten Wärme stellt und so präzise Rückschlüsse auf die Effizienz zulässt.

Wartungshelfer
Andere Sensoren messen wiederum Abgase und andere Werte, die Rückschluss auf den Zustand des Heizkessels geben. So kann etwa festgestellt werden, dass die Effizienz aufgrund von Verrußung oder abgenutzten Verschleißteilen zurückgeht und eine Wartung bzw. Reinigung nötig ist. „Viele Kunden nehmen nur alle vier bis fünf Jahre eine Wartung bei ihrer Heizung vor. Das wäre in etwa so, als würde man nach 400.000 Kilometern das Auto zum ersten Service geben“, sagt Stelzl. Zwar gibt es auch die in Österreich im Zweijahres-Rhythmus üblichen Abgasmessungen, diese seien aber laut Vaillant nur Momentaufnahmen und reichten nicht aus, um mangelnde Einstellungen aufzudecken.

Die Messwerte sollen durch das Smart-Heating-System auch interpretiert werden. Steigt etwa zu einer Tageszeit, zu der normalerweise niemand zuhause ist, der Energiebedarf für Warmwasser, schickt das System eine SMS mit der Benachrichtigung und der Frage: „Warmwasserhahn nicht abgedreht?“ Auch möglich ist eine E-Mail mit der Frage „Fenster offen?“, wenn im Winter ein ungewöhnlich starker Anstieg des Gasverbrauchs auftritt, weil man nach dem Stoßlüften vergessen hat das Fenster zu schließen.

In weiterer Folge ist angedacht, Smart Heating in einer Smart-Home-Umgebung integrieren zu können. Die elektrische Wärmepumpe könnte etwa nur zu Zeiten heizen, in denen Strom gerade besonders günstig ist oder genügend Energie mit den Solarkollektoren am Dach gespeichert wurde, um das Haus oder die Wohnung im Winter nicht komplett auskühlen zu lassen.

Gefördertes Projekt
Das Projekt Smart Heating ist eine Kooperation von Vaillant und der Österreichischen Energieagentur, das nationale Kompetenzzentrum für Energieeffizienz in Österreich. Es läuft bis 2013 und wird zwischen 750.000 und einer Million Euro kosten. Das Projekt wird aus Mitteln des Klima- und Energiefonds gefördert und im Rahmen des Programmes „Neue Energien 2020“ durchgeführt. Die Förderung deckt laut Vaillant weniger als die Hälfte der Gesamtkosten.

Die Wahl für den Projektstandort fiel auf Österreich, da es für Vaillant ein Lead Market ist. „Die Kunden in Österreich probieren gerne neue Technologien aus“, sagt Carsten Voigtländer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Vaillant Group. Bereits früher wurden mehrmals Produkte in Österreich eingeführt, die dann weiterentwickelt und später in anderen Ländern angeboten wurden.

Keine Mehrkosten, kein Upgrade
Smart-Heating-Systeme sollen, sofern das Projekt die gewünschten Resultate liefert, zukünftig in allen Vaillant-Heizungen zu finden sein – im Idealfall ohne Mehrkosten für den Kunden. Obwohl laut Fritz Unterpertinger, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur, die Heizkessel in Mitteleuropa durchschnittlich 20 Jahre alt sind, ist ein Upgrade bestehender Geräte durch Smart Heating nicht angedacht. „Es können maximal bis zu vier oder fünf Jahre alte Geräte mit Smart Heating nachgerüstet werden, da diese schon einige der dafür benötigten Sensoren eingebaut haben“, sagt Stelzl. Das Ziel sei diese alten Heizkessel gegen neue auszutauschen, die bis zu 30 Prozent effektiver sind.

Rechtlich geklärt werden muss in der Projektphase noch die Nutzung der Daten. Angedacht ist eine Effizienz-Datenbank, in der Kunden ihre Energieeffizienz mit denen anderer vergleichen können. Auch für die Energielieferanten wären die Daten nützlich, um etwa das Nutzungsverhalten der Kunden zu analysieren. Möglich wäre auch eine Echtzeitüberwachung der Heizkesselwerte nicht nur durch den Kunden, sondern auch durch externe Wartungsfirmen oder den Vaillant-Werkskundendienst – unter Wahrung der gesetzlichen Datenschutzbestimmungen, wie Vaillant betont.