Science
04/08/2019

Grazer Forscher entwickeln High-Tech-Bienenstock mit Robotern

Die "Smart City für Bienen" soll ihnen das Überleben mit Sensoren und Komfortfunktionen erleichtern.

Nahrungsmangel, Pestizide, Krankheitserreger, die Witterung: Bienen sind zunehmend nachteiligen Umwelteinflüssen ausgesetzt. Um den Insekten das Überleben zu erleichtern, entwickeln internationale Forscher unter der Leitung der Universität Graz eine "Smart City" für Bienen. Das EU-Projekt "Hiveopolis" mit einem Budget von sieben Millionen Euro ist laut Uni Graz jüngst angelaufen.

Dass Bienen und Roboter miteinander interagieren können, hat das Forscherteam um den Zoologen und Leiter des "Artificial Life Lab" Thomas Schmickl erst jüngst in einer Versuchsanordnung gezeigt: Bienen und Zebrafische können mit Robotern als "Mittelsmänner" gegenseitig Impulse aussenden und darauf reagieren - und das sogar über mehrere hundert Kilometer Distanz zwischen Graz und dem schweizerischen Lausanne. Nun wollen die Forscher ihre Technologie in den Bienenstock integrieren, teilte die Grazer Universität mit.

Klimaanlage und Warnsystem

"Unser Ziel ist es, den Insekten Technologien zur Verfügung zu stellen, die ihnen helfen, auf Veränderungen der Umwelt rechtzeitig zu reagieren", erklärte Schmickl. So sollen die staatenbildenden Insekten u.a. frühzeitig vor Gefahren in ihrer Umgebung gewarnt werden. Sie werden über bevorstehende Wetterwechsel, die ihre Brut gefährden könnten, informiert und Sensoren sollen etwa die Temperatur in der Wabe regulieren und damit die Aufzuchtbedingungen für die Nachkommen verbessern.

Darüber hinaus sollen digitale Landkarten Hinweise auf Pestizide bei den Nahrungsquellen liefern und Warnungen an den Stock senden. Und die kleinen Honigproduzenten sollen gezielt zu den für sie optimalen Blüten gelenkt werden. Dazu sollen die kleinen in Graz entwickelten Roboter den Bienentanz - der übrigens vom an der Universität Graz tätigen Nobelpreisträger Karl von Frisch entschlüsselt wurde - imitieren und so das Bienenvolk benachrichtigen.

"Wir wollen darauf Einfluss nehmen, wohin die Insekten ihre Bestäubungsflüge machen", schilderte Schmickl. Die Möglichkeiten zu einer solchen Schwarm-Kontrolle haben sie bereits im vorangegangenen Großprojekt ASSISI erforscht.

Bis 2024

Das Projekt "Hiveopolis" ("Bienenstadt") wird bis 2024 gemeinsam mit fünf Partner-Hochschulen (École polytechnique fédérale de Lausanne, Freie Universität Brüssel, Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität Berlin, lettische Landwirtschaftliche Universität) und dem bulgarischen Unternehmen Bee Smart Technologies OOD umgesetzt. Interessensgruppen wie Imker, Landwirte, Programmierer, Umweltschützer und Pädagogen sollen ebenfalls in die Forschung eingebunden werden und bei der Entwicklung des smarten Bienenstocks mitarbeiten.