Science
09/12/2014

Holz und Pflanzenabfälle sollen beim Klimaschutz helfen

Beim Forum Alpbach wurde über das ökologische und ökonomische Potenzial der Energieerzeugung aus Biomasse diskutiert. Entscheidend ist, wie die Rohstoffe genutzt werden.

"Die Ziele Klimaschutz und Dekarbonisierung machen es verlockend, Kohle, Gas und Öl, sozusagen alte, gereifte Biomasse, durch aktive Biomasse wie Holz und Pflanzenreste zu ersetzen. Durch die Pflanzung von Wäldern, die Verwendung von Holz als Baumaterial oder die Produktion von Biokunststoffen aus den Rohstoffen kann CO2 gebunden werden", erklärt Hubert Röder, Leiter des Fachbereichs Betriebswirtschaftslehre für Nachwachsende Rohstoffe am Wissenschaftszentrum Straubing in Alpbach. Allerdings kann hier nur ein positiver Effekt für den CO2-Haushalt erreicht werden, wenn das Problem richtig angegangen wird. "Es bringt nichts, wenn wir die Wälder für Rohstoffe roden. Stattdessen sollten wir Brachland und andere ungenutzte Areale verwenden, um nachwachsende Rohstoffe zu produzieren. Diese Rekultivierung, auch Landuse Change genannt, ist eine große Chance", so Röder.

In Europa wären laut dem Experten 50 bis 100 Millionen Hektar ungenutztes Land verfügbar, ohne dass eine Konkurrenz zu Nahrungsmitteln bestünde. Auch Pflanzenabfälle, die heute ungenutzt sind, könnten einen Anteil zur Energiegewinnung aus Biomasse liefern. "Von den jährlich fünf Milliarden Tonnen trockener Biomasse - hauptsächlich Getreidestroh - auf den Feldern bleibt der Großteil liegen. Der fehlende Düngeeffekt bei einer Nutzung könnte durch eine nachhaltige Dauergrünland-Düngung ersetzt werden", sagt Röder. Auch bei bestehenden Nutzungsszenarien gibt es noch viel Luft nach oben. "Mehr als 50 Prozent des verfeuerten Brennholzes wird auf extrem ineffiziente Weise verwendet. Auch bei uns könnte durch die Installation moderner Holzheizungen viel eingespart werden", so der Fachmann.

Ungenutztes Land

Die Vorräte an Holz sind weltweit gesehen im Steigen begriffen, obwohl etwa in Ost- und Südasien mehr verbraucht wird, als nachwächst. Aber auch in Europa wird jährlich viel Holz importiert, da etwa die großen Produzenten von Pellets in den USA, Brasilien oder Lateinamerika liegen. "Das ist nicht optimal, spart aber trotz Schiffstransporten noch CO2 im Vergleich zu anderen Heizoptionen", so Röder. Durch eine Nutzung von Brachflächen durch schnell nachwachsende Pflanzensorten könnte laut dem Forscher der Bedarf an Brennholz, Biotreibstoffen und Bauholz gedeckt werden. Es gibt etwa Eukalyptus-Arten, die in 26 Monaten zehn Meter hoch werden und 144 Kubikmeter Holz pro Hektar einbringen. "Allein in Brasilien gibt es 200 Millionen Hektar ungenutztes Brachland. Damit könnte ein enormer Bedarf gedeckt werden", so Röder.

Allerdings bleibt zu bedenken, dass es eine Grenze für die nachhaltige Nutzung von Biomasse gibt. Entscheidend ist der Einsatz der verfügbaren Ressourcen. "Wir könnten über sogenanntes Co-Firing zehn Prozent der gesamten Kohle in Kraftwerken durch Biomasse ersetzen. Dann wäre das gesamte Potenzial aufgebraucht, für eine Reduktion des Kohlekraftwerks-COS-Ausstosses um zehn Prozent", so Röder. Ein Einsatz zur Stromerzeugung ist aber wohl die am wenigsten effiziente Nutzung für Biomasse. Mit Photovoltaik, WInd- und Wasserkraft stehen hier weitaus bessere Alternativen zur Verfügung. "Der Wärmemarkt ist viel interessanter. Wer die Biomasse bekommt, wird am Markt festgelegt. Hier könnten Fördersysteme eine möglichst effiziente Nutzung unterstützen", so der Fachmann.

Rohstoff Holz

Die Nutzung von Holz als Baumaterial etwa kann einen größeren Effekt auf das Klima haben, als die Verbrennung. "In den vergangenen zwanzig Jahren ist weniger CO2 in der Senke Wald gespeichert worden als in Holzprodukten", so Röder. Zudem ersetzen Holzprodukte oft Materialien, die mit hohem Energieaufwand produziert werden, wie Aluminium. Das potenziert den Effekt zusätzlich. Das Stillegen von Wäldern ist aus ökologischer und ökonomischer Sicht also selten eine gute Strategie, nur eine nachhaltige Nutzung kommt der Umwelt zugute. Die energetische Nutzung, also zur Wärme- oder Stromerzeugung ist der stofflichen Nutzung dabei um den Faktor sechs unterlegen.