Science
27.08.2016

Open Innovation: Aufwärmen für die Arbeitswelt der Zukunft

Bei den Technologiegesprächen in Alpbach wurden am Samstag Wege erörtert, wie innovative Prozesse geöffnet werden können.

Ob Innovationswettbewerbe, wie ihn etwa Samsung für seine Internet-of-Things-Plattform veranstaltet, "Crowdsourcing" von wissenschaftlichen Problemstellungen oder Apples App Store. Sie alle setzen in der einen oder anderen Form auf offene Innovationsprozesse. "Open Innovaton funktioniert und zahlt sich nicht nur für Unternehmen, sondern auch für die Gesellschaft aus", sagt Robert Jan-Smits, Generaldirektor für Forschung und Innovation in der EU-Kommission am Samstag bei den Technologiegesprächen in Alpbach.

Dort wurden in einem Panel Wege erörtert, wie innovative Prozesse geöffnet und auch die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes erhöht werden kann. Österreich nimmt im Bereich Open Innovation eine Vorreiterrolle ein. Am Donnerstag präsentierten Wissenschafts- und Infrastrukturministerium die erste Open-Innovation-Strategie eines europäischen Landes. Neben der Errichtung von offenen Innovations- und Experimentierräumen in Schulen und Kindergärten, aber auch in der Aus- und Weiterbildung von Pädagogen, ist der Aufbau eines mit zwei Millionen Euro dotierten Forschungszentrums für Open Innovation durch die Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) geplant.

"Brauchen neue Plattformen"

"Wir brauchen neue innovative Plattformen, die den Austausch von unterschiedlichen Akteuren und gemeinschaftliche Innovationen ermöglichen", sagte Sabine Brunswicker, Leiterin des Forschungszentrum für digitale Innovation an der Purdue University im US-Bundesstaat Indiana. Open Innovation sei keine Modeerscheinung. Viele Unternehmen würden bereits auf offene Innovationsprozesse setzen, komplexe Probleme könnten ohne das Einbeziehen unterschiedlicher Akteure und Perspektiven auch gar nicht mehr gelöst werden.

"Es ist an der Zeit, dass Institutionen ihre Silos öffnen und die Zivilgesellschaft in innovative Prozesse einbezieht", sagt Gertraut Leimüller, stellvertretende Vorsitzende der Kreativwirtschaft Austria. Nun gelte es diese neue Kultur des Austausches und der Zusammenarbeit in die Gesellschaft zu implementieren und die Rahmenbedingungen für offene, innovative Porzesse zu schaffen.

Chance für Start-ups und KMUs

Offene Innovationsprozesse würden es auch kleineren und mittleren Unternehmen ermöglichen, Teil von Innovationssystemen zu werden. Das sei besonders für kleine Länder wie Österreich von Beduetung, sagte Michael Heiss, der bei Siemens eine Forschungsgruppe zu cyberphysikalischen Systemen leitet. Schon heute würden viele Konzerne bei Innovationsfragen mit Start-ups zusammenarbeiten. Auch das sei Teil von Open Innovation. Neue Modelle der Zusammenarbeit seien in einer globalen Welt zentral, sagt Heiss. "Open Innovation ist eine Aufwärmübung für die Arbeitswelt der Zukunft."

"Daten zentral"

Um die Innovationskultur nachhaltig zu verändern, sei die Freigabe und der Austausch von Daten zentral, sagte Jan-Smits. Er forderte, dass auch Förderstellen in der Forschung die Vergabe von Förderungen davon abhängig machen sollten, ob Daten der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt würden. "Daten sind für offene Innovationsprozesse zentral." Förderstellen müssten auch darauf achten, ob ihre Förderprogramme neue Formen der Zusammenarbeit erlauben würden.

"Auch Missbrauch thematisieren"

Wenn man über Open Innovation spreche, müsse man auch die vielfältigen Formen von Missbrauch, etwa den Diebstahl geistigen Eigentums oder die Ausbeutung junger Leute durch globale Unternehmen thematisieren, mahnte der Kommunikationswissenschaftler Peter A. Bruck aus dem Publikum ein.

Viele Unternehmen würden dazu tendieren mehr aus offenen Prozessen für sich zu behalten, als sie anderen zur Verfügung stellen, räumte Innovationsforscherin Brunswicker ein. An der gerechten Verteilung der gemeinsam geschaffenen Werte müsse noch gearbeitet werden. In der österreichischen Open-Innovation-Strategie ist deshalb auch die Erarbeitung von Vertragsmustern für Open Innovation-Prozesse vorgesehen.

Es gehe heute nicht mehr darum, ob man Innovationsprozesse öffnen soll oder nicht, sagte Marion Poetz von der Copenhagen Business School: "Entscheidend ist, wie offene Methoden auf individueller und organisatorischer Ebene implementiert werden."