Konzept von Dawn in der Nähe von Ceres.
Konzept von Dawn in der Nähe von Ceres.
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NASA

Raumsonde Dawn fliegt auf Zwergplaneten zu

Die mit deutscher Beteiligung gebaute Raumsonde „Dawn“ ist nach Angaben der US-Raumfahrtbehörde Nasa bereit für den Zielanflug auf den Zwergplaneten Ceres. „Das Raumschiff ist in ausgezeichnetem Zustand und die Annäherung lief bisher fehlerlos“, sagte Nasa-Manager Robert Mase am Montag (Ortszeit) bei einer Pressekonferenz.

An diesem Freitag soll „Dawn“ als erster Flugkörper überhaupt in eine Umlaufbahn um einen Zwergplaneten einschwenken. „Das ist eine sehr aufregende Woche für uns“, sagte Charles Elachi, der Direktor des Jet Propulsion Laboratory (JPL) der Nasa im kalifornischen Pasadena.

"Nichts zu sehen"

Die Ankunft werde allerdings unspektakulär verlaufen, so Nasa-Manager Mase. „Es wird nichts zu sehen geben. Diesen dramatischen Moment in der Einsatzzentrale, den wir von anderen Missionen kennen, den wird es nicht geben.“

Das liege daran, dass „Dawn“ sich zu diesem Zeitpunkt auf der der Erde abgewandten Seite von Ceres befinden werde und keine Funkkommunikation bestehe. Das erlösende Signal, dass „Dawn“ die Umlaufbahn mehr als 500 Millionen Kilometer entfernt von der Erde sicher erreicht hat, erwarten die Nasa-Wissenschaftler für den Freitagabend.

Keine Fotos

Danach müssen die Forscher allerdings erstmal eine Durststrecke durchlaufen: „Dawn“ kreist zuerst auf der dunklen Seite von Ceres und kann deshalb keine Fotos machen. „Erst Mitte April beginnt dann unsere wissenschaftliche Phase und dann werden sich die Schleusentore öffnen“, sagte Mase. Bis Juni 2016 soll die nur 1,60 Meter lange und 747 Kilogramm schwere Raumsonde den Zwergplaneten erkunden und sich ihm in vier Phasen bis auf 375 Kilometer nähern.

Schon aus dem Anflug heraus hat „Dawn“ den Forschern einige Überraschungen offenbart. Besonders die auf den Fotos in zuvor nie dagewesener Schärfe erkennbaren hellen Flecken faszinieren und verblüffen Wissenschaftler. „Diese Eigenheit hat unser Team sehr begeistert, denn sie ist einzigartig im Sonnensystem“, sagte die Nasa-Wissenschaftlerin Carol Raymond. „Wir werden herausfinden, um was es sich da genau handelt. Das Rätsel wird gelöst werden.“

Möglicherweise könne es sich um freigelegtes Eis handeln, dass Licht reflektiere, sagte Ralf Jaumann vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. „Ganz ehrlich: Ceres ist viel spannender als ich gedacht habe.“

Lange Reise

Die Raumsonde „Dawn“ war im September 2007 gestartet und hatte 2011 zunächst den Asteroid Vesta erkundet, der wie Ceres ebenfalls im Planetoidengürtel zwischen den Planeten Mars und Jupiter liegt. Planetoiden sind kleinere Himmelskörper aus der Frühzeit des Sonnensystems, die die Sonne umkreisen. „Die Erforschung von Ceres ist wie eine Art Geschichtsforschung im All“, sagte Nasa-Manager Jim Green. „Daten, die Dawn zur Erde schickt, könnten entscheidend dazu beitragen, zu verstehen, wie das Sonnensystem entstand.“

Der 1801 entdeckte Zwergplanet Ceres ist der dickste Brocken im Planetoidengürtel. Er misst 950 Kilometer im Durchmesser und seine Oberfläche würde mehr als ein Drittel der Vereinigten Staaten bedecken. Zu 25 Prozent soll er Schätzungen zufolge aus Wasser bestehen.

Mit an Bord hat „Dawn“ komplett in Deutschland unter der Federführung des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung in Göttingen entwickelte Multispektral-Kameras. Auch nach Juni 2016 könne die insgesamt rund 470 Millionen Dollar (etwa 420 Millionen Euro) teure Mission möglicherweise weitergehen, sagte Nasa-Manager Mase. „Je nachdem, wie lange der Treibstoff hält, haben wir sicher noch einige Monate - aber keine Jahre.“

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