Science
25.01.2018

Trump-Regierung plant Aus für ISS ab 2025

Das Aus für die internationale Raumstation rückt näher. Ein neuer Budget-Entwurf sieht das offizielle Ende für die ISS ab 2025 vor, einen Nachfolger gibt es nicht.

Die Trump-Regierung plant das Ende der Internationalen Raumstation ISS für das Jahr 2025. Das berichtet The Verge. Das Online-Portal hat Zugang zu einem Budget-Entwurf erhalten, das am 12. Februar offiziell vorgestellt werden soll. Sollte dieser Entwurf beschlossen werden, würde es wohl für mehrere Jahre keine größere Raumstation im Erdorbit geben. Lediglich China könnte künftig einen Außenposten im All haben, eine entsprechende Raumstation soll ab 2019 gebaut werden.

Die ISS ist ein kostspieliger Posten im NASA-Budget. Jährlich fallen drei bis vier Milliarden US-Dollar für die Raumstation an. Unter der Obama-Regierung wurde das Programm bis zumindest 2024 verlängert. Konkrete Pläne für eine Nachfolge gab es bislang nicht, weswegen zuletzt auch auf eine letzte Verlängerung des Programmes auf 2028 gedrängt wurde. US-Präsident Donald Trump hat kürzlich eine Direktive unterzeichnet, wonach die NASA eine Rückkehr auf den Mond anstreben soll. Unter anderem sei der Bau einer Basis geplant, von der aus Missionen zu weiter entfernten Planeten gestartet werden.

Starke Zusammenarbeit mit Russland

Der Grundstein für die ISS wurde am 29. Jänner 1998 gelegt. Vertreter von 15 Ländern unterzeichneten ein Abkommen über eine Kooperation zu Entwicklung, Bau und Betrieb der Raumstation. Beteiligt sind zwar auch die EU, Japan und Kanada; Russland und die USA waren aber von Anfang an die wichtigsten Partner in dem 100 Milliarden Dollar (82 Milliarden Euro) teuren Mammutprojekt.

„Ich denke, die amerikanisch-russische Partnerschaft bei der ISS ist fast allen Erwartungen gerecht geworden“, sagt der frühere Leiter des Space Policy Institute in Washington, John Logsdon. „Die USA und Russland sind die beiden Nationen, die die Station mit einem Kontrollzentrum in Houston und einem nahe Moskau am Laufen halten.“

Beide Länder haben zusammen 80 Prozent der Struktur und der Ausrüstung der ISS gestellt. Zwar kommt davon der Großteil aus den USA, ohne die russischen Sojus-Raketen hätte die Raumstation in den vergangenen Jahren jedoch gar nicht versorgt werden können.

Hoffen auf Fortführung

Seit dem Aus für die US-Space-Shuttles im Jahr 2011 können Astronauten nur noch mit den Sojus-Raketen zur ISS fliegen. 80 Millionen Dollar bekommt die russische Raumfahrtagentur Roskosmos pro Astronaut. Neue Raumtransporter von Boeing und SpaceX sollen erst ab 2019 einsatzbereit sein. „Das alles führt dazu, dass die Partnerschaft zwischen Moskau und Washington von grundlegender Bedeutung ist“, hebt Logsdon hervor.

Der Grundstein für diese Zusammenarbeit wurde noch während des Kalten Krieges gelegt. Ein Abkommen zwischen den USA und Russland aus dem Jahr 1972 über die friedliche Nutzung der Raumfahrt ermöglichte 1975 den gemeinsamen Flug einer Apollo-Rakete der USA und einer russischen Sojus-Rakete, sagt NASA-Historiker Bill Barry. Deutlich intensiver sei die Zusammenarbeit der beiden Länder aber erst nach der Auflösung der Sowjetunion in den 90er-Jahren geworden.

Barry zufolge wollten die USA mit ihrer Einladung an Russland, sich an der ISS zu beteiligen, den langjährigen Feind in den Westen integrieren. Daneben hätten auch praktische Gründe eine Rolle gespielt, meint Logsdon: Schließlich habe Russland bereits viel Erfahrung mit bemannten Weltraummissionen gehabt. Bis heute funktioniere die Zusammenarbeit „sehr gut, und man kann nur hoffen, dass sie weitergeht“, sagt der US-Raumfahrtexperte.

Mehr Privatunternehmen

Der Verantwortliche der US-Weltraumbehörde NASA für die ISS, Bill Gerstenmaier, versicherte nun bei einer Anhörung im US-Kongress, dass die für kommendes Jahr geplante Indienststellung der Raumtransporter von Boeing und SpaceX die Zusammenarbeit mit Russland nicht in Frage stelle. „Alle ISS-Partner werden weiter von den Sojus-Raketen, aber dann auch von den zwei kommerziellen amerikanischen Raketen abhängig sein, um die Station zu betreiben“, sagte Gerstenmaier.

Und bei dieser Kooperation soll es nicht bleiben. Im September verkündeten die USA und Russland eine Grundsatzeinigung auf ihre Zusammenarbeit bei einem von der NASA geleiteten Programm namens „Deep Space Gateway“. Es geht um eine Raumstation nach dem Vorbild der ISS, die dann statt um die Erde um den Mond kreist. Sie soll zur Erforschung des fernen Weltraums und zur Vorbereitung von bemannten Mars-Missionen beitragen.