Science
08.07.2015

Uni Graz entwickelt flexible molekulare Drähte

Forscher der Universität Graz haben ultradünne Drähte mit hoher Leitfähigkeit und großer Biegsamkeit hergestellt. Ihre Ergebnisse haben sie nun publiziert.

Extrem kleine Schaltkreise machen in der miniaturisierten Elektronik hohe Operationsgeschwindigkeiten möglich und senken den Energieverbrauch. Forschern der Universität Graz gelang es nun sogenannte molekulare Drähte mit überraschend hoher Leitfähigkeit und gleichzeitig großer mechanischer Biegsamkeit herzustellen. Das Experiment wurde im Fachmagazin "Nature Communications" publiziert.

Einsatz in der Nanotechnologie

Drähte im Nanometerbereich können als extrem miniaturisierte "Kabel" in Computern und sonstigen elektronischen Schaltungen der Nanotechnologie eingesetzt werden. "Wir versuchen, die elektronischen Funktionen in einzelne Moleküle zu packen", schilderte Leonhard Grill vom Institut für Chemie der Universität Graz. Die Elektronik der Zukunft könnte mit Molekülen rechnen. Die Herstellung von flexiblen molekularen Drähten mit hoher Leitfähigkeit und die anschließende Charakterisierung auf der Ebene einzelner Moleküle sei allerdings eine große Herausforderung, wie am Mittwoch in einer Aussendung der Universität Graz festgehalten wurde.

Grill hat mit seiner Arbeitsgruppe schon verschiedene funktionale Moleküle, die als Schalter oder winzige Leiterbahnen eingesetzt werden können, analysiert und deren Eigenschaften genauestens vermessen. Durch die Verwendung einer speziellen chemischen Zusammensetzung gelang es den Forschern diese speziellen flexiblen molekularen Drähte herzustellen, die sich durch hohe Leitfähigkeit und zugleich Biegsamkeit auszeichnen. Das Experiment wurde in Kooperation mit Kollegen der Berliner Humboldt-Universität und dem französischen Center National de la Recherche Scientifique in Toulouse ausgeführt.

Draht aus Gold

Um die Messungen durchführen zu können, haben die Forscher Polymerketten auf einer Goldoberfläche zusammengebaut. Anschließend wurde ein einzelner Draht mit einer sehr feinen Metallspitze von der Goldoberfläche hochgezogen. Dabei konnten unterschiedliche Kräfte beobachtet werden: "In diesem anspruchsvollen Experiment lassen sich sowohl die elektronischen als auch die mechanischen Eigenschaften in Echtzeit bestimmen", erläuterte Team-Mitarbeiter Christophe Nacci. Die Ergebnisse waren überzeugend und sollen nun laut den Grazer Wissenschaftern neuartige Designs molekularer Drähte vorantreiben.