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NextM-Konferenz Wenn der Acker digitalisiert wird.

Big Data könnte in der Landwirtschaft für mehr Effizienz sorgen
Big Data könnte in der Landwirtschaft für mehr Effizienz sorgen - Foto: APA/dpa/Armin Weigel
In Wien wurde diskutiert, wie Big Data und smarte Technologie eingesetzt werden können, um positive Effekte zu erzielen.

"Wir befinden uns mitten in der digitalen Revolution", konstatierte Rüdiger Wanck, von der Investorengruppe GroupM, die die Fachkonferenz NextM in Wien veranstalteten. "2050 werden die meisten Jobs, die es heute gibt in der Form nicht mehr existieren." Dabei vergleicht er diesen Transformationsprozess mit der industriellen Revolution im 18. und 19. Jahrhundert. Denn die digitale Transformation ist mittlerweile in nahezu allen Lebensbereichen angekommen und verändert Wirtschaft, Medien und Gesellschaft gleichermaßen.

Auf diesen Befund aufbauend tauschten sich international renommierte Forscher in der Wiener Aula der Wissenschaften aus. Die Frage, die dabei im Mittelpunkt stand "Wie beeinflusst der rapide fortschreitende technologische Fortschritt das menschliche Verhalten und die Gesellschaft?" und "Wie können Maschinen eingesetzt werden um gemeinsam mit Menschen eine positive Zukunft zu gestalten?".

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NextM-Konferenz in der Aula der Wissenschaften - Foto: futurezone

Carlo Ratti, Professor am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston, wagte in seiner Eröffnungsrede anhand einer ganzen Reihe an Beispielen, Prognosen, wie die Digitalisierung die Welt in den nächsten Jahren und Jahrzehnten verändern wird.

Grundsätzlich würden diese Transformationen von Daten getrieben sein. Sensoren erheben alle Art Daten, diese Unmengen an Daten werden anhand mathematischer Formeln und Algorithmen ausgewertet und in Kontext gesetzt. Mithilfe der daraus gewonnenen Erkenntnisse könnten dann beispielsweise Mobilitätskonzepte oder Ansätze in der Landwirtschaft effizienter gestaltet werden.

Effizientere Mobilität

Derzeit sei das selbstfahrende Auto in aller Munde. Kaum jemand könne sich derzeit vorstellen, dass es künftig Fahrzeuge ohne Lenkrad und Pedale geben wird. "Das Interessante ist aber nicht die Neugestaltung des Fahrzeuginneren", sagt Ratti. Das wirklich Transformierende sei vielmehr die Mobilitätskonzepte, die sich aus selbständig fahrenden Autos ergeben.

Man stelle sich eine Großstadt vor, in der ausschließlich selbstfahrende Minivans, eventuell ähnlich organisiert wie Fahrgemeinschaften, dafür sorgen, dass die Bewohner von A nach B kommen", so der MIT-Professor: "Aus unseren Datenauswertungen haben wir errechnet, dass es in so einem Szenario rund zwanzig Prozent weniger Fahrzeuge in der Stadt benötigt, da das Verkehrsaufkommen durch die selbstfahrende Autos wesentlich effizienter gestaltet werden kann." Dies sei nicht nur ein entspannteres Vorankommen für der Bewohner sondern auch kostengünstiger als der Ausbau und das Betreiben öffentlicher Verkehrsmittel.

Roboter auf dem Feld

Digitalisierung und Landwirtschaft, zwei Pole, bei denen man meinen möchte, dass nicht viel miteinander zu tun haben. Doch die Forscher des MIT rund um Ratti wollen das Gegenteil beweisen. Sie gehen von der Annahme aus, dass monokulturelle Landwirtschaft mit industriellen Ausmaßen nicht nur schlecht für die Natur sondern auch nicht die effizienteste Möglichkeit des Feldbestellens.

Also nahmen sich die Wissenschaftler ein Beispiel an der Natur. Im Gegensatz zur Monokultur habe man im Rahmen eines Experiments versucht, verschiedenen Nutzpflanzen in einem vorgeblich chaotischen Prinzip auf einem Feld anzupflanzen. Dafür wurde das Feld digitalisiert, vermessen und mit Sensoren ausgestattet. Mithilfe von computergestützten Berechnungen und selbstfahrenden Traktoren wurden dann die einzelnen Teilbereiche des Feldes automatisiert bepflanzt. Laut Ratti hat sich gezeigt, dass diese Art des digitalisierten Beackerns Potenzial hat, die Landwirtschaft nachhaltig zum Positiven zu verändern. "Man stelle sich vor, wie effizient die Landwirtschaft mithilfe von humanoiden Robotern und autonomen Drohnen organisiert werden kann".

Jobaussichten

All diese positiv besetzten Zukunftsvisionen von nachhaltigerer Mobilitätskonzepte und umweltfreundlicher Landwirtschaft konnten allerdings nicht erklären, wie denn die eingangs erwähnten neuen Jobbilder im Jahr 2050 aussehen werden, kritisierte etwa der deutscher Wirtschaftswissenschaftler Stephan A. Jansen in seinem Vortrag. "Wenn selbstfahrende Traktoren den Menschen Jobs wegnehmen, können plötzlich nicht alle Arbeitslosen anfangen solche Traktoren zu bauen. Dieses Konzept wird nicht funktionieren", stellt Jansen fest, da werde man sich noch etwas überlegen müssen.

(futurezone) Erstellt am 23.03.2017, 16:43

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