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Interface Wenn die Kleidung zum Touchscreen wird.

Prototyp eines Touch-Bedienfeldes auf Kleidung
Prototyp eines Touch-Bedienfeldes auf Kleidung - Foto: Media Interaction Lab
Neue Geräteklassen erfordern neue Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine. An der FH Oberösterreich in Hagenberg wird zu neuen Technologien und Materialien geforscht.

“Das Thema Interfaces ist nicht neu. Die Multitouch-Konzepte, die oft als revolutionär gepriesen wurden, stammen eigentlich aus den 70ern. Die Maschinen werden immer komplexer, wie man bei Autos schön sehen kann. Das verlangt eine Vereinfachung der Bedienung”, sagt Michael Haller, Leiter des Media Interaction Labs an der Fachhochschule Oberösterreich in Hagenberg. Ziel der Bemühungen in Hagenberg ist es, dass die Technik in den Hintergrund tritt. Im Media Interaction Lab werden entsprechende Konzepte entwickelt. Dabei werden z.B. oft Möbel mit interaktiven Oberflächen verheiratet. “Aber Touch-Konzepte sind nicht immer der Weisheit letzter Schluss. Wer schreibt schon mit dem Finger auf den Tisch?”, sagt Haller.

Deshalb nutzen die FH-Forscher beispielsweise einen hochpräzisen Anoto-Stift (die futurezone berichtete), der die Vorteile einer Eingabe mit Stift und Papier auf alle möglichen digitalen Geräten bringt.” So können Inhalte problemlos vom Papier auf ein Whiteboard transferiert werden”, so Haller. Das Produkt wird derzeit auch kommerziell umgesetzt und gemeinsam mit Bene vertrieben. Andere Szenarien verlangen wiederum andere Interfaces. “Touchscreens sind etwa in einem Auto während des Fahrens nicht immer sinnvoll. Wir entwickeln gemeinsam mit Joanneum Research und KEBA eine piezoelektrische, drucksensitive Folie, die auch haptisches Feedback liefert. So sind auch gebogene Flächen in Autos für die Eingabe geeignet”, so der Human-Computer-Interaction Spezialist. Über die Biegung des Displays könnte zudem ein weiterer Parameter zur Eingabe verwendet werden.

Tastatur und Maus verschwinden nicht

“Das ist im Falle von Autos vor allem auch ein ästhetischer Vorteil. Für die Eingabe während des Fahrens muss hier wohl eine noch bessere Lösung gefunden werden. Spracheingabe wäre eine Möglichkeit, hier gibt es aber noch einige Hürden auszuräumen”, so Haller. Damit ist vor allem die unzureichende Genauigkeit in vielen Bereichen gemeint. Zudem ist es in manchen Situationen einfach unkomplizierter, einen Schalter zu betätigen. “Aber grundsätzlich kann eine gut genug funktionierende Sprachsteuerung vieles ersetzen. Generell macht eine Kombination verschiedener Eingabemethoden Sinn, auch mit herkömmlichen Geräten wie einer Tastatur. Im Büro etwa wird es Keyboards sicher noch lange Zeit geben”, so Haller.

Dasselbe gelte auch für die Computer-Maus, die ein sehr präzises Instrument ist. “Vor allem Science-Fiction-Filme wie Minority Report gaukeln uns vor, dass wir kurz vor einer Revolution der Eingabesysteme sind, aber wenn man sich die dort präsentierten Konzepte durchdenkt, sind sie meist löchrig. Holografische Displays etwa schauen nett aus, aber 3D-Inhalte ohne haptisches Feedback machen wenig Sinn”, erklärt der Fachmann.

Erlernte Gesten

Natural User Interfaces ist derzeit ein gängiges Schlagwort. Gesten wie das Pinching zum Vergrößern und Verkleinern bei Touchscreens sind allerdings alles andere als natürlich. Es ist jedoch ein Mythos, dass Menschen den Umgang mit neuen Eingabemethoden nicht lernen können. „Sie sind einfach mit dem Aufkommen mobiler Geräte erlernt worden und so werden Dinge, mit denen wir heute aufwachsen, morgen als natürlich wahrgenommen”, so Haller. In Zukunft, wenn die Geräte immer kleiner werden und die Wearables tatsächlich einen Siegeszug antreten, werden Konzepte wie Touchscreens von neuen Ideen abgelöst werden müssen.

Software und Hardware werden sich dabei Hand in Hand entwickeln. “Jeder will seine Arbeit möglichst effizient erledigen. Die Technik darf dabei nicht hinderlich sein. Für Ärzte etwa, die eine Anamnese mit Spracheingabe aufzeichnen, funktioniert das schon recht gut. Entscheidend ist, dass die Software eine einfache Bedienung der Systeme erlaubt, etwa durch eine einfache Menüführung. Apple hat es uns mit dem iPhone vorgezeigt. Nur wenn die Benutzeroberfläche auf das Endgerät optimiert wird und nicht beispielsweise die Konzepte des Desktops auf ein Smartphone übernommen werden, ist man erfolgreich”, so Haller.

Wearables als Herausforderung

“Ein neues Gerät braucht ein neues Konzept”, sagt Haller. Wie ein solches für Wearables aussehen könnte, ist derzeit auch Gegenstand der Forschung am Media Interaction Lab. “Im Forschungsprojekt eGlasses, entwickeln wir Alternativeingaben für die Google Glass, wo man ganz neue Wege gehen muss. Die Herausforderung dabei ist der einfache Umgang, der über Gesten und Sprache hinausgehen soll”, so Haller.

An der FH Oberösterreich in Hagenberg wird zudem derzeit der Einsatz von in die Kleidung integrierten Steuerelementen für Wearables erforscht. “Wir weben leitende Fäden in die Kleidung ein, die entweder als Knöpfe oder als Touch-Elemente genutzt werden können. So kann über die Jacke die Glass gesteuert werden”, so der Leiter des Media Interaction Labs. Auch kleinere Geräte wie etwa Fitnesstracker können auf diese Weise bedient werden. „Wir setzen jedenfalls auf die smarte Kleidung. Wir haben derzeit ein Shirt mit einer iPod-artigen Navigationsrad und fünf ‘Tasten’. Aber auch Slider oder auf Zug reagierende Schalter sind möglich”, sagt Haller.

Das Media Interaction Lab (MiL) ist auf dem Gebiet der Mensch-Computer-Interaktion eines der führenden Forschungslabors in Österreich. Als Teil der Fakultät für Informatik, Kommunikation und Medien der FH Oberösterreich ist es an deren Campus in Hagenberg beheimatet. Integriert in das Department für Digitale Medien vereint es Ausbildung und Forschung und bietet somit den Studierenden eine projektbasierte Lernumgebung.

Dieser Artikel ist im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und Fachhochschule Oberösterreich entstanden.

(futuzrezone) Erstellt am 22.07.2014, 06:00

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