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Science
05/14/2013

Wie Big Data Apps unser Leben verändern

Der Trendbegriff "Big Data" ist zwar schon seit einigen Jahren auf dem Tisch. Nach und nach wird aber klar, wie die Anwendungen der nächsten Generation tatsächlich in der Praxis funktionieren werden. Nicht nur Menschen stehen im Mittelpunkt der Daten-Jäger, auch Maschinen werden über kurz oder lang in jeder Sekunde ihrer Verwendung protokolliert und analysiert.

Die komplette digitale Erfassung der physischen Welt ist mit kaum vorstellbaren Datenmengen verknüpft. Allein bei einem Flug einer Boeing 777 fallen 30 Terabyte an Daten an, wenn man alles bis ins letzte Detail aufzeichnen möchte, rechnete Pivotal-CEO Paul Maritz auf der EMC World in Las Vegas vor. Traditionelle Industrie-Zweige wollen aber genau das, da sie laut Maritz bei der Wartung von Maschinen oftmals im Dunkeln tappen.

Traditionelle Industriezweige im Datenrausch
"Die Wartung von Flugzeug-Triebwerken ist vermutlich das ineffizienteste Geschäft, das es gibt. Man geht von einem bestimmten Wert an Flugstunden aus, nachdem das Triebwerk ausgebaut und komplett auseinander genommen werden muss. Welche Einzelteile tatsächlich Verschleißerscheinungen aufweisen, kann man nur erahnen", erläutert Maritz. Über entsprechende Sensoren und Datenanalyse-Tools könne zukünftig schon während des Betriebs der genaue Zustand jedes Einzelteils ermittelt werden.

Die zehnprozentige Beteiligung des Industrie-Giganten General Electric an der neu gegründeten EMC-Division Pivotal wertet Maritz als Beweis, dass die profunde Datenanalyse auch in traditionsreichen Industriegeschäftszweigen, sei es nun bei der Produktion von Gasturbinen oder Zugmotoren eine große Rolle spielen werde. Anstatt Triebwerke zu verkaufen, könnten die Hersteller künftig auf den Verkauf von Betriebsstunden setzen, was mehr Flexibilität auf Kunden- und Herstellerseite bedeute.

Gesellschaftliche Verbesserungen
Dass smarte Big-Data-Applikationen auch in der Lage sind, wertvolle gesellschaftliche Verbesserungen einzuleiten, haben Wissenschaftler auf der ganzen Welt bereits anhand

. So könnte die intelligente Verknüpfung und Auswertung von Daten künftig etwa in der Bekämpfung von Malaria und Polio sowie anderen Krankheiten und Epidemien eine große Rolle spielen. Weitere Einsatzgebiete betreffen etwa die öffentliche Sicherheit und Kriminalitätsbekämpfung.

Wie viele der bereits existierenden mobilen Apps soll die nächste Generation an Anwendungen ebenfalls den Alltag erleichtern, dies aber auf eine viel intelligentere Weise als bisher und mittels

. Positiver Nebeneffekt für Unternehmen: Diese erhalten so einen direkteren Zugang zu Konsumenten und können personalisierte Services anbieten.

Big Data App als Supermarkt-Begleiter
"Supermarkt-Betreiber klagen oft darüber, dass die einzige Form der Interaktion mit dem Kunden an der Kassa stattfindet - wenn die Artikel schon im Wagen sind und alle Entscheidungen getroffen sind", erläutert Maritz auf Nachfrage der futurezone. Neue Applikationen könnten Kunden automatisch helfen, wenn diese etwas im Regal nicht finden oder nach Einkaufsvorlieben Angebote unterbreiten, wenn die Person in die Nähe einer Filiale komme.

Als weiteres Beispiel nannte Maritz Telekom-Betreiber. Diese würden zwar über detaillierte Statistiken über auftretende Gesprächsabbrüche und Netzschwankungen verfügen. Bei welchem der Kunden aber gerade ein Problem aufgetreten ist, sei mit herkömmlicher IT-Infrastruktur nicht zu eruieren. Der Unzufriedenheit von Kunden könne entgegengewirkt werden, etwa wenn sich das Unternehmen sofort nach einem Gesprächsabbruch mit einem Entschuldigungs-SMS beim Kunden melde.

Neue Datenmoral gefordert
Dass das neue Datenzeitalter neue Spielregeln und Abmachungen erfordert, betonte hingegen der Datenkünstler Jer Thorp, der unter anderem für die New York Times komplexe Datenreihen visuell ansprechend aufbereitet. Die Visualisierung könne dabei helfen, Daten und deren Wert besser zu verstehen. "Die Leute müssen eine persönliche Beziehung zu den Daten aufbauen, die sie erzeugen. Denn derzeit haben sie eigentlich keine Ahnung, worum es geht, wenn sie etwa Apps auf Facebook eine Berechtigung erteilen oder GPS-Daten ihrer Standorte zu Gesicht bekommen", sagt Thorp.

Aufgrund der enormen Möglichkeiten, die Unternehmen bei der Analyse von Userdaten haben, müsse man sich auf eine neue "Datenethik" verständigen, an die sich Unternehmen zukünftig zu halten haben. Wie Unternehmen aufgrund der Umweltbewegung etwa gezwungen seien, umweltschonend aufzutreten, sei ähnliches auch im Umgang mit Userdaten wünschenswert. In dieser Hinsicht müsse auch diskutiert werden, ob erzeugte Daten im Eigentum des User bleiben sollten. "Unternehmen, die diesbezüglich fair agieren, werden in Zukunft sicher einen Vorteil haben", zeigte sich Thorp überzeugt.

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