Start-ups
28.09.2018

Grazer Start-up entwickelt automatisches Entladesystem für Paketdienstleister

Das automatisierte Entladen von Paketen soll Kosten und Zeit einsparen und Mitarbeiter entlasten. Für kommendes Jahr ist der Markteintritt geplant.

Mit einem Plus von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ist der Paketmarkt enorm gewachsen, heißt es von der Österreichischen Post. Immer mehr Konsumenten kaufen ihre Produkte im Internet und lassen sie sich nach Hause zustellen, was in den vergangenen Jahren zu einem erhöhten Paketaufkommen geführt hat. Logistikunternehmen sind daher ständig auf der Suche ihre Geschäftsprozesse noch effizienter zu gestalten als bisher.

Ein junges Grazer Start-up könnte eine der Lösungen anbieten, die die Logistikunternehmer suchen. "Mit dem Entladesystem Rapid Unloader haben wir eine Lösung entwickelt, die es ermöglicht, Pakete aus einem Transportfahrzeug automatisch zu entladen", sagt Andreas Wolfschluckner im Gespräch mit der futurezone. Gemeinsam mit Matthias Fritz hat er vergangenes Jahr die PHS Logistiktechnik GmbH gegründet und das automatische Entladesystem erfunden.

Wesentliche Zeitersparnis

Derzeit sei es noch Standard, dass Mitarbeiter die Pakete einzeln und manuell aus den Lkw nehmen, was einen Flaschenhals in der Logistikkette und einen zeitintensiven Prozess darstellt, erklärt Wolfschluckner, der früher an der Technischen Universität Graz gelehrt hat: "Mit dem Rapid Unloader verkürzt sich die Entladezeit um mehr als die Hälfte und die Mitarbeiter werden körperlich entlastet."

Damit die Pakete automatisch entladen werden können, muss im Transportraum zuvor ein Entladeband installiert werden. Darauf werden dann die einzelnen Pakete gestapelt. Dockt der Lkw in der Entladebucht an, wird das stationäre Modul an der Entladebucht mit dem Band verbunden und zieht die Pakete automatisch aus dem Frachtraum. Das Fördersystem auf dem stationären Modul ist anschließend mithilfe von mehreren kleineren Förderbändern in der Lage, die Pakete zu vereinzeln.

Kostengünstige Nachrüstung

"Den Paketpulk aufzulösen, damit die Pakete – für den weiteren Sortierprozess geeignet sind, war eine technische Herausforderung", erzählt Wolfschluckner. "Wir haben die Steuerung der Förderbänder am Computer simuliert. Dabei hat sich herausgestellt, dass durch variierende Bandgeschwindigkeiten die Vorvereinzelung effizient möglich ist." Damit die ganz oben transportierten Pakete nicht herunterfallen und beschädigt werden, bremst ein Vorhang an der Docking-Station den Fall. Dass eine Nachrüstung kostengünstig und rasch über die Bühne gehen kann, sei ein weiterer großer Vorteil des Entladesystems.

Entwickelt wurde das Entladesystem für die klassischen gelben Wechselbrücken der Österreichischen Post. "Durch kleinere Adaptierungen können wir das Entladesystem aber auch für andere Transportfahrzeuge anpassen", sagt Wolfschluckner. Die Österreichische Post ist auch Kooperationspartner und mit einer Beteiligung von 26 Prozent maßgeblicher Investor bei PHS Logistiktechnik. Daneben wird das Start-up auch von der Förderbank austria wirtschaftsservice (aws) unterstützt.

Praxiseinsatz im Verteilerzentrum

Im Verteilzentrum der Post in Allhaming in Oberösterreich ist aktuell auch ein Entladesystem in der Praxis im Einsatz. Dafür wurden einige Transporter der Post mit dem Gurtsystem ausgestattet. Ende August wurde der Rapid Unloader in Oberösterreich das erste Mal der Öffentlichkeit präsentiert.

Das Logistiksystem wird aber nicht exklusiv für die Post entwickelt. Ausgelegt ist das System von PHS Logistiktechnik für die typischen Pakete aus dem Online-Versandhandel. "Mit dem Entladesystem kann das nicht zerbrechliche, nicht überschwere, lose Paketspektrum, das auch maschinell verarbeitet werden darf, automatisch ausgeladen werden", erklärt der ehemalige Universitätsdozent.

Markteintritt 2019

Dass die Automatisierung des Entladeprozesses auch etablierte Unternehmen vor eine große Aufgabe stellt, zeige sich in einer geringen Anzahl an Systemen auf dem Markt. "Vorwiegend handelt es sich dabei um halbautomatische Entladesysteme, die teuer in der Anschaffung sind, aber nicht die erhoffte Zeitersparnis bringen", sagt der Unternehmensgründer.

"Im Herbst werden wir den ersten Praxiseinsatz evaluieren und entsprechende Verbesserungen vornehmen", sagt Wolfschluckner. Danach wolle man so schnell wie möglich den Markteintritt angehen, der für kommendes Jahr im Rahmen von Pilotprojekten mit Vorserienmodellen geplant ist. Es gebe auch bereits einige Interessenten aus der Logistikbranche.

 

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und aws (austria wirtschaftsservice).