© Blue Danube Robotics

Start-ups
01/25/2019

Haut für Roboter verhindert, dass Maschinen Menschen verletzen

Das Wiener Start-up Blue Danube Robotics hat eine künstliche Haut entwickelt, mit der Roboter überzogen werden.

Roboter arbeiten zunehmend mit Menschen zusammen. Sie bringen  schwere Maschinenteile in Position, die danach von Menschen bearbeitet und zusammengesetzt werden. „Der Roboter übernimmt die körperlich anstrengende Tätigkeit, der Mensch macht die Feinarbeit“, sagt Tobias Ferner, Chief Technology Officer bei Blue Danube Robotics. Das Wiener Start-up hat eine Lösung entwickelt, mit der die Sicherheit bei der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine verbessert werden soll.

Die Roboterhaut Airskin ist eine mit Sensoren versehene künstliche Haut, die an exponierte Stellen von Robotern montiert wird. Sie reagiert auf Berührungen und stoppt die Maschine sofort, wenn sie mit menschlichen Mitarbeitern in Kontakt kommt. Für seine Lösung wurde Blue Danube Robotics am Donnerstag mit dem Living Standards Award von Austrian Standards ausgezeichnet.

Sensoren

In der herkömmlichen Robotik würden Roboter in einem geschlossenen Bereich, etwa hinter Zäunen arbeiten, erläutert Ferner. Sobald dieser Käfig geöffnet werde, werde der Roboter außer Betrieb gesetzt. Sensorik, um Kollisionen zu erkennen, gebe es üblicherweise keine. Die Roboterhaut seines Start-ups hingegen ermögliche es, dass Menschen und Roboter in einem Arbeitsraum sicher zusammenarbeiten könnten. Ursprünglich wollte das von Studenten der Technischen Universität (TU) Wien gegründete Unternehmen selbst Roboter bauen. Die Entwicklung eines kompletten Roboters sei sehr kostenintensiv, sagt Ferner. „Wir haben gemerkt, dass es großes Interesse aus der Industrie an berührungssensitiven Robotiklösungen gibt. Darauf bauen wir jetzt auf.“

Zum Einsatz kommt die Lösung vorwiegend in der Industrie. Zu den Kunden des Unternehmens zählen der Konsumgüterkonzern Henkel, der Automobilzulieferer Magna und der Verpackungsmittelhersteller Optima.

Weltmarkt im Visier

Derzeit streckt das Start-up seine Fühler nach Asien und Nordamerika aus. „Wir wollen uns am Weltmarkt etablieren“, sagt Ferner. In Japan etwa sei die Zusammenarbeit mit Robotern auch deshalb relevant, weil Facharbeitermangel herrsche.

Die Skepsis  und die Angst vor der Automatisierung sei zwar verständlich, sagt Ferner, habe aber mit der Realität nicht viel zu tun. „Die Vorstellung, die man von Robotern hat, ist eine Hollywood-Vorstellung. Die tatsächlichen Möglichkeiten sind viel limitierter. Roboter sind nicht mehr als bewegliche Maschinen mit ein bisschen Intelligenz.“

Interesse an der Technologie des Start-ups gebe es auch aus der Medizintechnik, erzählt Ferner. Ist der Einsatz in der Pflege vorstellbar? In Zukunft sei das möglich. Umgebungen im privaten Bereich seien allerdings viel komplexer. „Es stehen Gegenstände herum, Haustiere laufen durch die Wohnung. Industrielle Umgebungen sind vorhersehbarer.“ 

Noch seien nicht alle Fragen in der Mensch-Roboter-Kollaboration gelöst, meint Ferner. Wenn es etwa scharfkantige Werkstücke gebe, die von den Robotern gehoben werden, sei es eine Herausforderung, das sicher zu machen: „Wir wollen auch dazu unterstützende Technologien entwickeln.“

Living Standards Award

Mit den Living Standards Award zeichnet Austrian Standards, der österreichische Dienstleister rund um Normen,  Unternehmen aus. Diese Unternehmen haben durch gezielte Anwendung und Mitentwicklung Standards für den Einsatz innovativer und digitaler Lösungen weltweit mitgestaltet. Neben dem Wiener Robotik-Start-up Blue Danube Robotics wurden am Donnerstagabend   vier weitere junge Unternehmen prämiert.

Algen und Schnuller

Der steirische Anlagenbauer BDI-BioEnergy International wurde für die Entwicklung einer Industrieanlage zur Produktion von Algenbiomasse ausgezeichnet, die die standortunabhängige und konstante Produktion von Algenrohstoffen sicherstellt. Die Firma MAM Babyartikel konnte die Jury mit einem sicheren Schnuller überzeugen. 

Der oberösterreichische Nahrungsmittelhersteller S.Spitz erhielt einen Preis für die Weiterentwicklung von Barcodes, mit denen die Transparenz in der Lieferkette erhöht wird. Prämiert wurde auch eine Lösung des deutschen  Maschinenbauers Voith Paper. Sie kombiniert Maschinen der Papier- und Textilindustrie für die Herstellung von Inkontinenzprodukten.