Start-ups
05.12.2018

Österreichischer Gründerpreis Phönix 2018 vergeben

In fünf Kategorien wurden die besten Start-ups, Spin-offs und Prototypen mit dem begehrten Gründerpreis ausgezeichnet.

Bereits zum fünften Mal wurden im Rahmen eines Wettbewerbs im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) und des Bundesministeriums für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort (BMDW) die besten Spin-offs, Start-ups und Prototypen mit dem Gründerpreis Phönix ausgezeichnet. Die Preisträgerinnen und Preisträger gewinnen – neben Urkunde und Trophäe – die Teilnahme bei einem internationalen oder nationalen Event im Wert von 5.000 Euro.

Potenzial für Wirtschaft und Wissenschaft

Insgesamt wurde der Preis in fünf Kategorien sowohl an herausragende Gründer als auch an engagierte österreichische Forschungseinrichtungen vergeben. Neben den Projekten selbst ist auch die steigende Anzahl an Einreichungen ein positiver Ausdruck der wachsenden österreichischen Spin-off- und Start-up-Community, heißt es von den Initiatoren. Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck will die Wirtschaftsstrukturen verbessern, den Wirtschaftsstandort weiterhin attraktiv gestalten und mehr junge Menschen für Digitalisierung begeistern, sowie die Chancen des digitalen Wandels für neue Unternehmen und Geschäftsmodelle schnellstmöglich nützen und mehr Frauen zum Gründen oder Mitarbeiten in Start-up-Teams motivieren. „Dabei helfen ganz besonders unsere Role Models, die so zahlreich beim Phönix einreichen und als die Besten pro Kategorie Österreich bei nationalen und internationalen Veranstaltungen würdig vertreten“, sagt Schramböck.

„Der Österreichische Gründungspreis zeigt eindrucksvoll die exzellenten Forschungsleistungen und das große Innovationspotenzial an österreichischen Universitäten und Forschungseinrichtungen“, so Heinz Faßmann, Bundesminister für Bildung, Wissenschaft und Forschung. „Die hohe Anzahl an Einreichungen aus dem akademischen Bereich freut mich besonders und bestärkt uns auf unserem Weg, den akademischen Wissens- und Technologietransfer und die Forcierung von Entrepreneurship an Hochschulen und Forschungseinrichtungen weiter aktiv zu unterstützen.“

Von der Idee bis zur Umsetzung ist es laut Georg Kapsch, Präsident der Industriellenvereinigung, oft ein langer Weg: „Neben Forschergeist braucht es auch unternehmerisches Können und Mut, Risiken einzugehen. Die heutigen Preisträgerinnen und Preisträger zeigen das große Potenzial auf, das diesbezüglich in unserer Gesellschaft steckt.“ Um auf den bisherigen Erfolgen aufbauen zu können, brauche es Angebote und Rahmenbedingungen, durch die die gesamte Innovationskette gestärkt wird.

Förderungen

Über die erfolgreiche Verleihung des Gründerpreises zeigt sich auch die aws-Geschäftsführung erfreut: „Als Förderbank des Bundes unterstützt und begleitet die aws insbesondere innovative Spin-offs, Start-ups und junge Unternehmen von der ersten Idee bis zum Markterfolg. Auch bei der diesjährigen Runde wird klar, welches enorme Potenzial in diesen jungen Unternehmen steckt. Zum Erfolg der Unternehmen und damit auch zur positiven Entwicklung des gesamten Standorts beizutragen, freut uns besonders“, sagen die aws Geschäftsführer Edeltraud Stiftinger und Bernhard Sagmeister.

„Der Phönix 2018 zeigt erneut die enorme Innovationskraft in unserem Land“, sagen Henrietta Egerth und Klaus Pseiner, die beiden Geschäftsführer der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG): Die FFG sei dabei ein bewährter Partner, um kreative Unternehmer und ihre forschungsintensiven Innovationen gezielt zu fördern. In diesem Kontext verweisen sie auf entsprechende Maßnahmen wie etwa die Spin-off Fellowships. Mit dem Programm des BMBWF und der FFG werden Impulse gesetzt, um das Umfeld für künftige Spin-offs entscheidend zu verbessern und den Unternehmergeist an Hochschulen und in Forschungseinrichtungen zu stärken, heißt es von den FFG-Geschäftsführern.

Die Sieger in den fünf Kategorien

Von einer Fachjury wurden heuer folgende Preisträgerinnen und Preisträger gekürt:

  • Kategorie Business: talentify GmbH, Wien

Das Bildungsnetzwerk des Sozialunternehmens hat mit der talentify.me eine kostenlose Onlineplattform geschaffen, mit einer Lernhilfe von Schülern für Schüler. Beim gemeinsamen Lernen werden soziale Kompetenzen entwickelt und der soziale Zusammenhalt gestärkt. Gleichzeitig schafft die Plattform eine Alternative zu klassischer Nachhilfe. Zusätzlich bietet talentify auch eine Unternehmensplattform, die Unternehmen dabei hilft, die richtigen Berufseinsteiger zu finden und sie im Unternehmen auszubilden. Damit kann sich talentify in einem Mix aus unterschiedlichen Umsatzquellen nachhaltig finanzieren.

  • Kategorie Start-up International: PhagoMed Biopharma GmbH, Wien

PhagoMed Biopharma GmbH ist ein auf die Entwicklung von zugelassenen humantherapeutischen Anwendungen der Phagentherapie spezialisiertes Biotech-Unternehmen. Phagen sind Viren, die ausschließlich Bakterien befallen und zerstören. Phagen wirken dabei nur gegen ein sehr eingeschränktes Spektrum an Bakterien. Diese Kombination aus hoher Selektivität und gleichzeitig hoher Effektivität in der Tötung von Bakterien macht Phagen zu einer hochinteressanten Alternative zu Antibiotika bei der Behandlung bakterieller Infektionen. Seit der Gründung im November 2017 hat PhagoMed bereits mehr als vier Millionen Euro an Investments und Förderungen eingesammelt. Derzeit beschäftigt PhagoMed sechs hochqualifizierte Mitarbeiter am Campus Vienna Biocenter in Wien.

  • Kategorie Frauen: Gerda Fuhrmann, Gründerin & Geschäftsführerin UriSalt GmbH, Innsbruck

Das Tiroler Start-up UriSalt, das von Fuhrmann mitgegründet wurde, entwickelt einfache und nichtinvasive Tests für Ordinationen und Apotheken sowie für private Selbsttests, die eine sofortige Analyse und Überwachung wichtiger Körperelektrolyte über Urinproben ermöglichen. Derzeit wird beispielsweise der Natriumstatus meist über eine Blutuntersuchung beurteilt. Dies ist invasiv und logistisch aufwendig und deshalb für Screening und Monitoring nur bedingt geeignet. Dies ist aber in vielen Fällen äußerst wichtig, denn wenn Störungen des Natriumhaushalts nicht rechtzeitig behandelt werden, führen sie zu schweren bis lebensbedrohlichen gesundheitlichen Komplikationen. UriSalt hat daher SODISENS entwickelt: einen kostengünstigen Point-of-Care-Test (POCT) zur Beurteilung des Natriumhaushalts mittels Einmal-Urinstreifen und einem tragbaren Analyse-Geräts.

  • Kategorie Spin-off: Blue Danube Robotics GmbH, Spin-off der TU Wien

Das Wiener Unternehmen hat sich auf die sichere Zusammenarbeit zwischen Mensch und Roboter spezialisiert. Die patentierte „Airskin“ ist eine robuste, drucksensitive Haut, die direkt am Roboter montiert wird. Damit werden Roboter sicher für den Menschen und Unternehmen können damit zusätzlich Wettbewerbsvorteile wie Kosteneffizienz oder höhere Produktivität und eine vereinfachte Sicherheitsbewertung erzielen.

  • Kategorie Prototyp: AVVIE GmbH, Wien

Angel Valve Vienna GmbH („AVVie“) ist das einzige Medizintechnik Start-up in Österreich, das Implantate zur Behandlung von Herzklappenerkrankungen entwickelt. Rund 8,1 Millionen Menschen in Europa und den USA sind von einer undichten Mitralklappe betroffen. Goldstandard zur Behandlung ist eine Operation am offenen Herzen, eine schwerwiegende Intervention mit hohem Risiko. Mitral Butterfly ist ein Implantat, das minimal invasiv (mittels Katheter) über das Gefäßsystem ins schlagende Herz eingebracht werden kann. Das Implantat passt sich physiologisch an die Bewegung des Herzens an und repariert so schonend die defekte Herzklappe. Durch dieses neuartige Konzept und die damit verbundene verkürzte Interventions- und Rehabilitationsdauer können alle betroffenen Patienten behandelt und Kosten für das Gesundheitssystem reduziert werden.