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Start-ups
10/30/2020

Warum Start-ups und Investoren eine neue Gesellschaftsform fordern

Gründung und Finanzierung von Start-ups sind in Österreich mit viel Zeit und Kosten verbunden. Das soll sich mit "Austria Limited" ändern.

von Franziska Bechtold

Sie sind innovativ und haben Ideen, die zuvor noch niemand hatte. Sie wollen als kleines Unternehmen nationale und internationale Investoren von ihrer Vision überzeugen: Die Start-up Kultur blüht auch in Österreich auf. Doch sie könnte noch viel größer sein, glaubt Hannah Wundsam, Geschäftsführerin von AustrianStartups: "Gründen ist zu teuer, zu langwierig und zu kompliziert und das ist derzeit ein großes Problem. An vielen Innovationen wird bereits jahrelang im Hintergrund gearbeitet, sie scheinen aber nirgends auf und erhalten auch keine Hilfe, was gerade in Corona-Zeiten wichtig wäre", sagt sie im Gespräch mit der futurezone. 

Eine Lösung für dieses Problem schwebt der Regierung schon längst vor, nur umgesetzt wurde es bisher nicht. Das Projekt "Austria Limited" soll eine völlig neue Gesellschaftsform bieten, den Gründern unnötige Stolpersteine nehmen und österreichische Start-ups interessanter für ausländische Investoren machen.

Erste Änderungen 2021

Diese Entwicklung will Justizministerin Alma Zadić nun vorantreiben. Dafür steht sie in regem Austausch mit Start-ups, Gründern und Investoren. Auch mit der Austrian Angel Investors Association (AAIA) finden Gespräche statt. "Ich bin guter Dinge, dass die schrittweise oder komplette Umstellung auf die neue Gesellschaftsform bereits im 1. oder 2. Quartal 2021 stattfinden wird", sagt Laura Egg, Managing Director bei der AAIA der futurezone. 

Bisher ist allerdings nicht geklärt, ob die Austria Limited wirklich die beste Lösung ist. Zadić erklärte gegenüber Investoren und Gründern, eine neue Gesellschaftsform benötige absolute Rechtssicherheit, müsse einfach anwendbar sein und internationalen Standards entsprechen. Eine schnellere Umsetzung der Neuerungen sieht sie beim Verbessern der bestehenden GmbH. Man arbeite mit Hochdruck an einer Umsetzung, diese brauche aber ihre Zeit, so Zadić.

Kostenfressende Behördengänge

Derzeit gibt es 2 sinnvolle Möglichkeiten für Start-up-Gründer: eine AG oder eine GmbH. Die meisten entscheiden sich für eine GmbH und das dauert lange, manchmal mehrere Monate. Dann werden zahlreiche Behördengänge, ein Besuch beim Rechtsanwalt, beim Notar und bei der Bank fällig. Das kostet nicht nur Zeit, sondern auch Geld, teils im 5-stelligen Bereich. Deshalb würden viele Gründer lange warten, bis sie ihre Firma offiziell machen.

Zudem ist die Gründung nur in deutscher Sprache möglich. Das verhindert oft, dass Österreich als attraktiver Standort gesehen wird. Daher lautet hier die Forderung die Gründung digital, optional auf Englisch und an einer zentralen Anlaufstelle gebündelt abzuwickeln.

Haben Start-Up-Gründer diesen Prozess hinter sich gebracht, lauern noch weitere, viel schwerwiegendere, Hürden auf sie. Denn alle Start-ups brauchen Geld und dafür suchen sie Investoren auf der ganzen Welt. Die erhalten im Austausch Anteile an der GmbH. Dafür wird jedes Mal ein Gang zum Notar für Investoren und Gründer fällig. Neben Kosten für Verträge, Notar und Reise muss dann möglicherweise auch ein Dolmetscher bezahlt werden.

Dieser Prozess dauert bis zu 4 Wochen. Je nachdem wie häufig Start-ups neue Anteile vergeben, muss dies mindestens einmal jährlich abgewickelt werden. Dass das ausländischen Geldgebern häufig zu viel Aufwand ist, liegt auf der Hand. Die Nebenwirkung für Österreich zeigen sich: Um attraktiv zu bleiben verlagern Gründer ihre Firma lieber ins Ausland, wo solche Hürden nicht existieren, erklärt Wundsam. 

Buhlen um Arbeitskräfte

Doch nicht nur Investoren können Anteile an der Firma erwerben. Kleine Unternehmen haben oft nicht genug Geld, um die dringend benötigten Schlüsselpositionen mit teuren Talenten zu besetzen. Daher bieten sie ihnen Firmenanteile an.

Kommen diese Neuzugänge aus dem Ausland, käme es nicht selten vor, dass sie sich lieber für andere Stellen, etwa in Frankreich, entscheiden. Das Übertragen der Anteile sei dort deutlich einfacher und unbürokratischer, beschreibt Wundsam das Problem. Zudem müssten diese Anteile in Österreich zu hoch versteuert werden, fügt  hinzu - kein attraktives Angebot für neue Mitarbeiter.

Diese Prozesse sollen mit Austria Limited deutlich vereinfacht und beschleunigt werden. Das fängt bei der Möglichkeit an, die Behördengänge digital und auch in englischer Sprache abzuwickeln. Die digitale Gründung ist seit der Corona-Krise bereits möglich, wurde jedoch nur als Übergangslösung eingerichtet.  

Digitalisierung

Die GmbH bietet derzeit auch keine verschiedenen Anteilsklassen, etwa dass diese Mitarbeiter sogenannte stimmlose Anteile erhalten. Das bedeutet, dass sie zwar finanziell, aber nicht an Entscheidungen beteiligt sind. Auch das macht die Organisation innerhalb der Firmen komplizierter. Hier fordern Start-ups und Gründer nachvollziehbare Strukturen und die Möglichkeit, Anteile einfach und schnell digital in Klassen einstufen und offiziell eintragen zu können.

Die Möglichkeit, Besprechungen und Abstimmungen digital vorzunehmen, sogenannte Umlaufbeschlüsse, sind vor allem in den vergangenen Monaten essenziell geworden. Doch schon zuvor hatten österreichische Start-ups damit zu kämpfen, dass Abstimmungen vor Ort stattfinden müssen und so an ein persönliches Erscheinen der Entscheidungsträger geknüpft ist.

Startkapital von 5.000 Euro

Das sei laut Egg ein weiterer Grund, warum sich ausländische Investoren schwer tun, ihr Geld in österreichische Firmen zu stecken. Auch das sollte digital gehen, lautet die Forderung aus der Start-up Szene. "Schnelle Änderungsmöglichkeiten bringen einen Wettbewerbsvorteil für Start-ups", so Egg.

Vonseiten der Regierung ist geplant, die Einlage von 35.000 Euro auf 5.000 Euro zu senken. Doch das sei für die meisten Gründer nicht die Kernfrage, erklärt Wundsam. Das hohe Startkapital sei vor allem für Gründer eine Hürde, die ihr eigenes Geld investieren, anstatt nach Investoren zu suchen. 

Austria Limited oder neue GmbH?

"Das wirkt sich natürlich negativ auf die Innovationen in Österreich aus. Könnte man das virtuell abwickeln, könnte das doppelt so schnell gehen. Gerade während einer Krise zeigt sich, dass Innovationen schnell auf den Markt gebracht werden müssen", sagt Wundsam. Aus Sicht der Start-ups sei sowohl die Austria Limited als auch die Verbesserung der GmbH und AG dringend notwendig, um Österreich als Standort attraktiv zu machen. 

Das sieht Laura Egg ähnlich: "Die GmbH ist in ihrer jetzigen Form für viele Unternehmen gut geeignet und funktioniert. Innovative, junge Unternehmen, die schnell wachsen, brauchen aber eine eigene Gesellschaftsform." Die AAIA spricht sich daher für die Austria Limited aus, statt die bestehende GmbH zu ändern. Kritische Stimmen sehen in der neuen Gesellschaftsform aber auch Probleme, insbesondere bei deren Akzeptanz auf dem Markt und bei Geldgebern.  

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