Start-ups
16.05.2018

weXelerate: "Ein Ökosystem wie im Silicon Valley"

weXelerate will mehr sein als ein bloßer  Start-up-Accelerator © Bild: weXelerate

Mit seinem Open-Innovation-Konzept will das Start-up-Zentrum nicht nur Anlaufpunkt für Start-ups sein. Künftig sollen weitere Unternehmenspartner ins Boot geholt werden.

“Ein großer Vorteil, den wir bei uns sehen, ist der Multi-Corporate-Ansatz”, sagt Claudia Witzemann, eine der beiden neuen Geschäftsführerinnen bei weXelerate, die mit 1. April die Leitung übernommen haben . Dabei gehe es nicht nur darum, dass sich die großen Unternehmenspartner Start-ups anschauen und eine Zusammenarbeit starten können, sondern vor allem auch um den Austausch der Corporates untereinander. “Jeder sucht hier ein Start-up zu einem Problem, das er schon hat. Viele sehen dann aber auch, was andere Start-ups bei den anderen Partnerunternehmen machen und stoßen hier möglicherweise auf Lösungen, an die sie selbst zunächst gar nicht gedacht hatten”, erklärt Witzemann.

weXelerate will einen “neutralen Boden” für die Firmen schaffen, wo diese sich austauschen und gemeinsam Innovation vorantreiben können. Über die Rückmeldungen seitens der Unternehmen zeigt sich Witzemann zufrieden und verrät, dass man künftig durchaus weitere Corporate-Partner ins Boot holen will. Einzelne Gespräche dazu laufen im Hintergrund bereits.

Auf Seiten der Start-ups wiederum hat man sich zunächst bei den Auswahlrunden an großen US-Accelerators wie Plug & Play orientiert. In Zukunft will man die Selektion jedoch noch etwas abändern, wie Gabrielle Costigan, die zweite weXelerate-Geschäftsführerin im Gespräch mit der futurezone verrät. “Wir sehen, dass die Corporate-Partner hier vor allem von einer beständigen und soliden Zusammenarbeit mit den Start-ups profitieren und es weniger darum geht, schnell herein und wieder hinaus zu kommen.” Einzigartig für weXelerate sei aber auch, dass man von den Start-ups keine Anteile nehme, so Costigan. “Daher sind wir beim Aussuchen besonders unvoreingenommen.”

© Bild: Grafik

Kollaboration

Der neuen weXelerate-Führung ist es wichtig zu betonen, dass das Start-up-Zentrum auf Kollaboration auf allen Ebenen setzt und es nicht um ein gegenseitiges Konkurrieren geht. Anknüpfungspunkte gibt es viele. Neben den Corporate-Partnern spielen auch Mentoren eine gewichtige Rolle im Ökosystem. Oliver Suchocki von Eblinger und Partner fungiert etwa als solcher und steht Start-ups mit Rat und Tat zur Seite. Sich hier einzubringen sei so interessant für die Personalberatungsfirma gewesen, dass man proaktiv von sich aus auf weXelerate zugegangen sei, sagt Suchocki.

Die Start-ups haben die Möglichkeit, sich bei den Mentoren aktiv Unterstützung zu holen, oftmals geschieht der Kontakt aber nicht nach strengem Terminplan, sondern entsteht etwa im Rahmen von Events, die im Start-up-Zentrum stattfinden. Hier fühlen sich viele ungezwungener und haben weniger Berührungsängste, wie auch Suchocki bestätigt. “Was die Jungunternehmen brauchen, sind natürlich Kunden. Hier können wir mit unserer Erfahrung helfen. Aber auch aufzeigen, wenn eine Idee zwar gut ist, aber professionalisierte Prozesse - etwa im Vertrieb - oftmals noch fehlen”, so Suchocki. Ein weiterer Punkt an dem es manchmal hake, sie die Aufstellung des Teams, an der sich der Erfolg ebenso entscheiden kann. Generell sei jedenfalls zu beobachten, dass jene, die aktiv um Hilfe bitten, sich meist schon selbstkritischer mit ihrem Start-up auseinandergesetzt haben und daher auch eher offen sind, Rat anzunehmen. “Es ist wichtig, Probleme rasch zu erfassen und die nötigen Anpassungen vorzunehmen”, erklärt der Mentor.

“Silicon Valley Flair”

Letztlich hofft natürlich jedes Start-up auf ein großes Investment. Dass sich bei weXelerate mit Speedinvest und i5invest gleich zwei große Investorenfirmen eingemietet haben, schafft auch räumliche Nähe zwischen Geldgebern und Start-ups. “Für uns stand zuerst einmal die Location im Fokus, weil wir ein neues Büro gesucht haben”, sagt Daniel Keiper-Knorr von Speedinvest. “Aber auch die Corporates, die hier involviert sind, sehen wir als großes Plus, weil es Wege abkürzt und sich Meetings viel einfacher organisieren lassen.” In dieser Form sei der Standort jedenfalls konkurrenzlos in Wien, meint Keiper-Knorr. Speedinvest beschränkt sich beim Start-up-Scouting nicht nur auf weXelerate, ist aufgrund der hohen Konzentration an Jungunternehmen, die sich hier pro Auswahlrunde mehrere Monate im Programm befinden, bereits auf einzelne Start-ups gestoßen, in die auch investiert wurde.

Für die Investorin Linda Paierl bringt das Start-up-Zentrum so etwas wie “ Silicon Valley Flair” nach Österreich, wie sie sagt. Auch sie sieht einen besonderen Nutzen darin, dass hier Gründer mit etablierten Unternehmen in intensiven Austausch gebracht werden. “Für Wien ist das einzigartig, so etwas erinnert an die großen Ökosysteme im Silicon Valley. Auch die Qualität der Workshops und der internationale Ansatz von weXelerate sind mir positiv aufgefallen”, sagt Paierl. Als Investorin sei sie grundsätzlich thematisch allen Start-ups gegenüber aufgeschlossen, “derzeit sehe ich aber vor allem im Bereich künstlicher Intelligenz, Fintech, Blockchain und Cybersecurity besonders interessante Felder”.

Claudia Witzemann und Gabrielle Costigan leiten seit 1. April das Start-up-Zentrum weXelerate © Bild: Kurier / Gerhard Deutsch

Austausch zwischen den Unternehmenspartnern

Einer der großen Unternehmenspartner, die derzeit bei weXelerate mit an Bord sind, ist Palfinger. Das Unternehmen ist bekannt für seine Hebe- und Ladevorrichtungen und Weltmarktführer bei auf LKW montierten Kränen. “Mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten neue Dinge zu entwickeln und uns aus der Start-up-Community Ideen und Kompetenzen abzuholen, die nicht zwingend aus unserem Unternehmen selbst heraus entstehen, ist der Grund, wieso wir hier dabei sind”, erklärt Philipp Smole, der sich als Head of Corporate Incubator Palfinger 21st um die Innovation im Unternehmen kümmert. Auch er schätzt die Möglichkeit zum Austausch mit den anderen Industrieunternehmen, sieht aber auch Vorteile, was das Employer Branding angeht. “Wir brauchen neue Mitarbeiter, die auf uns aufmerksam werden. Daher ist es für uns wichtig hier über weXelerate Kontakte zu knüpfen.”

Andocken an verschiedenen Stellen

Eines der Start-ups, das im jüngsten Batch mit dabei war, ist jingle. Die Firma hat sich auf Chatbots spezialisiert und parallel als zweites Produkt einen Marktplatz für lokalen Handel im Internet geschaffen. Schon bevor jingle in das Programm bei weXelerate aufgenommen wurde, ist das Start-up gemeinsam mit der Chatbot-Firma The Ventury in dem Start-up-Hub eingezogen und möchte wohl auch nach Ende des Batch in der Location bleiben. “Um ins Programm aufgenommen zu werden, ist es wichtig, dass man für Corporate Partner einen Usecase hat - bei uns ist das zum Beispiel die Post”, erklärt Lukas Binder, einer der Mitbegründer von jingle. Besonders zu schätzen wisse man das Mentorenprogramm, von dem das Team sehr profitiert habe. “Am Ende eines solchen Batch steht natürlich das Ziel eines Investments - und bei uns sieht es derzeit ganz gut aus, dass es auch etwas werden könnte”, verrät Binder.

Als belebende Klammer, die sich über das ganze Ökosystem weXelerate spannt, fungieren nicht nur interne Events, sondern auch Veranstaltungen wie jene des Darwin Circle. Die Veranstalter haben den Start-up-Hub als Ort für kleinere, spezialisierte Events wie zuletzt “DC Mobility” für sich entdeckt. “Für Events in der Größenordnung von bis zu 200 Leuten finden wir hier sehr gute Bedingungen vor”, sagt Niko Pelinka, einer der Mitorganisatoren bei Darwins Circle. Der Standort sei nicht nur aufgrund der Räumlichkeiten passend, sondern auch aufgrund der thematischen Nähe, die sich hier zum Haus herstellen lasse. In Zukunft sei es daher durchaus vorstellbar, weitere Events bei weXelerate abzuhalten, so Pelinka, der, wie die meisten, die hier angedockt haben, das große und offene Netzwerk als besonderen Nutzen hervorstreicht.