Start-ups
06.05.2015

Der jüngste Start-up-Millionär Österreichs

Julian Zehetmayr hat im Oktober des Vorjahres seine Firma „Mobfox“ verkauft. Nun wird er zum Business Angel und investiert seine Millionen in interessante Start-ups.

Vor sechs Jahren, er war gerade einmal 16 Jahre alt, „erfand“ Julian Zehetmayr ein zweites Internet, eine Art Second Web im WWW und schaffte es mit diesem „Schwachsinn“, wie er es heute sieht, in unzählige deutschsprachige Portale und Medien – „16jähriger entwickelt virtuelles zweites Internet“. „Schon damals wurden die Domains knapp und so hatte ich die Idee zu diesem Internet im Internet und habe es, in Anlehnung an die Second World, Second Web genannt“, erzählt Zehetmayr im futurezone-Gespräch. „Es war eine lustige Erfahrung.“

17,6 Millionen Dollar

2015 ist der 22jährige Wiener Millionär, weil eine seiner Ideen abhob – im Oktober 2014 verkaufte er sein Unternehmen Mobfox, das mobile Werbung neu erfunden hat, um 17,6 Millionen Dollar an an die internationale Digitalwerbegröße Matomy Media Group. Obwohl man von der Summe „einiges“ für Anwälte, Steuerberater und Broker abziehen und Aktiensteuer bezahlen müsse, er auch sieben seine Mitarbeiter mit einer Summe bedacht habe, bleibe ein hübsches Sümmchen über. „Ich brauche mir keine Sorgen um die Rechnung in einem Restaurant zu machen“, sagt Zehetmayr und lächelt. „Aber es ist nun auch nicht wieder so viel Geld, dass man damit in riskantere Ideen investieren könnte.“

Er habe immer schon einen guten Lifestyle geführt, aber er hat eine Wohnung im 13. Bezirk und nicht einmal ein Auto. „Ich fahre meistens mit dem Taxi.“ Mit Car2Go sei er auch öfter unterwegs gewesen – „bis ich meine Karte verloren habe“. Er pendelt zwischen Wien und London, zwei Wochen ist er in Wien, wo es entspannend, fast ein bisschen langweilig ist. In London hingegen, wo er auch eine eigene Wohnung hat, sei es stressig.

Mit 13 das erste Business

Die ersten Geschäftsideen hatte er schon mit 13. „Damals habe ich Sachen auf eBay verkauft.“ Die Schule spielte für ihn immer eine sekundäre Rolle. „Ich war nicht das einfachste Kind und hatte nicht die besten Noten in Betragen. In Deutsch und Englisch war ich gut, in Mathematik schlecht. Die Schule hat mich in gewisser Weise gehindert, weil mich das meiste, was man dort unterrichtet, schlicht nicht interessiert hat.“ Er brach die Schule ab. Seine Eltern waren – logisch – skeptisch und seine (ehemaligen) Lehrer belächelten ihn. „Die meisten Menschen brauchen einen Schulabschluss, für mich war aber klar, dass ich auch ohne auskommen werde.“

Die Ideen, die er probierte waren ein Essenszustelldienst – jetztessen – der ähnlich wie heutige Dienste wie etwa Mjam funktionierte. Er kaufte ein Pizzaportal, das wurde ihm aber relativ schnell zu langweilig. „Ich habe vieles, was ich gemacht habe, meinen Eltern gar nicht erzählt, sondern es einfach ausprobiert“, erinnert sich der 22Jährige, der ein Prinzip hat - nie Geschäfte mit Freunden – „mein Freundeskreis sind Schulabrecher“ - machen.

Nur wenige Berater

Der 22jährige strahlt so etwas wie zurückhaltende Selbstsicherheit aus und hat vor, am Boden und flexibel zu bleiben. „Ich plane keine große Investition, sondern überlege mir, wie ich das Geld sicher anlege. Ich bin nicht naiv, daher falle ich nicht auf Abzocker rein.“ Einer seiner Berater, dem er am meisten vertraut, ist sein Vater. Der ist mit seinem Callcenter Telebiz selbst ein erfolgreicher Unternehmer.

Was er künftig macht, muss langfristig Spaß machen und skalierbar sein. Erfolg dürfe jedenfalls nie mit Geld definiert werden. „Wenn etwas Spaß macht und man davon überzeugt ist, kommt der Erfolg ohnehin.“ Als bei Mobfox die „ersten Tausender pro Tag“ reingekommen sind, sei das schon „ziemlich spannend“ gewesen. Zehetmayr: „Man darf nie beim Gründen einer Firma gleich an den Exit denken.“

Auf die Nase gefallen

Auch mit der Kultur des Scheiterns machte er Erfahrung – „zwar nicht im großen Stil aber auf die Nase bin ich auch gefallen, habe oft Fehler gemacht. Es ist extrem wichtig, Dinge zu machen, die nicht erfolgreich sind, denn nur so lernt man und sammelt Erfahrungen.“ Was wie eine Plattitüde klingt, hat den 22Jährigen weit nach oben gebracht.

Trotz schlechten Mathematiknoten konnte der Schulabbrecher gut rechnen, als er im Vorjahr ein Angebot von 17,6 Millionen Dollar für sein 19 Mitarbeiter starkes Unternehmen bekam. International betrachtet war der Verkauf eher ein kleiner Erfolg, aus österreichischer Sicht betrachtet ein großer. Einen großen Anteil am Erfolg hat Markus Wagner und i5invest. „Markus hat mich kontaktiert und er war maßgeblich an dem Deal beteiligt.“ Im Nachsatz: „Mit Capital Raising, Förderungen und so weiter habe ich keine Erfahrung, ich habe ja nicht mal um Förderungen angesucht.“

Business-Angel und Serienunternehmer

Einen Teil seines Geldes wird er traditionell anlegen – in Immobilien, sichere Aktien, einen Teil riskanter, „aber ich will das Geld nicht so schnell verlieren.“ Wo er sich gut auskenne, sei die Werbebranche, über Immobilien habe er viel gelesen und sonst verlasse er sich auf sein Gespür. Das dürfte ein gutes sein, denn Julian Zehetmayr könnte auch zum jüngsten Serienunternehmer Österreichs werden. Er ist zwar weiterhin im Management von Mobfox tätig, investiert aber nebenbei bereits in Startups, so zählt er zu den Business Angel Investoren des Österreichischen Startups ChatGrape. Den gegenwärtigen Hype um Start-ups – Staatsekretär Mahrers „Gründerzeit“, das Start-up-Festival „Pioneers“ und die Start-up-Show „2Min2Mio“ – kann er viel abgewinnen. „Wichtig ist, dass Startups in den Vordergrund gebracht werden. Je mehr Öffentlichkeit sie bekommen, desto besser.“